PFC beschert die nächste Überraschung

Rastatt (ema) - Damit war nach den Annahmen des Grundwassermodells nicht unbedingt zu rechnen. Erhöhte PFC-Werte finden sich jetzt auch im Wintersdorfer Grundwasser.

Die Behörden empfehlen, in Wintersdorf wegen der PFC-Belastung auf den Einsatz von Brunnenwasser beim Bewässern zu verzichten. Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

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Die Behörden empfehlen, in Wintersdorf wegen der PFC-Belastung auf den Einsatz von Brunnenwasser beim Bewässern zu verzichten. Symbolfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Von der PFC-Belastung in Rastatt ist jetzt auch das Grundwasser auf Gemarkung Wintersdorf betroffen. Das zeigen neue Ergebnisse einer Grundwasseruntersuchung durch die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), über die die Stadtverwaltung informiert.
Betroffen sind demnach auch die beiden Badegewässer Sämannsee und Sauweide, in denen vereinzelt erhöhte Werte der per- und polyfluorierten Chemikalie festgestellt wurden. Da PFC im Verdacht steht, gesundheitsgefährdend zu sein, empfiehlt die Stadtverwaltung schon jetzt, Grundwasser nicht mehr zur Bewässerung von Grünflächen, Sportanlagen und Gärten zu nutzen. Durch die Bewässerung mit PFC-haltigem Grundwasser können sich die schädlichen Substanzen in Pflanzen oder im Boden anreichern. Auch Besitzer von Swimmingpools sollten in der kommenden Badesaison nicht aufs Grundwasser zurückgreifen. Mit dem Angelsportverein Wintersdorf stehe man bereits in Kontakt, so die Stadt. Bislang gibt es für Angler noch keine Einschränkungen.

Komplexe Fließrichtungen

Bislang war in Rastatt nur in den Bereichen Münchfeldsiedlung, Niederbühl, Förch und Rauental die Empfehlung ausgesprochen worden, wegen PFC auf die Bewässerung der Gartenanlagen mit Grundwasser zu verzichten. Dass Wintersdorf jetzt auch zu dieser Gebietskulisse gehört, hat sich aus den neuesten, nun vorliegenden Grundwasseranalysen ergeben, wie Christoph Krakau vom Kreisumweltamt Rastatt dem BT sagte. Man gehe davon aus, dass das belastete Grundwasser aus Richtung Hügelsheim strömt. Dass dies entgegen bisherigen Annahmen nach dem Grundwassermodell der LUBW geschah, hänge auch mit den „sehr komplexen Fließrichtungen“ im Umfeld des Rheins zusammen, so Krakau.

Die erhöhten Werte wurden bei flächenhaften Grundwasseruntersuchungen im Rieddorf festgestellt. An einigen Messstellen in der Dorfstraße und der Eisenbahnstraße liegt der PFC-Gehalt knapp über der kritischen Quotientensumme von 1,0, die das Umweltministerium Baden-Württemberg 2018 als Grenzwert festgelegt hat, so die Stadtverwaltung; in den beiden Seen wurden die Grenzwerte für Einzelparameter aus der Gruppe der PFC überschritten.

Ein klares Bild, warum nun auch Winterdorf betroffen ist, können sich die Behörden (noch) nicht machen. Christoph Krakau vermutet, dass sich „zwei Quellen überlagern“: zum einen Papierschlämme, die auf landwirtschaftlichen Feldern in Hügelsheim aufgebracht wurden; zum andern Feuerlöschschaum, der bei einem Einsatz auf dem Baden-Airpark verwendet wurde. Die Stadtverwaltung übermittelt die Erkenntnis der LUBW, wonach die PFC-Substanzen über das Grundwasser in den am Flughafen verlaufenden Rheinniederungskanal gesickert und über die Fließrichtung des Kanals ins Grundwasser nach Wintersdorf gelangt sein könnten.

Brunnenbesitzer und Vereine, die einen Brunnen zur Bewässerung ihrer Grünflächen nutzen, können ihr Wasser auf PFC untersuchen. Die PFC-Geschäftsstelle des Umweltamts kann die Ergebnisse im Anschluss beurteilen. Die Beprobung kann selbstständig durchgeführt werden, alternativ unterstützt Janis Dumas vom Fachbereich Tiefbau und Wasserwirtschaft Brunnenbesitzer und bringt die Proben zur Auswertung in ein Labor. Telefonisch erreichbar ist Dumas unter (0 72 22) 972 51 11 oder per E-Mail; janis.dumas@rastatt.de. Die Kosten für die Beprobung müssen die Brunnenbesitzer selbst tragen. Die Analyseergebnisse werden danach dem Landratsamt vorgelegt, das über das weitere Vorgehen entscheidet. Kontakt beim Landratsamt: PFC-Geschäftsstelle, (0 72 22) 381 42 00, E-Mail: PFC@landkreis-rastatt.de.


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