PFC bremst in Vimbuch Millionenprojekt aus

Bühl (sre) – Bei der Vimbucher Verbandskläranlage wird nicht so schnell etwas passieren: Der Bau einer weiteren Reinigungsstufe startet erst 2022 und ist an ein anderes Sanierungsvorhaben gekoppelt.

Anstelle der Bassins im Vordergrund soll auf dem Gelände der Verbandskläranlage ein Technik-Gebäude entstehen. Foto: Sarah Reith/Archiv

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Anstelle der Bassins im Vordergrund soll auf dem Gelände der Verbandskläranlage ein Technik-Gebäude entstehen. Foto: Sarah Reith/Archiv

Ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz lässt auf sich warten: Eigentlich hätte die vierte Reinigungsstufe auf der Verbandskläranlage in Vimbuch bereits Ende kommenden Jahres in Betrieb gehen sollen. Nun könnte die Fertigstellung bis 2026 dauern: Die Baumaßnahme hat bislang nicht einmal begonnen. „Dort werden erst im nächsten Frühjahr die Bagger rollen“, sagte Bühls Stadtpressesprecher Matthias Buschert auf BT-Nachfrage. Grund ist die PFC-Belastung des Bodens.

Bereits im November 2019 war auf dem Gelände der Kläranlage der symbolische Spatenstich erfolgt. „Sie sind Vorreiter in dieser Region“, hatte Regierungspräsidentin Sylvia Felder damals die Vertreter des Abwasserzweckverbands Bühl und Umgebung gelobt. Schließlich sei die vierte Reinigungsstufe noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Insgesamt sollten knapp 14 Millionen Euro investiert werden, um das Abwasser künftig noch sauberer zu machen.

Viele Spaten zum symbolischen Start im November 2019: Mittlerweile ist das Wäldchen im Hintergrund verschwunden, doch gebaut wird noch immer nicht. Sarah Reith/Archiv

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Viele Spaten zum symbolischen Start im November 2019: Mittlerweile ist das Wäldchen im Hintergrund verschwunden, doch gebaut wird noch immer nicht. Sarah Reith/Archiv

Das Ziel der Neuerung: Spurenstoffe, die bisher in Bächen, Flüssen und schließlich im Meer landeten, sollen mithilfe von Aktivkohle und mit einem zusätzlichen Tuchfilter aus dem Abwasser gefiltert werden. Dabei handelt es sich insbesondere um Arzneimittelrückstände wie Antibiotika. Auch sehr viel mehr Phosphor soll künftig entfernt werden können. Und dank des Tuchfilters wird zudem kaum mehr Mikroplastik, das sich zum Beispiel beim Waschen aus Kunstfaser-Kleidungsstücken herauslöst, in der Natur landen. Um den Platz unter anderem für ein 36 mal 34 Meter großes, mit mehr als 11.000 Kubikmeter Wasser gefülltes Becken zu schaffen, wurde nach dem Spatenstich zunächst ein Wäldchen auf dem Gelände der Kläranlage gerodet. Im Frühjahr 2020 sollten dann die eigentlichen Bauarbeiten starten. Passiert ist dort seither allerdings wenig. Das Problem: Bei Bodenuntersuchungen wurde festgestellt, dass auf dem Areal der Boden mit PFC verunreinigt ist.

Dort wurde zwar nie PFC-haltiger Dünger oder Kompost ausgebracht, aber die Chemikalien sind offenbar über das bereits verseuchte Grundwasser bei Überschwemmungen nach oben gedrückt worden. Nun sind auch die oberen Bodenschichten betroffen. Das belastete Material fachgerecht zu entsorgen, würde den Abwasserzweckverband Bühl und Umgebung mindestens 1,5 Millionen Euro kosten. Bei der Bühler Stadtverwaltung möchte man diese Summe allerdings sparen, indem man den Aushub im geplanten Gewerbegebiet nördlich des bestehenden Gebiets Bußmatten verbaut und damit gemeinsam mit dem dort vorhandenen, PFC-haltigen Material saniert. Das dortige, besonders stark PFC-verseuchte Areal soll komplett versiegelt werden, sodass das PFC nicht mehr in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser eindringen kann.

Beim Wasserwerk ist Eile geboten

In dem Bereich will man neben dem Material aus der Verbandskläranlage auch so schnell wie möglich Bodenmaterial aus dem Umfeld des Balzhofener Wasserwerks transportieren, um eine Verseuchung des Trinkwassers langfristig zu verhindern.

Doch das dauert: „Frühestens im Oktober“ wird laut Stadtpressesprecher Buschert im Bereich des Wasserwerks der Boden abgetragen und per Lkw im Verlauf mehrerer Wochen zu den Bußmatten gefahren. Ob es vor dem Start der Arbeiten wie geplant auch noch eine Bürgerinfoveranstaltung geben werde, müsse man von der Entwicklung der Corona-Pandemie abhängig machen, sagte Buschert.

In Bezug aufs Klärwerk soll der Transport des belasteten Materials sogar erst im Frühjahr 2022 starten – aus „strategischen Gründen“, wie Buschert erläuterte. Zuletzt hatte man bereits im Frühsommer dieses Jahres mit den Arbeiten beginnen wollen.

„Wir wollen nicht in volle Auftragsbücher ausschreiben“

Doch: „Wir wollen nicht in volle Auftragsbücher ausschreiben“, erläuterte Buschert. Derzeit hätten die Firmen viele Aufträge. Man hoffe, dass die Preise im Bausektor wieder sinken würden, wenn man noch etwas zuwarte. Nun werde eine neue Kostenberechnung und ein neuer Zeitplan erstellt.

Eine weitere Schwierigkeit: Das Material aus dem Klärwerk muss vor der Versiegelung in den Bußmatten noch zwei Wochen zwischengelagert und beprobt werden, um sicherzugehen, dass in dem Boden neben PFC keine weiteren Schadstoffe enthalten sind. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass dies tatsächlich der Fall ist, betont Buschert: Es würden bereits jetzt ständig Proben genommen, weitere Überraschungen seien deshalb unwahrscheinlich.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

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Erstellt:
1. September 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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