Per Sonderflug zur Spargelernte

Baden-Baden (vo) – Der Spargel auf den Feldern sprießt – und es werden Menschen benötigt, die ihn ernten. Daher kommt die Lockerung des Einreiseverbots für Helfer aus Osteuropa noch rechtzeitig.

Ohne die Hilfe rumänischer Arbeiter hätten die Spargelbauern in den kommenden Wochen ein Problem. Foto: Stache/dpa

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Ohne die Hilfe rumänischer Arbeiter hätten die Spargelbauern in den kommenden Wochen ein Problem. Foto: Stache/dpa

Mehrere Hundert rumänische Arbeiterinnen und Arbeiter werden am Donnerstag auf dem Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden in Rheinmünster-Söllingen erwartet (wir berichteten). Zwischen acht und zehn Flugzeuge sollen dort aus der Stadt Sibiu kommend zwischen 12 und 17.40 Uhr landen. Es ist eine kurzfristig organisierte Aktion, wie sie in dieser Form auch für das Landratsamt Rastatt neu ist. Am Dienstag gab es dazu vor Ort am Flughafen Gespräche mit allen Beteiligten, am Mittwoch wurden dann bei der Landkreisverwaltung und dem Gesundheitsamt letzte Details geklärt. „Wir sind zusammen mit der Bundespolizei bemüht, uns auf die Situation entsprechend vorzubereiten“, sagte Pressesprecherin Gisela Merklinger dem BT auf Nachfrage.

Nachdem wegen der Corona-Pandemie zunächst ein Einreiseverbot für Erntehelfer galt, wurde die Regelung in der vergangenen Woche nach einem Hilferuf der Landwirte gelockert. Jetzt dürfen 40.000 Hilfskräfte im April und noch ebenso viele im Mai nach Deutschland kommen. Der Baden-Airport ist einer von sechs Flughäfen in Deutschland, an denen die Helfer erwartet werden.

Erste Untersuchung in Rumänien

Allerdings gestaltet sich das damit verbundene Prozedere nicht einfach. Schließlich müssen die Vorschriften in Sachen Gesundheit und Hygiene eingehalten werden. Wie genau die Kontrollen ablaufen sollen, wurde ebenfalls im Landratsamt besprochen. „Unser Gesundheitsamt hat darauf hingewirkt, dass die Erntehelfer schon in Rumänien untersucht werden und ein persönliches Gesundheitszeugnis erhalten. Am Flughafen werden sie dann vom Gesundheitsamt noch einmal in Augenschein genommen“, erklärt Merklinger das geplante Vorgehen. Unterstützt werden die Mitarbeiter vom DRK-Ortsverband Bühl-Achern. Außerdem werden die ausgestellten Gesundheitspapiere überprüft.

„Darüber hinaus haben wir entscheiden, dass die Ankommenden ihre Bordkarte vorlegen müssen, um bei einer möglichen festgestellten Infektion die Infektionsketten nachvollziehen zu können“, sagt Merklinger. Sollten tatsächlich Symptome einer Coronavirus-Infizierung festgestellt werden, müssten diese Personen direkt wieder zurückfliegen. Es soll sichergestellt werden, dass dafür am Flughafen eine Maschine zur Verfügung steht.

Auch am Flughafen selbst laufen die Vorbereitungen auf die außergewöhnliche Situation auf Hochtouren. Stand Mittwochnachmittag erwartete man dort sieben Flugzeuge aus Sibiu. „Es kann aber noch die eine oder andere mehr werden“, sagte Flughafensprecherin Elke Fleig dem BT. Letztendlich hängt die genaue Zahl der ankommenden Erntehelfer davon ab, wie die Organisation der Anreise über ihre Betriebe in Deutschland funktioniert. Die meisten arbeiten schon viele Jahre in ihrem jeweiligen Betrieb, stehen in ständigem Kontakt und auf Abruf.

Einreisekontrolle direkt am Flieger

Neben dem Gesundheitscheck erwartet die Erntehelfer auch die übliche Einreisekontrolle mit Überprüfung der Papiere. „Sie findet in Absprache mit der Bundespolizei noch direkt am Flugzeug statt“, so Fleig. Wichtig sei es auch, die Hygienevorschriften sowie die Abstandsregelung streng einzuhalten. „Deshalb kann es sein, dass eine Maschine auch mal etwas länger auf die Abfertigung warten muss“, so Fleig.

Auch auf die Betriebe, zu denen die Erntehelfer nach Ankunft und gesundheitlicher Prüfung mit dem Bus gebracht werden, kommen spezielle Anforderungen zu. Da die Beschäftigten sich quasi in Quarantäne befinden, gelten strenge Vorgaben. So dürfen sie beispielsweise ihre Unterkunft für zwei Wochen nicht verlassen. Auch der Kontakt untereinander sowie mit anderen Personen im Betrieb soll auf das Nötigste beschränkt werden, Der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) mit Sitz in Bruchsal stellt hierzu seinen Betrieben Leitlinien zum Infektionsschutz unter anderem in rumänischer und polnischer Sprache zur Verfügung. Für die Einhaltung der Regelungen sind die Betriebe verantwortlich, die auch für die Flugkosten ihrer Helfer aufkommen.

Rund 80 Prozent der Helfer für die Spargel- und Erdbeerernte, die saisonal in Baden arbeiten, stammen nach Angaben des VSSE aus Rumänien. Die aktuelle „Luftbrücke“ nach Sibiu wird von den Fluggesellschaften beziehungsweise -vermittlern Eurowings, ProSky und Air Partner per Charterflüge hergestellt, wobei die Lufthansa-Tochter Eurowings VSSE-Mitgliedern sogar einen Rabatt von zehn Prozent auf den Flugpreis anbietet.


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