Pandemie erschwert Museumsarbeit

Rastatt (sl) – Die Pandemie macht auch den Rastatter Museen zu schaffen, was sich in den Besucherzahlen niederschlägt. Jetzt will das Stadtmuseum wieder loslegen.

Das Kantorenhaus wurde 1906 gemeinsam mit der benachbarten Synagoge erbaut. Seit 2010 beherbergt es eine Dokumentation zur jüdischen Geschichte Rastatts. Foto: av

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Das Kantorenhaus wurde 1906 gemeinsam mit der benachbarten Synagoge erbaut. Seit 2010 beherbergt es eine Dokumentation zur jüdischen Geschichte Rastatts. Foto: av

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen sowie die Absage von Rahmenprogrammen machen auch den Museen der Stadt Rastatt zu schaffen, was sich natürlich in den Besucherzahlen niederschlägt. Außerdem erschwert das Virus die Planungen von Ausstellungen.

Für die Historische Bibliothek kommt erschwerend noch der plötzliche Tod von Bibliothekarin Heike Endermann hinzu, deren Stelle die Stadt zwar so schnell wie möglich wiederbesetzen will (wir berichteten). Was aber wird nun aus den geplanten Veranstaltungen? Endermann steckte nämlich mitten in den Vorbereitungen einer Vortragsreihe mit Ausstellung zum Thema „Faszination Geschichte. Altertumsbegeisterung im 18. und 19. Jahrhundert“. Passend zum neuen archäologischen Bereich des Stadtmuseums, der noch seiner feierlichen Eröffnung harrt, sie ist nun für den Sommer geplant. „Das Stadtmuseum sichtet gerade den Stand der Vorbereitung und prüft, ob an der für Herbst geplanten Ausstellung mit Vortragsreihe festgehalten werden kann“, erklärt die städtische Pressestelle auf Nachfrage.

Insgesamt zählten die Museen der Stadt Rastatt im Corona-Jahr 2020 exakt 4.129 Besucher. Mehr als halbiert haben die monatelangen Schließungen den Zustrom, denn im Vorjahr hatten sich noch 9.908 Besucher in den musealen Einrichtungen unter städtischer Regie getummelt. 2020 waren es dann im Stadtmuseum Rastatt 1.643 (2019: 3.592), im Riedmuseum Ottersdorf 384 (2.453), in der Galerie Fruchthalle 1.365 (2.582) und in der Historischen Bibliothek 737 (1.281). Dass der Rückgang im Riedmuseum besonders drastisch ist, hängt mit den beliebten Gruppenangeboten dort zusammen, gerade für Kinder (Stichwort: Apfelsaftpressen). Zum Riedmuseum gehört der Aalschokker „Heini“ auf dem wie im Riedmuseum selbst konservatorische Arbeiten stattfanden, gefördert vom Land mit gut 4.500 Euro.

„Gurs 1940“ im Stadtmuseum

Im Stadtmuseum litt zunächst besonders die Ausstellung von Marianne Gaiser „Ein musisches Zeitfenster“ unter dem ersten Lockdown. Schon die Vernissage konnte nicht stattfinden. Immerhin konnte die sehenswerte Schau bis 4. Oktober verlängert werden. Es waren Kurzführungen in Kleingruppen möglich. Nur wenige Tage war die Ausstellung „Adolphine Herpp/Lucian Reich – Zwei Künstlerleben“ geöffnet, das Begleitprogramm fiel ins Wasser. Ersatzlos gestrichen wurde auch das vielfältige Programm aus Vorträgen, Aktionen und freiem Eintritt zum Jubiläum 125 Jahre Stadtmuseum. Auch ein neuer Band mit Beiträgen zur Stadtgeschichte von Alt-Stadtarchivar Wolfgang Reiß sollte erscheinen. Das Buch wurde zwar gedruckt, eine Vorstellung im Rahmen eines Vortrags gab es aber bisher nicht.

Und die geplante Schau über die Deportationen südwestdeutscher Juden nach Gurs 1940 musste verschoben werden. Jetzt wagen die Verantwortlichen einen neuen Versuch. Die Ausstellung soll vom 16. Mai bis 17. Oktober gezeigt werden. Eine klassische Vernissage halten die Museumsmacher wegen der Pandemie nicht für möglich. Stattdessen findet, sofern es die Umstände zulassen, am 16. Mai zum internationalen Museumstag ein Aktionstag statt. Angeboten werden, unter den erforderlichen Hygienevorschriften, Einführungen in die Schau sowie an der Ausstellung ausgerichtete Stadtführungen zur jüdischen Geschichte Rastatts. Parallel arbeitet das Museumsteam mit digitalen Formaten.

Die Galerie Fruchthalle war vom 14. März bis 20. Mai und dann wieder ab 2. November geschlossen. Die Ausstellung „Malzeit“ von Gerhard Neumaier wurde deshalb bis 18. Oktober geschlossen und während des Lockdowns mit einer Videoreihe im Internet ergänzt, in der Peter Hank die Installationen vorstellte. Der langjährige Galerieleiter ging Ende des Jahres in den Ruhestand, sein Nachfolger ist Sebastian Schmitt. Im Zuge der Neumaier-Ausstellung hat die städtische Galerie dessen Werk „Der Himmel in meinem Zimmer“ (2015) durch eine Förderung des Kunstministeriums als Dauerleihgabe erworben.

Auch die persönliche Nutzung des Stadtarchivs, das organisatorisch zum Museumsbereich zählt, war durch Corona stark eingeschränkt. Normalerweise zählt das Stadtarchiv etwa 300 Nutzertage pro Jahr. 2020 waren es 98. Aufgefangen wurden die Einschränkungen durch Bereitstellung von Dokumenten in digitaler Form sowie telefonischer oder schriftlicher Beratung.

Hinter den Kulissen arbeitete die Restaurierungswerkstatt der Museen natürlich weiter. Für die Historische Bibliothek hat sie 22 Einband- und 13 Papierrestaurierungen an Büchern und Grafiken vorgenommen.


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