„Ozapft is“ in Ottersdorf

Rastatt (kba) – Bei Helga Schaible aus Ottersdorf werden Tannenzapfen und Co. zu Herbst-Winter-Deko mit natürlichem Charme.

Seit knapp zwei Jahren produziert Helga Schaible Kreatives aus Naturmaterialien.Foto: Kerstin Bausch

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Seit knapp zwei Jahren produziert Helga Schaible Kreatives aus Naturmaterialien.Foto: Kerstin Bausch

Schmale lange Kiefernzapfen, aufgetürmt zu zierlichen Bäumchen; exotische, kanadische Hemlocktannenzapfen wie kleine Glöckchen an Kränzen; ein, zwei kunstvoll in Wachs konservierte Duftrose auf schlankem Birkensockeln... Die dunkelrot gestrichene Wand setzt die kleine, feine Verkaufsausstellung in der Waldstube – wie Helga Schaible den kleinen Werk- und Schauraum mit Terrasse gerne liebevoll nennt – perfekt in Szene und macht Lust, genauer hinzuschauen. „Ein eigenes Lädchen war schon immer mein Traum.“ Das hat Helga Schaible noch nicht, doch Regale könnte sie bereits füllen.

Seit knapp zwei Jahren produziert die umtriebige Vorruheständlerin Kreatives aus Naturmaterialien. Ihre diesjährigen Werke sollen ab 4. November in der Kelterei Alte Trott in Ottersdorf zum Verkauf stehen.

Mehr als 30 Exponate hält die Ottersdorfer Kunsthandwerkerin schon jetzt für die Herbst- und Vorweihnachtszeit bereit. Jedes ihrer Stücke ist ein Unikat, entstanden durch ein glückliches Händchen beim Sammeln im Wald oder auf den Wiesen rund um Ottersdorf und ihrem Geschick beim Arrangieren.

„Immer das Gleiche zu machen, kam für mich bis jetzt nie in Frage.“ Dafür hat sie noch viel zu viele Ideen. Außerdem ist, was sie übers Jahr gesammelt hat, oft an sich schon einzigartig; von der Natur gestaltet. Zapfen, Rinden, Früchte, Moose in allen Arten, Größen, Ausführungen und Farben füllen darum Dutzende fein säuberlich beschriftete Schubladen und Kisten in der Werkstatt, dazu Muscheln oder Schnecken, selbstgesammelt oder mitgebracht, um immer das Richtige zu haben. Jedes ihrer Fundstücke wird erst mal sorgfältig aufgearbeitet, geruchsfrei und haltbar gemacht. Schaible: „Zapfen und Nüsse wasche ich, Moos behält durch Haarlack besser seine Farbe.“ Und Rinden formt sie mit Hilfe von Kabelbindern, noch ehe sie ganz getrocknet sind, verrät die Naturkünstlerin dem BT ein paar der vielen Tricks und Kniffe, die es für sie braucht, damit Kreationen möglich lange schön bleiben.

Dazu gehört auch, dass alles ausreichend stabil und transportabel ist. Ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und des „Upcylings“ bevorzugt Schaible, was eh schon da ist: Ein rundes Vesperbrett als Basis für den rund 50 Zentimeter hohen Zapfenbaum, eine sternförmige Fliese für ein Gesteck. „Styroporkörper würde ich nur verwenden, wenn eine Bestellung sehr eilig wäre“, so Schaible. Ansonsten setzt sie auf Fingerspitzengefühl und Natur, wie sie anhand eines Werkstücks deutlich macht.

Die Kugel aus nichts als Schwarzkiefernzapfen ist erst halb fertig, rund ein Dutzend der Baumfrüchte sind bereits dicht an dicht gefügt. „Ganz eng aneinander wird die Kugel fest genug, um einen Kerzenständer zu tragen“, weiß die Heimwerkerin. Gleiches gilt für ihre Kränze: „Hohlräume fülle ich, wenn das nötig ist, nur mit Zeitungspapier oder Stoff. Mehr braucht es nicht.“

Trotz aller Aufbereitung sollten ihre Schöpfungen trocken stehen. Denn sonst ist Natürliches eben immer noch vergänglich. Nach dem Binden und Kleben kommt die Kür. Fast jedes Teil in der Ausstellung birgt weitere kreative Details: Douglasien-Zäpfchen tragen ein Sternanis-Krönchen, Schneckenhäuser balancieren glänzende Baumkügelchen auf ihren Öffnungen, und ein Kerzenglas schmückt ein imposanter weißer „Schneerand“.

Schaible arbeitet ohne Vorlagen oder Pläne, nur nach den eigenen Ideen und aus dem Kopf. „Manchmal fällt mir etwas ein, dann gehe ich auch zwischendurch mal runter und probiere es aus.“ Ansonsten sitzt sie oft schon früh ab fünf Uhr oder abends nach zehn an ihren Werken.

„Letztes Jahr habe ich auch schon viel gemacht, das meiste aber verschenkt“, erzählt sie. Darum weiß sie jetzt, was gefällt. Und ihre Familie steht dabei voll hinter ihr: „Mein Mann meinte nur noch: Was du alles kannst!, als er das nun gesehen hat.“ Schaible, die wie sie sagt, selbst immer gearbeitet hat, Kinderschneiderin lernte und danach viele Jahre in Produktion und Verkauf einer Reinigung tätig war, ist trotzdem auch noch eine wichtige Stütze für Mann, Tochter, Bruder. Und natürlich auch ihre drei spanischen Podenco-Hunde brauchen viel Aufmerksamkeit.

Das Basteln aber ist ihr Ding, und Schaible möchte vor allem auch anderen damit Freude machen. Im Sortiment finden sich darum auch ganz kleine Sachen, wie die Zapfen-Wichtel für den Weihnachtbaum ab 1,50 Euro. Und selbst ihr Lieblingsstück, das Bäumchen aus über 100 zierlichen Zäpfchen, an dem sie mehr als acht Stunden lang saß, soll bereits für 55 Euro zu haben sein.

Ab 4. November, in der Kelterei Alte Trott in Otternsdorf zu bewundern, sollten Interessierte nicht zu lange warten, denn ein paar der schönsten Stücke sind schon weg. Und wer rechtzeitig kommt, kann notfalls auch noch etwas bestellen, denn: „Machen kann ich vieles, doch am schönsten ist es, wenn es einfach richtig passt.“

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Erstellt:
3. November 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 21sec

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