Paderborn-Trainer Kwasniok im Interview

Karlsruhe (ket) – Im BT-Interview spricht Lukas Kwasniok über den Fußball-Zweitligisten SC Paderborn, wie er dort Trainer wurde und was seine Mannschaft so stark macht

Lukas Kwasniok ist seit dieser Saison Trainer des SC Paderborn. Davor war er bereits beim 1. FC Saarbrücken und Carl Zeiss Jena aktiv. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

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Lukas Kwasniok ist seit dieser Saison Trainer des SC Paderborn. Davor war er bereits beim 1. FC Saarbrücken und Carl Zeiss Jena aktiv. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Von Kindesbeinen an spielte Lukas Kwasniok für den Karlsruher SC, bis zur U 18 durchlief er die Jugendteams der Blau-Weißen. Auch als Trainer war er vier Jahre lang, zwischen 2014 und 2018, für den KSC tätig, zunächst bei der U 17, später bei der U 19, zwischenzeitlich sogar als Interimscoach bei den Profis. Am Sonntag (13.30 Uhr) kehrt der 40-Jährige, dessen Familie nach wie vor in Muggensturm lebt, nun als Trainer des SC Paderborn zurück in den Wildpark. Davor sprach Kwasniok mit BT-Redakteur Frank Ketterer.

BT: Herr Kwasniok, der SC Paderborn steht nach elf Spieltagen auf Platz fünf der Zweitliga-Tabelle. Wie zufrieden sind Sie damit?
Lukas Kwasniok: Damit bin total happy. Zumal wir ja vor der Saison einen relativ großen Umbruch nicht nur auf den Trainerpositionen hatten, sondern auch in der Mannschaft. Da haben wir schon den ein oder anderen Ankerspieler wie Sebastian Schonlau, Sebastian Vasiliadis oder Chris Führich und damit eine ganze Menge Qualität verloren. Aber mit unserer mannschaftlichen Geschlossenheit und einem guten Teamgeist haben wir das bislang ganz gut auffangen können. Allerdings ist erst ein Drittel der Saison gespielt.

BT: Das heißt, es kann sogar noch besser werden?
Kwasniok (lacht): Es heißt, dass uns der Umbruch bislang ganz ordentlich gelungen ist. Jetzt geht es darum, die Sache über einen längeren Zeitraum stabil zu halten. Das ist unsere nächste große Aufgabe, der nächste Schritt. Wir haben zwar ordentlich gepunktet, aber die Spiele waren meist sehr eng, fast alle auf Messers Schneide. Das ist sowohl nervenaufreibend als auch kräftezehrend – und zwar für Mannschaft und Trainer.

„Homogen durch ihre Heterogenität“

BT: Wie sind die Erwartungen im Umfeld eines Vereins, der zwar eher als einer der Kleinen wahrgenommen wird, aber dennoch vor zwei Spielzeiten noch in der ersten Liga gespielt hat?
Kwasniok: Zur Wahrheit gehört auch, dass Paderborn vor ein paar Jahren kurz davor war, komplett in der Versenkung zu verschwinden. Damals ist man nur in der dritten Liga geblieben, weil 1860 München die Lizenz verweigert wurde. In den letzten acht Jahren ging es dann entweder steil bergauf oder steil bergab. Es gab mehr oder weniger nur Auf- oder Abstiege. Umso mehr ist es unser Ansinnen, eine Stabilisierung hinzubekommen. Deshalb glaube ich, dass es das Umfeld durchaus zu schätzen weiß, wenn es uns gelingt, ein zweites solides Jahr in Liga zwei zu spielen, nachdem wir in der vergangenen Saison Neunter geworden sind.

BT: Den in Karlsruhe nach wie vor verbreiteten Größenwahn zu glauben, der KSC gehöre zwingend in die Bundesliga gibt es in Paderborn demnach nicht?
Kwasniok: Nein. Dafür ist auch die Historie der beiden Vereine zu unterschiedlich. Der KSC war doch einiges länger und mit größeren Erfolgen in Liga eins. Das kann man nicht miteinander vergleichen.

BT: Wie würden Sie die aktuelle, also Ihre Mannschaft beschreiben?
Kwasniok: Als sehr wissbegierig und sehr fleißig. Zudem homogen durch ihre Heterogenität. Soll heißen: Wir haben ganz unterschiedliche Spielertypen, aber wir kriegen es hin, auf dem Platz eine homogene Einheit darzustellen. Das sind alles Top-Jungs – und ich denke, das ist der Schlüssel dafür, dass wir uns in der oberen Tabellenhälfte eingenistet haben. Da versuchen wir uns jetzt, ähnlich wie der KSC, festzubeißen.

„Hier kannst du als Trainer reifen“

BT: Ihre Mannschaft ist mit vier Siegen aus fünf Spielen aktuell die auswärtsstärkste der Liga. Gibt es dafür eine Erklärung?
Kwasniok: Von den außer uns fünf bestplatzierten Teams hatten wir schon vier, also St. Pauli, Schalke, Regensburg sowie den HSV, bei uns zu Gast. Da gewinnt man nicht automatisch alles. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir auswärts die höchsten Hochkaräter noch nicht vor der Nase hatten. Das waren zwar alles keine leichten Spiele, aber es ist uns meist gelungen, in Führung zu gehen. Das macht uns auch aus: Wenn wir erstmal mit 1:0 in Führung liegen, sind wir gefährlich.

BT: Eine der prägenden Figuren der vergangenen Jahre beim SC Paderborn war Trainer Steffen Baumgart, der die Mannschaft 2016 in der dritten Liga übernommen und bis in die erste Liga geführt hat. Wie viel Baumgart steckt trotz des bereits erwähnten Umbruchs noch im Team?
Kwasniok: Vor allem die Bereitschaft, nach vorne zu verteidigen. Und die Fähigkeit, viel und intensiv zu laufen. Das hat die Mannschaft in den vergangenen Jahren geprägt. Deshalb war ich ja auch von Beginn an positiv gestimmt, dass es mit Paderborn und mir passen könnte, eben weil das Elemente sind, die auch in meiner Idee von Fußball eine große Rolle spielen.

BT: Sie sehen, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, ja durchaus ein bisschen aus wie ihr zum 1. FC Köln gewechselter Vorgänger, nur ohne Schiebermütze. Gibt es sonst noch Ähnlichkeiten?
Kwasniok: Na ja, ich denke, gewichtstechnisch habe ich noch etwas Luft nach oben. Und um weitere Vergleiche ziehen zu können, kenne ich Steffen Baumgart zu wenig.

BT: Sie sind beide sehr emotionale Trainer, nicht zuletzt beim Coaching ...
Kwasniok: Ja. Aber während der 90 Minuten sind sehr viele Trainer emotional. Die Anspannung muss ja irgendwie raus.

BT: Wie kam es überhaupt dazu, dass ein Badener Trainer in Paderborn wird?
Kwasniok: Wie es halt so ist: Irgendwann hat ein Manager angerufen und gefragt, ob ich mir den Job vorstellen könnte. Danach haben wir uns getroffen, Gespräche geführt – und an deren Ende habe ich unterschrieben. Die ostwestfälische Bodenständigkeit passt ja auch gut zu mir. Hinzu kommt: Hier kannst du sowohl als Trainer als auch als Spieler reifen, schon weil nicht jeder Fehler so brutal bewertet wird wie zum Beispiel in München oder Dortmund.

BT: Ihre Familie wohnt nach wie vor in Muggensturm. Wie darf man sich das vorstellen?
Kwasniok: Wir sehen uns logischerweise nicht so häufig. Einmal in vier Wochen ungefähr. Meine Tochter ist aktuell ohnehin für neun Monate in den USA, mein Sohn schon erwachsen und führt sein eigenes Leben, und meine Frau kommt ab und zu nach Paderborn. Aber damit bin ich in dem Job kein Unikat. Das geht so manchem Trainer so. Umso mehr freue ich mich, dass Familie und Freunde am Sonntag in den Wildpark kommen.

„Eiche braucht meinen Rat nicht“

BT: Sie haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass der KSC Ihr Herzensverein ist. Wie sind aktuell Ihre Kontakte in den Wildpark?
Kwasniok: Vor allem zu den handelnden Personen am Nachwuchsleistungszentrum wie Pascal Huber und Michael Bischof habe ich nach wie vor gute Kontakte. Ich verfolge schon alles, was da abgeht und bin jedesmal, wenn ich in den Wildpark komme, überrascht, was sich wieder alles verändert und entwickelt hat.

BT: Wie beurteilen Sie die Arbeit von Christian Eichner?
Kwasniok: Man muss sich ja nur die Spielweise der Mannschaft auf der einen Seite und die Platzierungen und Ergebnisse auf der anderen Seite anschauen – das spricht ja für sich. Ich glaube, was „Eiche“ zudem ganz besonders auszeichnet ist, dass er einen sehr guten Draht zu seinen Spielern hat. Man sieht, dass da eine Einheit auf dem Platz steht – und das ist in erster Linie ein Verdienst von Christian Eichner.

BT: Auf was wird es am Sonntag ankommen?
Kwasniok: Ohne ins Detail zu gehen: Es gibt Elemente in beiden Spielphilosophien, die für den Gegner schwer zu kontrollieren sind. Und je besser es gelingt, die jeweiligen Stärken des Gegners zu kontrollieren, umso größer werden die Erfolgsaussichten. Wenn wir es zum Beispiel schaffen, nicht zu viele Standards zuzulassen und es zudem gelingt, den KSC zu beschäftigen, dann glaube ich schon, dass das Pendel in unsere Richtung ausschlagen kann. Auf der anderen Seite wird auch der KSC versuchen, uns nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Am Ende wird es auf ein, zwei Situationen ankommen, wobei beide Mannschaften eine Fähigkeit besitzen: Jederzeit zurückschlagen zu können. Das macht das Spiel extrem interessant.

BT: Welchen KSC-Spieler hätten sie am liebsten in Ihrem Team?
Kwasniok: Eieiei, gute Frage. Da gibt es schon zwei, drei Jungs, aber ich sage jetzt nicht Philipp Hofmann oder Marvin Wanitzek oder Jerôme Gondorf. Ich sage lieber Philip Heise. Das ist einfach ein anderer Linksverteidiger, als man das in der zweiten Liga gewohnt ist. Den könnte ich mir sehr gut auch bei uns vorstellen.

BT: Wie wollen Sie den KSC schlagen?
Kwasniok: Bei uns geht es immer darum, den Gegner mit unserer Lauf- und Spielintensität zu beschäftigen. In Anbetracht der Tatsache, dass der KSC am Mittwoch im Pokal ran musste, könnte das hintenraus helfen, das Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden.

BT: Welchen Tipp geben Sie Christian Eichner für die Partie? Wie ist Ihrer Mannschaft beizukommen?
Kwasniok: Der Eiche wird sich zusammen mit Zlatan ganz intensiv mit uns beschäftigen. Da braucht er meinen Rat gar nicht.

Ihr Autor

BT-Redakteur Frank Ketterer

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Erstellt:
31. Oktober 2021, 08:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 5min 33sec

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