Perfekte Organisation, märchenhafte Musik

Forbach (vgk) – Rund 150 Konzertbesucher kommen in die Kirche St. Johannes Baptista, wo der Musikverein Forbach zugunsten der Spendenaktion „Musik hilft Musik – Fluthilfe Rheinland-Pfalz“ aufspielt.

Mit präziser Gestik leitet Dirigent Alexander Weber (rechts) den Klangkörper durch das Konzert. Foto: Veronika Gareus-Kugel

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Mit präziser Gestik leitet Dirigent Alexander Weber (rechts) den Klangkörper durch das Konzert. Foto: Veronika Gareus-Kugel

The Sound of Silence – Der Klang der Stille! Was wie ein Paradox klingt, denn die Stille hat keinen Klang, kann zur Stille hinführen. Mit diesen Worten begrüßte Hausherr Pfarrer Thomas Holler am Samstagabend die rund 150 Konzertbesucher in der Kirche St. Johannes Baptista in Forbach zum Benefizkonzert des Musikvereins Forbach. Der im Stehen gespendete Applaus war kräftig und lang anhaltend.

„Der Mensch ist mehr als nur Essen und Trinken. Er braucht auch kulturelles Leben.“ Damit rechtfertigte Holler das Konzert vor dem Hintergrund einer steigenden Corona-Inzidenz. Um einen Beitrag in diese Richtung muss sich der Verein nicht sorgen. Anmeldelisten, ein großer Kirchenraum, eine reduzierte Anzahl an Plätzen, ein auf Abstand sitzendes Publikum und eine an Perfektion heranreichende Organisation machten den Musikgenuss möglich. Eine versenkende Stille durchwob die Kirche.

Bereits im vergangenen Jahr war den Musikern klar: Nur in diesem Rahmen könne ein Konzert möglich sein. Der Lockdown machte ihnen damals jedoch einen Strich durch die Planungen. Umso begeisterter zeigten sich Publikum und Orchester gleichermaßen, dass es dieses Mal klappte. Die acht ausgewählten Titel passten auch bestens in die beginnende Weihnachtszeit. Der Musikverein ließ schon mit dem ersten Stück „Silencieux“ des Komponisten Claude Debussy keinen Zweifel aufkommen, wohin an diesem Abend die Reise gehen würde. Die Moll dominierende Komposition forderte konzentriertes Zuhören ein.

Dur-Tonleiter als Mittel gegen Corona-Frust

Mit ausholender und präziser Gestik leitete Dirigent Alexander Weber den Klangkörper durch „Feather Theme“ (Alan Silvestri) oder das Largo von Antonín Dvorak. Zum Wegträumen war „Over the Rainbow – Irgendwo jenseits des Regenbogens“ (Harold Arlen). Eine Musik, die eine entfernt liegende märchenhafte Welt beschreibt und basierend auf einer Dur-Tonleiter ein Mittel gegen Corona-Frust sein kann. In diesem Stil ging es weiter: Auf Moll folgten melodische Dur-Stücke. Nach „Adoramus te, Christe“ (Claudio Monteverdi) schloss sich „Into the West“ (Howard Shore) an. Fehlen durfte auch nicht die opulente barocke Tondichtung mit langen Notenbögen namens „Bach“ von Johann Sebastian Bach.

Ein absolutes Glanzlicht setzte das Blasmusikorchester mit dem titelgebenden Song „Sound of Silence“. Die Musik dazu schrieb Paul Simon vom Duo Simon & Garfunkel. Dieses erlangte mit dem 1964 erstmals veröffentlichten Lied Weltruhm. Das tiefe Blech führte in das Thema ein. Die Solotrompete nahm die Melodie auf und gab diese anschließend an alle Instrumente weiter. Dieses Wechselspiel ließ eine kraftvolle Gänsehaut erzeugende Intonation zu – und man kann davon ausgehen, dass hinter der verpflichtenden Maske der eine oder andere ganz leise den Text mitsang.

Das Schlaflied „Guten Abend, gute Nacht“ gab es als Zugabe obendrein als unmissverständliche Aufforderung, es den Musikern gleichzutun, leise aufzustehen und die Kirche zu verlassen. Das anschließend eingesammelte Geld ist für die Spendenaktion „Musik hilft Musik – Fluthilfe Rheinland-Pfalz“ bestimmt.


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