Per Video ins neue Jahr

Murgtal (hu) – Weil der klassische Neujahrsempfang wegen Corona erneut ins Wasser fällt, setzen die meisten Rathauschefs im Murgtal aufs Digitale oder auf den Sommer.

Kamera läuft: Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus setzt genauso wie Gernsbachs Bürgermeister Julian Christ auf eine digitale Variante des Neujahrsempfangs in Form eines Films. Foto: Swantje Huse

© hu

Kamera läuft: Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus setzt genauso wie Gernsbachs Bürgermeister Julian Christ auf eine digitale Variante des Neujahrsempfangs in Form eines Films. Foto: Swantje Huse

Zwei Kameras, etwas Licht und ein Teleprompter: Viel mehr braucht es nicht, um aus einem Büro ein kleines Studio zu machen. Doch es ist nicht irgendein Büro, das Thomas Adam mit seiner Ausrüstung in ein Studio verwandelt, es ist die Amtsstube von Gaggenaus Oberbürgermeister Christof Florus. Da im neuen Jahr wegen der aktuellen Pandemie-Situation erneut keine Neujahrsempfänge möglich sind, setzt er, wie die meisten seiner Amtskollegen, auf ein alternatives Format.

„Der Neujahrsempfang ist eine schöne Sitte“, sagt Florus. Traditionell findet er in Gaggenau am zweiten Donnerstag im neuen Jahr statt. Rund eine Stunde lang geht es um den Rückblick ins alte und den Ausblick ins neue Jahr. „Und um den Dank an die Bürger.“ Vor allem dieser Aspekt sei Florus wichtig: „Der Empfang bietet auch die Möglichkeit zum Gespräch, auch direkt mit den Amtsleitern.“ Gerade von Vertretern der Vereine, aus Wirtschaft und von den Schulen werde das gerne genutzt.

„Irgendwann kennt man sich auch“, erinnert sich der Rathauschef an die Zeit, als er selbst noch als Vorsitzender der Werbegemeinschaft Gast beim Neujahrsempfang gewesen ist. Der Austausch ist in diesem Jahr zwar nicht möglich, aber wenigstens Danke sagen möchte Florus den Gaggenauern. Also setzt er sich, wie schon 2021, vor die Kamera und spricht einen Neujahrsgruß. „Der wird natürlich kürzer als meine übliche Rede“, scherzt Florus. „Das schaut sich ja sonst niemand an.“

Filmvariante „ist Typsache“

Auch Gernsbachs Rathauschef Julian Christ setzt erneut auf eine digitale Version des Neujahrsempfangs. Bereits 2021 war Christ auf die Filmvariante umgestiegen und hat sich in einem siebeneinhalbminütigen Video von den Baustellen und aus den Ortsteilen Gernsbachs gemeldet. „Das Video ist schon teils aufgenommen“, verrät Christ kurz vor Weihnachten. Online gestellt wird es aber erst am 14. Januar ab 19 Uhr – dann, wenn eigentlich der Neujahrsempfang stattgefunden hätte.

Zwar sei der virtuelle Empfang besser als gar keiner. „Leider können bei diesem Online-Format nicht die Ehrungen unserer vielen engagierten ehrenamtlichen Gernsbacher durchgeführt werden“, erklärt Pressesprecherin Nicoletta Arand. Deshalb soll es zusätzlich einen Sommerempfang geben, der dann auch den persönlichen Austausch möglich machen soll. „In der Hoffnung, dass dies dann die Corona-Lage zulässt“, so Arand.

Auf dieselbe Strategie setzt Daniel Retsch. 2020 hatte der frisch ins Amt gewählte Weisenbacher Bürgermeister auf einen Neujahrsempfang verzichtet, da er noch zu frisch im Amt gewesen sei. „Ich wollte nicht über die Projekte meines Vorgängers sprechen.“ 2021 kam dann Corona dazwischen. Jetzt hofft er, dass die Pandemie es zulässt, im Sommer einen Empfang zu veranstalten. Die Details sollen im Frühjahr festgelegt werden. Klar sei jetzt schon: „Der Blick wird sich auf die Stärkung des Ehrenamts richten“, so Retsch.

Eine digitale Grußbotschaft wie von seinen Kollegen Florus und Christ ist nicht so Retschs Ding. „Das ist Typsache“, sagt er. Zudem seien die Themen im Ort „publiziert, sie sind am Laufen und sie sind bekannt“. Im Gemeindeanzeiger und auf der Homepage sowie den Social-Media-Plattformen sei er aber mit einem klassischen Grußwort vertreten.

In Forbach gibt es sowieso seit Langem schon keinen Neujahrsempfang mehr. Unter Paul Krey gab es einen Bürgerehrungsabend, den sein Nachfolger Kuno Kußmann in einen Bürgerball umgewandelt hat. Nach mehreren Auflagen sank allerdings die Resonanz, weshalb er noch unter Kußmann eingestellt wurde. Das angekündigte neue Format ist nie entstanden.

Auch seine Nachfolgerin Katrin Buhrke hat keine entsprechende Veranstaltung ins Leben gerufen. Nur in Langenbrand gehört der Neujahrsempfang fest in den Kalender – zumindest bis Corona. Angesichts der bevorstehenden Bürgermeisterwahl, bei der Buhrke nicht mehr antritt, gebe es aktuell auch keine Planungen für Veranstaltungen im Sommer, heißt es aus dem Rathaus: „Auch ein Film oder eine Videobotschaft sind nicht geplant.“

„Meine Intention lag nicht auf dem Festakt“

In Loffenau gab es bis zum Amtsantritt von Markus Burger Ende 2017 keinen Neujahrsempfang mehr. Zweimal konnte Burger seitdem seine Bürger begrüßen, 2019 und 2020, seitdem ruht die junge Tradition auch hier. „Ich finde es gut, zu Beginn des Jahres zusammenzukommen, um das erste gesellschaftliche Event gemeinsam zu verbringen“, sagt der Bürgermeister. Ins Digitale ist er ganz bewusst nicht ausgewichen. „Meine Intention lag nicht auf dem Festakt, sondern auf dem Stehempfang am Ende, bei dem man tatsächlich zusammenkommt und miteinander spricht. Das kriege ich auch digital nicht hin.“

In Gaggenau ist OB Florus inzwischen mit der Aufnahme durch. „Der Text ist mir manchmal weggelaufen“, sagt er lachend über seine ersten Erfahrungen mit dem Teleprompter. Ansonsten ist er zufrieden. Gute vier Minuten hat er gesprochen. Jetzt sollen noch Fotos passend zu den Themen in den Beitrag geschnitten werden. Online geht die Grußbotschaft dann im Laufe des 13. Januar. Auch wenn es nicht der klassische Empfang wird, freut sich Florus: „Es ist schon toll, was technisch inzwischen alles geht.“

In eigener Sache

Das Badische Tagblatt und die Badischen Neuesten Nachrichten bündeln ihre journalistischen Kräfte und erweitern damit das umfangreiche Leseangebot in Mittelbaden. Noch arbeiten die beiden Redaktionen getrennt, tauschen jedoch schon gegenseitig Inhalte aus. Davon sollen vor allem die Leser profitieren – durch mehr Hintergründe, Reportagen und mehr Service. Deshalb werden auf badisches-tagblatt.de auch Artikel von BNN-Redaktionsmitgliedern veröffentlicht.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.