Papageiendame mit großem Freiheitsdrang

Kuppenheim (as) – Ein imposanter Ara, einer Kuppenheimer Tierärztin entwischt, sorgt im Freien für manches Erstaunen und in den sozialen Medien für Furore.

„Irma“ wurde erst vom Sturm abgetrieben und hat dann offenbar die Freiheit lieben gelernt. Foto: Carina Anthonj

© pr

„Irma“ wurde erst vom Sturm abgetrieben und hat dann offenbar die Freiheit lieben gelernt. Foto: Carina Anthonj

Von Klimawandel und invasiven Arten hatte der BT-Leser schon gehört, der sich jüngst aufgeregt an die Lokalredaktion wandte. Doch dass einem in Mittelbaden nun Aras begegnen, fand er doch so ungewöhnlich, dass er es dem BT mitteilen wollte. Dem Mann war ein Vogel mit rotem Kopf und enormer Spannweite aufgefallen – und er glaubte fast schon an Halluzinationen, als er einen großen Papagei erkannte.

Tatsächlich handelt es sich um Irma, eine in Kuppenheim ausgebüxte Papageiendame, der die Redaktion schon auf der Spur war. Der dunkelrote Ara gehört zu den größten Papageien der Welt und wird bis zu 90 Zentimeter groß und bis zu einem Kilo schwer.

„Irma geht es prima“, beruhigt Tierärztin Carina Anthonj. Die ausgewiesene Papageienexpertin hatte den sechsjährigen Ara von einem Tierheim in Nordrhein-Westfalen übernommen, das Irma nicht artgerecht unterbringen konnte. Im Juni ist der dunkelrote Ara, der auch sprechen kann, aus seiner Voliere entwischt und auf dem gegenüberliegenden Dach gelandet. Irma habe das heimische Gehege, in dem ihr Partnervogel wartete, schon anvisiert, erinnert sich die Tierärztin, „wurde jedoch beim Anflug bei stürmischem Wetter abgetrieben.“ Mit den Windverhältnissen zurechtzukommen, sei für Vögel, die das nicht gewöhnt sind, schwierig, erläutert Anthonj. Da das Wetter im Juni immer wieder von stürmischen Gewittern geprägt war, wurde Irma immer weiter abgetrieben.

Alle Versuche, die Papageiendame an eingerichteten Futterstellen oder mit Hilfe des Partnervogels anzulocken, scheiterten bislang. Das Problem: Für einen gezielten Fanggriff ist es erforderlich, dass Anthonj nah an das Tier herankommt – um nicht Bekanntschaft mit dem großen Schnabel zu machen. Doch Irma ist nicht handzahm, was genau dieses Unterfangen schwierig macht.

„Sie ist jung und übermütig“

„Und sie ist jung und übermütig“, sagt ihre Besitzerin, genieße offenbar ihre Freiheit. Denn Aras hätten in unseren Breiten keine natürlichen Feinde – und der Tisch sei für Irma mit Nüssen, Samen, Obst und Beeren derzeit reich gedeckt. „Die Temperaturen machen ihr nichts aus“, betont die Tierärztin, Regen würde sie sogar genießen. Erst bei Dauerfrost könnte es kritisch werden. Deshalb hofft sie, die Papageiendame bis dahin wieder eingefangen zu haben.

Wichtig dafür sind Sichtungsmeldungen, die man ihr per E-Mail an info@tierarzt-kuppenheim.de schicken oder in der Facebook-Gruppe „verlorene/gefundene Tiere Baden-Baden/Rastatt“ posten kann. Keinesfalls sollen Polizei, Feuerwehr oder die Tierrettung verständigt werden, bittet sie und betont: „Wir kümmern uns um Irma!“

Durch Sichtungsmeldungen weiß sie, wo der Ara sich derzeit aufhält. „Ich schaue regelmäßig nach ihr und versuche, Vertrauen aufzubauen, so dass ich an sie herankomme“, versucht sie, aufgeregte Gemüter zu beruhigen. Darüber berichte sie jedoch nicht in den sozialen Medien, um keinen Papageien-Tourismus heraufzubeschwören, der Irma nur verschrecken würde. Sie bittet auch eindringlich darum, von Anfütterungs- oder Einfangversuchen abzusehen: „Irma könnte sonst nur den Eindruck haben, dass sie gejagt wird“, verdeutlicht Carina Anthonj.

Und auch auf bösartige Kommentare kann sie verzichten: Dass Irma ausgerechnet ihr als Papageienexpertin entwischt ist, sei ärgerlich, aber einfach Pech gewesen. Gefahr bestehe für die Papageiendame mit dem offenbar großen Freiheitsdrang jedenfalls derzeit nicht.

Zum Artikel

Erstellt:
11. Oktober 2021, 18:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 34sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.