Paar mit Hund sucht Wohnung: nur Absagen

Gaggenau (mo) – Philipp Müller aus Gaggenau ist frustriert. Seit November sucht der 26-Jährige mit seiner Freundin eine Wohnung. Das Fazit liest sich ernüchternd.

Suchen ein neues Zuhause: Philipp Müller und Hund April, hier im Gaggenauer Murgpark. Foto: Dorothy Minì

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Suchen ein neues Zuhause: Philipp Müller und Hund April, hier im Gaggenauer Murgpark. Foto: Dorothy Minì

Geschriebene Bewerbungen: 25. Absagen: 25. Einladungen zu Besichtigungsterminen: null.

Was die Suche erschwert: Müller und seine Freundin suchen nicht zu zweit, sondern zu dritt. Mitbewohner Nummer drei heißt April, hat vier Pfoten – und ist für viele Vermieter ein rotes Tuch. Das Paar mit dem zwei Jahre alten Labrador-Mischling kassiert eine Absage nach der anderen. „Für Hundebesitzer ist es quasi unmöglich, eine Wohnung zu finden“, klagt Müller.

„Haustiere und Kinder sind immer ein Nachteil bei der Wohnungssuche“, bestätigt Birgit Bub. Sie ist Geschäftsstellenleiterin des Mietervereins Baden-Baden, der auch fürs Murgtal zuständig ist.

Immer wieder hört Bub von Fällen, in denen Menschen mit Hunden oder Katzen lange nach einer Wohnung suchen: „Viele Vermieter haben Angst, dass das Tier Krach macht oder Schäden in der Wohnung verursacht.“ Die Wohnungsbesitzer befürchteten beschädigte Böden, zerkratzte Türrahmen oder Stress mit den Nachbarn, weil der Hund von nebenan zu laut bellt.

Philipp Müller hat dafür Verständnis: „Parkettboden leidet unter Hunden. Und Kläffer mag niemand.“ Aber Hundehalter deshalb von vornherein pauschal als potenzielle Mieter auszuschließen? „Das ist nicht in Ordnung“, findet er.

Bei der LBS Immobilienvermittlung in Rastatt kennt man das Problem. „Die Wohnungssuche für Mieter mit Tier ist erschwert“, sagt Vertriebsassistentin Uschi Hedwig. Viele Vermieter hätten schlechte Erfahrungen gemacht. Hedwig empfiehlt Haustierbesitzern, selbst aktiv zu werden und eine Anzeige aufzugeben, um die Chancen zu erhöhen.

Je größer das Tier, desto schlechter die Chancen

Dass Haustiere für Vermieter im Murgtal ein Ausschlusskriterium sind, will Tanja Vaccaro so nicht bestätigen. Sie leitet die Geschäftsstelle des Vereins Haus & Grund Murgtal, der die Interessen von Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümern vertritt.

Das Problem sei vielmehr, dass das Angebot auf dem Wohnungsmarkt insgesamt nicht gerade üppig sei. Die Vermieter könnten aus dem Vollen schöpfen und sich ihre Mieter aussuchen. Generell gelte: Je größer das Tier, desto schlechter stünden die Chancen: „Katzen werden oft noch akzeptiert.“

Mieter, die sich Hunde oder Katzen anschaffen oder mit diesen einziehen wollen, sollten den Vermieter laut Vaccaro um Erlaubnis fragen. Kleintiere wie Fische, Hamster oder Ziervögel dürfe man dagegen auch ohne Wissen des Vermieters in der Wohnung halten.

Hund oder Katze bei der Bewerbung zu verschweigen, sei keine gute Idee, sagt Vaccaro. „Damit hintergeht man den Vermieter.“ Dieser könne darauf bestehen, dass das Tier im Nachhinein abgeschafft werde.

Auch Birgit Bub vom Mieterverein rät: Haustierbesitzer sollten mit offenen Karten spielen. Sonst drohe im Nachhinein Ärger. Stattdessen könnten sie anbieten, den Vermieter zu unterstützen und selbst bei den Nachbarn im Haus nachzufragen, ob Einwände gegen ein Haustier bestehen.

Philipp Müller sucht in der ganzen Region nach einer Wohnung. Zwei bis drei Zimmer sollte sie haben, Terrasse, Balkon oder Garten, und nicht mehr als 800 Euro warm kosten.

Dass Haustiere wegen eines Umzugs im Tierheim landen, sei eher die Ausnahme als die Regel, sagt Saskia Joeres. Joeres leitet das Tierheim in Rastatt. Meistens würden Tiere aus anderen Gründen abgegeben. Zum Beispiel, weil die Besitzer Schwierigkeiten mit dem Tier haben oder weil Paare sich trennen und einer alleine sich nicht um das Tier kümmern kann.

Müller machte seiner Verzweiflung in dem sozialen Netzwerk Facebook Luft. Daraufhin meldete sich jemand, der ihm seine Wohnung anbot. Er schöpfte Hoffnung – und wurde enttäuscht. Noch vor der Besichtigung wurde die Wohnung an jemand anderen vermietet. „Jetzt geht der ganze Spaß von vorne los.“

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Ihr Autor

Marie Orphal

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Erstellt:
3. Februar 2022, 16:50 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 57sec

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