PFC: 1.159 Hektar Ackerland belastet

Rastatt (fk) – Auf exakt 1.159 Hektar Ackerland wurde in Mittelbaden bisher ein Eintrag mit PFC gefunden. Fast alle potenziellen Risikogebiete sind untersucht.

Viel Aufwand für die Wasseraufbereitung: Durch 114 graue Filterrohre wird etwa das Baden-Badener Wasser gepresst, um es PFC-frei zu machen. Foto: Harald Holzmann/Archiv

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Viel Aufwand für die Wasseraufbereitung: Durch 114 graue Filterrohre wird etwa das Baden-Badener Wasser gepresst, um es PFC-frei zu machen. Foto: Harald Holzmann/Archiv

10.162 Hektar Ackerfläche gibt es in den Kreisen Rastatt und Baden-Baden. 2.905 Hektar davon gelten als PFC-Verdachtsflächen; auf 1.159 wurde ein Eintrag der Chemikalie in den Boden gefunden. Noch in diesem Jahr sollen die Untersuchungen in den mittelbadischen Böden abgeschlossen werden. Reibungslos verläuft das aber nicht – zumindest nicht, wenn es nach dem Rastatter SPD-Abgeordneten Jonas Weber geht.

Weber: Zu spät informiert

Er bemängelt in einer Stellungnahme, die dem BT vorliegt, dass Bürger zu spät über Verunreinigungen in ihren Böden benachrichtigt wurden. Erst im November 2020 erfuhren demnach die Wintersdorfer, dass die PFC-Grenzwerte im Grundwasser über dem kritischen Wert liegen. Dabei zeige eine Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage Webers, „dass bereits ein Jahr vorher, im November 2019, sowie bei einer Wiederholungsmessung im April 2020 eine Grundwasserverunreinigung mit PFC festgestellt wurde“, empört sich der Sozialdemokrat. Das für die Information der Bürger zuständige Landratsamt hält auf BT-Anfrage dagegen. Die Aussage von Weber sei falsch. Man habe im Januar 2020 Ergebnisse gehabt, die eine minimale Überschreitung an zwei Messstellen in Wintersdorf zeigten. Danach hätten erst weitere Messungen und Untersuchungen erfolgen müssen, woher der PFC-Eintrag komme, welche Fläche betroffen sei und wie sich das PFC verbreite. „Als diese Ergebnisse vorlagen, haben wir die Bürger informiert“, so Landkreissprecher Michael Janke. Die Experten gehen davon aus, dass der Eintrag in Wintersdorf aus dem Rheinniederungskanal stammt.

Derzeit werden Untersuchungen für Frühjahr 2021 geplant

Das Ministerium rechnet in der Antwort auf Webers Anfrage mit keinem allzu fernen Ende der Untersuchungen. Wörtlich heißt es: „Derzeit werden die Untersuchungen für das Frühjahr 2021 geplant. In welchem Umfang im Landkreis Rastatt noch Untersuchungen notwendig werden, kann derzeit nicht prognostiziert werden. Das Ziel, in 2021 die Erfassung abzuschließen, erscheint aus heutiger Sicht erreichbar. Im Stadtkreis Baden-Baden sei die Untersuchung abgeschlossen. Bei Bekanntwerden neuer Erkenntnisse könnten weitere Flächenuntersuchungen notwendig werden, so das Ministerium. Bleibt die Frage, woher diese neuen Erkenntnisse kommen sollen, wenn gar nicht mehr untersucht wird. Die Antwort liefert auf BT-Anfrage die Stabstelle PFC beim Regierungspräsidium Karlsruhe. Man habe einen ausreichenden Radius um die Kompostwerke, die den mit PFC verunreinigten Klärschlamm in Umlauf brachten und die Stellen, wo der PFC-belastete Kompost ausgebracht wurde, abgesteckt und untersucht. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass weitere Bodenflächen belastet seien, so Dr. Gabriel Striegel. Dennoch fänden weiterhin Untersuchungen von Gewässern aller Art statt. Unter Hinzuziehung des Grundwassermodells könnten so eventuelle weitere Ausbreitungen bemerkt werden, in deren Folge dann erneut Bodenuntersuchungen unternommen würden.

Viele Einschränkungen für Gartenbewässerung


Seit Mitte 2020 wurden dem Rastatter Landratsamt zufolge 395 Hektar an Boden untersucht, bei denen 114 Hektar entdeckt wurden, die eine Verunreinigung mit PFC aufwiesen. Das Ministerium nennt zudem in seiner Antwort mehrere Bereiche, für die eine „Empfehlung zur Nutzungseinschränkung privater Gartenbrunnen“ auszusprechen sei. In Rastatt handele es sich um die Ortsteile Rauental, Niederbühl (mit Förch), Münchfeld und Siedlung sowie Wintersdorf. In Sinzheim sind die Ortsteile Müllhofen und Halberstung betroffen. Für die nächste Beregnungssaison werde voraussichtlich noch für den südwestlichen Teil von Sinzheim eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen.

In Bühl betrifft es den Ortsteil Weitenung, für den Ortsteil Vimbuch müsse die Datenlage noch verifiziert werden. In Rheinmünster sind es die Ortsteile Schwarzach und Söllingen. Für die Gemeinde Hügelsheim gilt die Empfehlung bereits seit einigen Jahren.

Kaum Probleme bei Fließgewässern

Im Stadtkreis Baden-Baden wurde für den Ortsteil Sandweier, das Gewerbegebiet Steinbach-West sowie den Gewerbepark Bollgraben aus Vorsorgegründen die Empfehlung ausgesprochen, Grundwasser nicht zur Bewässerung der Gartengrundstücke und Hausgärten zu benutzen und stattdessen auf eine Bewässerung mit Trink- oder Regenwasser umzustellen.
Auch in einzelnen Waldböden sei PFC-Belastung feststellbar, so das Ministerium. Ein genauer Bericht soll ab März einsehbar sein. Zudem wurden in drei Tiertränken in Mittelbaden zu hohe Werte festgestellt; Milch und Fleisch betroffener Betriebe werde aber ohnehin überwacht. Gleiches gilt für Baugebiete von Kommunen. Auch sie würden auf PFC geprüft. Auch in zwei Seen zwischen Sandweier und Iffezheim wurden zu hohe Werte festgestellt, Fließgewässer waren demnach unbedenklich.


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