Parteimanager mit dem Blick fürs Ganze

Baden-Baden (kli) – Adrian Sonder ist seit wenigen Wochen neuer Landesgeschäftsführer der CDU. Der 32-jährige Baden-Badener hat sich im neuen Amt einiges vorgenommen.

Will mit dazu beitragen, die CDU für künftige Wahlkämpfe wieder kampagnenfähig zu machen: Adrian Sonder.     Foto: Steffen Böttcher

© Steffen Böttcher

Will mit dazu beitragen, die CDU für künftige Wahlkämpfe wieder kampagnenfähig zu machen: Adrian Sonder. Foto: Steffen Böttcher

Vor knapp einem Jahr lag die baden-württembergische CDU am Boden. Das Ergebnis bei der Landtagswahl: niederschmetternd. Spitzenkandidatin Susanne Eisenmann: krachend gescheitert. Die Landespartei leckte ihre Wunden und versucht sich nun an einem Neuanfang. Mit von der Partie: der Baden-Badener Adrian Sonder.

Der 32-Jährige war lange Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter beim CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Whittaker, ehe er ab 2020 das Büro des nun ehemaligen Generalsekretärs Paul Ziemiak geleitet hat. Seit wenigen Wochen ist Sonder neuer Geschäftsführer der baden-württembergischen CDU in Stuttgart. Er will anpacken, um die einstige, selbst ernannte Baden-Württemberg-Partei wieder flott zu kriegen.

Sonder sieht die Partei auf dem Weg der Erneuerung. „Wir haben jetzt eine Phase ohne Wahlen. In den kommenden zwei Jahren geht es darum, die Kampagnenfähigkeit der CDU in Baden-Württemberg weiter zu stärken“, sagt er über seine vordringliche Aufgabe.

Eine trügerische Ruhe

Dabei würden die Anforderungen an Kampagnen immer höher. Insofern sieht er die wahlfreie Zeit bis 2024 als trügerische Ruhe, denn die nächsten Wahlkämpfe müsse man jetzt schon anpacken und andenken. Man wolle den Ehrenamtlichen vor Ort „als Landespartei Input geben und Angebote machen, wie sie den Wahlkampf gut bestreiten können“. Messlatte werden für Sonder also die Europa- und Kommunalwahlen 2024 sein – kein einfaches Unterfangen. „Wir sind stark in den Kommunen verankert, aber die politische Konkurrenz schläft nicht. Die Kommunalwahlen 2024 sind für die CDU von größter Bedeutung“, betont er.

Sonder hatte immer schon Interesse an Politik, war in jungen Jahren in seiner Heimatstadt in der Jungen Union aktiv, wurde dann Kreisvorsitzender der Jungen Union Baden-Baden. Später studierte er Politik- und Sozialwissenschaften sowie Wirtschaftsgeschichte unter anderem in Paris und Dublin, ehe er 2013 das Team des damals neuen Abgeordneten Whittaker verstärkte.

CDU-Landesgeneralsekretärin Isabell Huber hat zu Sonder im vergangenen Jahr Kontakt aufgenommen und ihn für die Aufgabe in Stuttgart gewonnen. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit Adrian Sonder einen erfahrenen und klugen Strategen an unserer Seite haben und freuen uns auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, lässt sie ausrichten.

Gespräche mit allen Mitarbeitern

Der Baden-Badener wurde zurück nach Baden-Württemberg geholt, unter anderem, weil er den Blick fürs Ganze hat, lobt Huber. Die Stelle war seit Mai 2021 vakant, die Landespartei managte den Übergang nach der Wahlniederlage bislang also ohne Manager. Nun packt Sonder mit an. Mit allen Mitarbeitern habe er erste Gespräche geführt.

Natürlich ist auch sein Start in diesen Wochen vom Ukraine-Krieg geprägt. Sonder organisiert Videoschalten zu dem Thema, koordiniert Hilfen von Mitarbeitern, Gremien und Gesamtpartei und findet die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung wundervoll.

Wo sieht er außer der Organisation der nächsten Wahlkämpfe besonderen Handlungsbedarf? Natürlich geht es um die Aufarbeitung der Wahlniederlage im Land, das geschehe in einer von Huber eingerichteten „Zukunftskommission“. Darüber hinaus sieht Sonder zwei Herausforderungen für die CDU: „Wie können wir neue Mitglieder gewinnen und zweitens, wie können wir sie halten?“ Letzteres ist wichtig, weil bisher ein signifikanter Teil der Mitglieder nach ein paar Jahren die Partei wieder verlässt.

Digitalisierung der Parteiarbeit weit fortgeschritten

Die Parteiarbeit hat sich in jüngster Zeit sehr in digitale Formate verlagert. „Für die Digitalisierung der Parteiarbeit hat die Corona-Zeit einen großen Schub gebracht“, berichtet Sonder. „Obwohl wir viele ältere Mitglieder haben, lief etwa die Mitgliederbefragung zum CDU-Bundesvorsitzenden mehr digital als über die Stimmabgabe per Brief. Das heißt, viele Mitglieder sind digital schon weiter, als wir oft glauben.“ Dies zeige auch die Beteiligung an digitalen Formaten sowie die alltägliche Parteiarbeit via Videokonferenzen. Sonder hat sich bisher inhaltlich stark mit Arbeitsmarktpolitik beschäftigt, dazu hat er in Berlin auch einen Blog betrieben. „Mein Herzensanliegen, die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, kann ich nicht mehr so intensiv verfolgen wie früher. Im Bundestagsbüro von Kai Whittaker habe ich mich als Referent damit schwerpunktmäßig beschäftigt. Als Büroleiter des damaligen CDU-Generalsekretärs Paul Ziemiak hatte ich natürlich trotzdem noch ein großes Augenmerk auf dieses Thema und das möchte ich auch in meiner neuen Funktion gerne beibehalten.“

Sonder freut sich auf die neue Aufgabe – und auf die Rückkehr in seine Heimat. „Wir wollten als Familie mittelfristig sowieso wieder in die Heimat ziehen. Nun leben wir seit ein paar Monaten in Baden-Oos.“ Mit seiner Frau und dreijährigen Tochter.

Sonder pendelt jetzt Werktag für Werktag mit der Bahn nach Stuttgart und wieder zurück. Für ihn ist das ein Preis, den er privat gerne bezahlt, denn: „Ich bin sehr glücklich, wieder in der alten Heimat zu sein. Es ist ein Nachhausekommen und auch ein Ankommen.“


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