Parkhotel Gaggenau: Florus denkt an Abriss

Gaggenau (BT) – Seit 2007 ist Christof Florus Oberbürgermeister in der Großen Kreisstadt – und die Arbeit geht ihm nicht aus, das wird im Interview mit Swantje Huse und Thomas Senger deutlich.

Problemfall in bester City-Lage: Für den einst ambitionierten Dreiecksbau Parkhotel kann sich Christof Florus auch einen Abriss vorstellen. Foto: Swantje Huse

© bt

Problemfall in bester City-Lage: Für den einst ambitionierten Dreiecksbau Parkhotel kann sich Christof Florus auch einen Abriss vorstellen. Foto: Swantje Huse

Neben dem seit anderthalb Jahrzehnten leer stehenden Parkhotel stehen in der Kernstadt weitere Problemfälle auf der Agenda. Genug Arbeit also für die nächsten Jahre. Genug auch für eine dritte Amtszeit des OB? Tritt Christof Florus 2023 noch mal an? Mit einer klaren Ansage hierzu hält er sich weiter zurück.

BT: Herr Florus, Sie wollen das Problem leer stehendes Parkhotel lösen, sagten Sie dieser Tage zum neuen Landrat Dr. Christian Dusch. Das haben Sie schon vor 15 Jahren gesagt.
Christof Florus: Zunächst einmal: Das Problem begann schon vor meiner Amtszeit. Es gab in den vergangenen Jahren zwar immer wieder vielversprechende Interessenten. Aber der Eigentümer der Immobilie, Armin Latzel, ist aufgrund seiner beruflichen Auslandstätigkeit schwer zu erreichen. Eine Vermittlung mit den Investoren ist somit nicht einfach. Aber wir werden nicht aufgeben und werden ihm weiter den Kontakt zu weiteren Interessenten vermitteln. Nicht immer waren oder sind Entscheidungen seinerseits für uns nachvollziehbar. Wenn sich etwas entwickeln sollte: Wir stehen baurechtlich Gewehr bei Fuß. Nicht nur als OB, sondern auch als Privatmann will ich das Problem gelöst haben: Ich sehe das Hotel ja jeden Tag.

BT: Welche Projekte sind denn angedacht?
Florus: Es geht in Richtung Wohnen. Ein Hotel in der Innenstadt mit der Parksituation ist eben schwieriger als betreutes Wohnen im hochwertigen Bereich. Da sind wir dabei, das für den Investor so darzustellen, dass es machbar ist.

Sieben Millionen Euro für die Traischbachhalle

BT: Also ein Abriss?
Florus: Ich kann mir auch einen Abriss vorstellen, den auch schon einige Investoren angefragt haben. Mit einem Dreieck kann ein Investor wenig anfangen. Wir warten noch auf ein gutes Konzept von einem Investor, welches mit Herrn Latzel abgestimmt ist, das wir dann dem Gemeinderat vorstellen können. Und: Eine Aufgabe muss ich ja haben, die noch nicht gelöst ist (lacht).

BT: Also kein Hotel mehr oder Gastronomie an dieser Stelle?
Florus: Gastronomie wäre jetzt durchaus denkbar im Erdgeschoss, aber in den Obergeschossen geht es in Richtung hochwertiges, betreutes und bezahlbares Wohnen.

BT: Gibt es mehrere Interessenten?
Florus: Einen konkreten derzeit. Es gab immer wieder einen oder zwei, auch recht potente, die aber mit dem Eigentümer nicht zurechtkamen; sie haben sich dann für andere Projekte entschieden. Der Markt ist derzeit so gut, dass die Investoren sich heraussuchen können, wo sie was machen. Der Standort des Parkhotels ist 1A. Vielleicht können wir bis 2023/2024 schon konkrete Überlegungen vorlegen. Wir haben baurechtlich die Hand drauf. Die Öffentlichkeit soll informiert werden.

BT: Unmittelbar gegenüber steht das Hallenbad Murgana. Auch ein Sanierungsfall.
Florus: Das ist kein Sanierungsfall. Es gibt auch keinen Grund, es abzureißen. Aber der Gemeinderat will langfristig überlegen, ob der Standort bleiben soll. Aber zunächst eröffnen wir das Waldseebad. Das Rotherma steht bereits super da, aber wir werden das Hallenbad immer beobachten und frühzeitig das Thema Sanierung sowie damit verbundene Fragen wie Standort oder Neubau anpacken. Eine Frage ist: Kann an dem Standort ein modernes Sport- und Schulbad entstehen, das gleichzeitig ein modernes Bad für die Bürger ist? Als reines Sport- und Schulbad könnte es bleiben, als Bad für die Bürger ist es in dieser Form nicht zeitgemäß.

BT: Wie soll vorgegangen werden?
Florus: Schritt für Schritt. Nicht wie in Rastatt, sondern mit Beteiligung der Bürger. Ich sehe die Innenstadtlage des Bades durchaus als Vorteil für Schulen und Vereine. Und die sind für mich das Wichtigste in dieser Hinsicht.

BT: Man könnte es ans Rotherma andocken?
Florus: Das war angedacht, aber das geht platzmäßig nicht mehr. Wir wollen den Kurpark ja nicht kaputtbauen.

BT: Ein neues Hallenbad im Traischbachtal?
Florus: Das wäre eine Möglichkeit. Aber vielleicht gibt es ja eine interkommunale Lösung?

BT: Denken Sie da in Richtung Kuppenheim oder Gernsbach?
Florus: Da sind wir ganz offen, da gibt es noch nichts Konkretes.

BT: Ein Hallenbad im Traischbachtal – vielleicht in Kombination mit einer neuen Traischbachhalle, nachdem die alte abgerissen sein wird?
Florus: Das ist eine wichtige Halle. Sie hat ihre Wehwehchen, die wollen wir lösen. Für sechs, sieben Millionen Euro wollen wir das hinbekommen.

BT: Ein weiteres Millionenprojekt wird das Schulzentrum Dachgrub werden.
Florus: Wir ziehen konsequent unseren Schulentwicklungsplan durch. Wir haben die Sanierung der Realschule geschoben, weil die Merkurschule für ihre neue Rolle als Gemeinschaftsschule erweitert werden musste. Nun ist die Realschule dran mit räumlichen und energetischen Optimierungen. Wir rechnen mit zehn Millionen Euro Gesamtkosten für das komplette Schulzentrum. Parallel investieren wir ins Goethe-Gymnasium fünf bis sechs Millionen.

BT: Das ist alles sehr viel Geld ...
Florus: Ja, wir machen schon viel für unsere Schulen. Ich denke zum Beispiel an die raumlufttechnischen Anlagen. Sie sind auch im Sinne der Lehrer, die Tag für Tag vielleicht ein ganzes Berufsleben lang dort arbeiten. Das wird viel kosten, aber das ist es uns wert.

BT: Der Architektenwettbewerb für die Dachgrub wäre vielleicht nicht unbedingt notwendig.
Florus: Er ist die Idee unseres Hochbauamtsleiters. Wir wollen das ganze Schulzentrum in den Blick nehmen, vom Gebetshaus über die Hallen bis zum Realschulgebäude. Man muss auch träumen können. Da sind nun mal Ideen von außen willkommen. Ich freue mich echt auf den Wettbewerb.

Fortsetzung der Innenstadtsanierung

BT: Mehr als 100.000 Euro soll der Wettbewerb kosten.
Florus: Bei einem Projekt von zehn Millionen Euro! Da ist dieser Betrag auf alle Fälle gerechtfertigt. Und wenn Bürger, Eltern und auch Lehrer beteiligt werden, dann rechnet sich das.

BT: Bei der Stadtentwicklung wäre ein Masterplan auch wünschenswert.
Florus: Wir arbeiten auch hier durchaus konzeptionell. Nehmen Sie zum Beispiel das ehemalige Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt mit Murgtal-Center und weiteren Immobilien. Meine Vision ist schon die Fortsetzung der Innenstadtsanierung der 70er- und 80er-Jahre unter OB Helmut Dahringer mit dem damaligen Bemühen, die Innenstadt moderner darzustellen.

BT: Das war ein groß angelegtes Vorhaben.
Florus: Ja, aber man kann immer nur einzelne Projekte umsetzen. Ansonsten hocke ich noch zehn Jahre im Rathaus und habe nichts erreicht. Unsere Fachberater bestärken uns darin, einzelne Projekte anzugehen. Wir sollten nicht nur auf 2040 blicken, sondern ich möchte auch 2025 etwas vorzuweisen haben. Geschwindigkeit ist auch wichtig. Zum Glück hatten wir zur rechten Zeit die notwendigen Bebauungspläne, dann kamen auch die Investoren. Wir nehmen immer große Quartiere in den Blick. Mehr verträgt aber eine Stadt auch nicht. Sonst haben sie jahrelang immer nur Baustellen.

„Kann mir gut vorstellen, weiter zu machen“

BT: Werden Sie sich 2023 zur Wiederwahl als Oberbürgermeister stellen? 2009, gerade zwei Jahre nach Ihrer ersten Wahl, hatten Sie schon Ihre erneute Kandidatur für 2015 angekündigt. Nun aber sagen Sie stets, dass Sie sich zum gegebenen Zeitpunkt äußern werden.
Florus: Der gegebene Zeitpunkt ist nicht in einem Pressegespräch. Es sind wahnsinnig interessante Aufgaben, die mir riesig Spaß machen. Es ist mein Traumjob, es gibt nichts Schöneres, als OB in der eigenen Heimatstadt zu sein. Ich habe viel erreicht und viele Freunde dabei gefunden; so etwas gibt man nicht gerne ab. Ich kann mir gut vorstellen, weiter zu machen, und ich habe noch nie nein gesagt auf die Frage, ob ich das tun werde.

BT: Was macht also den perfekten Zeitpunkt aus, zu dem Sie sich erklären?
Florus: Die Location und ein passender Rahmen.

BT: Aber der Zeitpunkt ist nicht der Beginn der Bewerberfrist Anfang 2023?
Florus: Ich will erst noch einige Weichen für die Zukunft richtig stellen, zum Beispiel für den Nachtragshaushalt 2022, den Architektenwettbewerb Dachgrub, die Eröffnung des Waldseebads, dann werde ich mich zum gegebenen Zeitpunkt äußern. Ich brauche immer neue Aufgaben, und der Job bringt immer neue Aufgaben. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte erreichen, dass wir überall die Besten sind.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.