Pädophile Praktiken, sadistische Fantasien

Gernsbach (stj) – Ein Weisenbacher ist am Dienstag wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Bilder und Schriften vom Amtsgericht Gernsbach zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Die Verlesung der Anklage gleicht einer Litanei des Grauens: Ein Mann aus Weisenbach muss sich wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Dateien vor Gericht verantworten. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

© picture alliance/dpa

Die Verlesung der Anklage gleicht einer Litanei des Grauens: Ein Mann aus Weisenbach muss sich wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Dateien vor Gericht verantworten. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa

Die Verlesung der Anklage glich einer Litanei des Grauens: Detailliert schilderte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft Baden-Baden, was auf den zahlreichen Dateien zu sehen ist, die am 18. Februar 2021 in der Wohnung eines Mannes aus Weisenbach sichergestellt worden waren. Am Dienstag musste sich der 38-Jährige vor dem Amtsgericht Gernsbach verantworten.

Dort gab er den Besitz von 376 Bildern sowie 91 Computeranimationen und fünf Videos mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten zu und legte ein umfassendes Geständnis ab. Das Urteil: Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung, vier Jahre Bewährungszeit, 1.500 Euro Geldstrafe, Verfahrenskosten und die Anordnung, sich unverzüglich um eine Therapie zu bemühen.

Bildschirmschoner verrät den Angeklagten

Neben dem Geständnis kam dem Angeklagten der vor Gericht offene Umgang mit seiner Neigung und die Einsicht, Hilfe zu benötigen, zugute. Zudem hatte er Glück, dass seine Taten noch vor der jüngsten Verschärfung des Sexualstrafrechts aktenkundig wurden. Erst seit Mai 2021 wird schon der reine Besitz von kinderpornografischem Material mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet. Von daher mahnte Amtsgerichtsdirektor Ekkhart Koch den Angeklagten eindringlich, sein Problem in den Griff zu kriegen. Andernfalls sei der Weg hinter Gitter nicht mehr zu verhindern. Dort könnten die sadistischen Fantasien des 38-Jährigen dann tatsächlich Realität werden, denn wegen Kinderpornografie verurteilte Straftäter befänden sich in der Knast-Hierarchie ganz unten.

Dem wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften bereits vorbestraften Weisenbacher, der eigenen Angaben zufolge noch nie eine echte Beziehung hatte, war man nach einer Anzeige auf die Schliche gekommen. Auf dem Bildschirmschoner seines Mobiltelefons war kinderpornografisches Material zu sehen, was ein Arbeitskollege zufällig entdeckte und der Polizei meldete. Die Beamten stießen schließlich bei der Wohnungsdurchsuchung auf haufenweise Datenträger, die zum Teil schlimmsten Missbrauch darstellten. Meist handelte es sich dabei um Oral- oder Analverkehr von oder mit Jungs im Alter zwischen drei und 14 Jahren. Das Material habe er von einer russischen Internetseite, sagte der Mann auf der Anklagebank.

Neben den Bildern, Animationen und Videos stellten die Beamten in dessen Wohnung Schriftstücke fest, die der 38-Jährige offenbar selbst verfasste. Darin sind laut Staatsanwaltschaft pädophile und sadistische Praktiken aufgelistet. Diese Fantasien, so der Angeklagte, richteten sich „tatsächlich nur gegen mich, ich stelle mir vor, ich sei das Kind“. Es liege dem Mann fern, irgendjemandem zu schaden, versicherte er und betonte, weder die Bilder noch die Schriften je weiterverbreitet zu haben.

Kein Tauschhandel

Das bestätigte sein Verteidiger: Es habe nie einen Tauschhandel gegeben, wie es sonst in der Szene üblich sei. Auch habe sein Mandant erkannt, dass er Unterstützung brauche. Deshalb habe er sich hilfesuchend an den Rechtsanwalt gewandt: „Wenn sich jemand so öffnet, sollte man ihm eine zweite Chance geben“, meinte der Jurist. Dafür sei es von größter Bedeutung, dass sein Mandant nun möglichst schnell einem Bewährungshelfer unterstellt werde und eine Therapie beginne.

Letztere soll laut Urteil, in dem Richter Koch über die von der Staatsanwaltschaft geforderten sechs Monate auf Bewährung hinausging, „unverzüglich“ bei der Behandlungsinitiative Opferschutz (BIOS) in Karlsruhe angetreten werden. Sie widmet sich der Akutversorgung von Opfern von Gewalt- und Sexualstraftaten und dem präventiven Opferschutz durch Therapie von Straftätern. Die Geldstrafe, die der 38-Jährige zu zahlen hat, kommt dem Sozialen Kraftsportverein Gaggenau zugute. Das seit der Wohnungsdurchsuchung beschlagnahmte Mobiltelefon und das Notebook des Weisenbachers, der aktuell nicht im Besitz eines Computers sei, werden eingezogen. Das Urteil ist rechtskräftig.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.