PFC-Erde soll nach Oberweier

Gaggenau (tom) – Die Mülldeponie in Oberweier soll zur Nutzung von Erdaushub genutzt werden. Dazu gehören auch PFC-haltige Böden.

Auf das bestehende Gelände soll mehr Material abgelagert werden. Eine räumliche Erweiterung ist nicht geplant. Foto: Thomas Senger/Archiv

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Auf das bestehende Gelände soll mehr Material abgelagert werden. Eine räumliche Erweiterung ist nicht geplant. Foto: Thomas Senger/Archiv

Die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie wurden im Landratsamt vorgestellt. Genehmigt ist noch nichts. Mit einem Beginn der Ablagerung ist frühestens 2028 zu rechnen. Dann aber sind bei vorausgesagten bis zu 30.000 Kubikmetern pro Jahr rund 1.500 zusätzliche Lkw-Fahrten jährlich zur Deponie zu erwarten. Es wird mit einer Nutzungszeit von 16 bis 17 Jahren kalkuliert.

Hintergrund: Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises sucht Flächen für die Ablagerung/Entsorgung von Bodenaushub der Deponieklassen DK 0 und DK I, also insbesondere unbelasteter oder leicht belasteter Boden sowie leicht belasteter Bauschutt. Im Landkreis gibt es für DK I-Material lediglich die Deponie Oberweier. Sie hat derzeit ein Restvolumen von 30.000 Kubikmetern. „Wir haben einen Notstand in der Entsorgung von Erden DK 0 und DK I“, betonte Johann Roth vom Ingenieurbüro Roth und Partner aus Karlsruhe. Es hat die Machbarkeitsstudie erstellt.

„Dringender Handlungsbedarf“

Früher durfte auf der Deponie auch belastetes Material der Klasse II gelagert werden. Die Fläche liegt aber in der Wasserschutzzone 3 b, deshalb dürfen neue Vorhaben nur noch für DK 0 oder DK I genehmigt werden.

Seit 2011 kann ein Großteil der Inertabfälle (nicht brennbare Abfälle) auf der Deponie Hamberg im Enzkreis entsorgt werden. Doch dieser Platz ist begrenzt, es besteht „dringender Handlungsbedarf“, um eigene Deponiekapazitäten zu schaffen, betont das Landratsamt.

Ausgangslage in der Deponie „Hintere Dollert“ Oberweier: Sie besteht aus zwei Teilen: der Zentralteil, ab 1979 betrieben, besitzt eine Basisabdichtung und ein Sickerwassersystem. Dieser Teil ist zu zwei Drittel endabgedichtet. Dazu gibt es zwei Übergangsdeponien außerhalb der Umzäunung; sie wurden von 1972 bis 1979 betrieben, haben keine Basisabdichtung und keine Sickerwassererfassung, sind aber abgeschlossen und rekultiviert. Im Zuge des neuen Vorhabens könnte die Grundwassersicherung der Übergangsdeponien erfolgen.

Eignung der Deponie: Nach Ansicht der Planer ist der Standort sehr gut geeignet. Oberweier ist allerdings auch bislang der einzige überhaupt vorhandene DK I-Standort im Landkreis. Zufahrt außerhalb der Ortschaft, rund 600 Meter Abstand zur Siedlung gelten als Vorteile; schließlich seien so kaum Belastungen durch Staub und Lärm zu erwarten. Geruch sei bei den künftig abzulagernden Stoffen kein Thema.

Der nun für PFC-Böden avisierte „Bauabschnitt V“ war in den 1990ern genehmigt, aber nie realisiert worden. Gleichwohl wurden bereits bislang Papierschlämme in Oberweier abgelagert, eine PFC-Belastung ist also vorhanden. Eine Pilotanlage zur PFC-Klärung ist somit bereits in Betrieb.

Zuwachs: Es geht um rund 335.000 Kubikmeter, die auf dem bisherigen Gelände dazukommen sollen. Der Höhenzuwachs werde rund 30 Meter bedeuten. Eine Erweiterung der Deponiefläche auf bisher ungenutztes Gelände ist nicht geplant.

Zufahrt: Sie soll verlegt und dreispurig ausgebaut werden. Damit sollen künftig Kleinanlieferer, die nicht über eine Waage müssen, schneller abgefertigt werden können.

Kosten: Als reine Baukosten werden derzeit knapp sieben Millionen Euro netto angenommen. Die Gesamtkosten des Vorhabens – inklusive Stilllegung und Nachsorge – summieren sich nach derzeitiger Rechnung auf rund 16 Millionen. Hinzu kommen noch Kosten für die Abdichtung der Übergangsdeponien, sodass man bei etwa 18,5 Millionen Euro wäre.

„Die Zahlen sind nicht in Stein gemeißelt“, gab Jörg Peter zu bedenken, der Erste Landesbeamte. Der Abfallwirtschaftsbetrieb wolle jedoch Sorge tragen, „dass alles im Rahmen bleibt“. Die Privathaushalte sollen das Vorhaben nicht über die Müllgebühr mitfinanzieren. Eingespielt werden soll das Geld über die Deponiegebühren für die gelagerten Erdabfälle. Wie sie sich wegen des Vorhabens entwickeln, sei noch nicht abschätzbar.

Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus unterstützt das Vorhaben; dies hat er bei der Präsentation im Landratsamt bekräftigt. Auch in seiner Eigenschaft als Kreisrat (für die FWG) sehe er eine Verantwortung für eine langfristig gesicherte Trinkwasserversorgung. Deshalb müssten PFC-belastete Böden insbesondere aus Grundwassereinzugsgebieten von Trinkwasserbrunnen entfernt werden. Die Deponie Hintere Dollert sei dabei ein wichtiger Baustein. „Das sollte auch in Oberweier gesehen werden“, sagte Florus.

Darüber hinaus sei es nicht sinnvoll, Abfälle aus dem Landkreis wie bisher durch ganz Deutschland zu transportieren, wenn diese im Landkreis deponiert werden könnten.

Mit der Nutzungserweiterung könne man eine Sicherung der einstigen Übergangsdeponien verbinden, sagte Florus mit Blick auf Abdichtung und Sickerwasserreinigung. Auch dies sei ein Vorteil. Bedenken wegen erhöhtem Lkw-Verkehr müsse man ernstnehmen. Doch werde der Großteil der Anlieferungen wie bisher nicht durch den Ort Oberweier, sondern über die B 462 erfolgen. Und bei der Grünschnittannahme werde es bei einer Verlagerung der Zufahrt und deren dreispurigem Ausbau eher besser werden.

Auch Jörg Peter hob in seiner Stellungnahme auf die Trinkwassersicherheit ab. Darüber hinaus wolle der Landkreis vermeiden, dass Oberweier durch Lieferverkehr stärker belastet werde.

Stichwort: Deponieklassen

Abhängig von den zulässigen Schadstoffgehalten der Abfälle werden fünf Deponieklassen unterschieden.

DK 0: Inertstoffdeponie für mineralische Abfälle mit geringem Schadstoffgehalt. Dies ist die Regel für unbrennbaren, unbelasteten Erdaushub und Bauschutt oder vergleichbare mineralische industrielle oder gewerbliche Abfälle.

DK I: mäßig belastete (nicht gefährliche) Abfälle.

DK II: belastete, jedoch nicht gefährliche Abfälle wie vorbehandelter Hausmüll und vergleichbare mineralische gewerbliche Abfälle.

DK III: gefährliche Abfälle.

DK IV: Unterirdische Deponie im Salzgestein in einem Bergwerk oder einer Kaverne für besonders gefährliche Abfälle. (Quelle: Regierungspräsidium Gießen)


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