Performance-Festival der Kunsthalle Baden-Baden

Baden-Baden (fh) – Künstlerkollektive kommen derzeit in Baden-Baden zusammen, um sich auszutauschen und zu lernen. Sie zeigen verschiedene Performances in der Kunsthalle und im öffentlichen Raum.

Wie zeigt man einen Film, wenn man keine Leinwand hat? Die Performance von Discoteka Flaming Star vor der Kunsthalle hat einen Lösungsvorschlag. Foto: Fiona Herdrich

© fh

Wie zeigt man einen Film, wenn man keine Leinwand hat? Die Performance von Discoteka Flaming Star vor der Kunsthalle hat einen Lösungsvorschlag. Foto: Fiona Herdrich

Es dämmert gerade, als eine Frau auf eine der gelben Bänke aus Metall steigt und um Aufmerksamkeit bittet. Spaziergänger in der Lichtentaler Allee schauen herüber. Viele Zuschauer kommen von der Terrasse des Cafés und setzen sich auf die Stufen der Kunsthalle Baden-Baden oder die Bänke, die die sogenannte Arena umstellen.

Die Frau gehört zur Künstlergruppe Discoteca Flaming Star von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart, und die Zuschauer erwartet gleich eine Performance aus Filmvorführung und Lesung. Aber wie zeigt man einen Film, wenn man draußen nichts hat, nicht mal eine Leinwand. Nun, nichts ist vielleicht übertrieben, immerhin hat Discoteca Flaming Star eine Spraydose mit weißer Farbe dabei, die Rücken eines Mannes in wenigen Sekunden in eine geeignete Fläche zur Filmvorführung verwandelt.

Zu sehen ist „Vampire-Thrillogy“, drei kurze Filme, die eine Performance in der Performance darstellen. Zu sehen sind schwarz-weiß Aufnahmen, Menschen die sich im Wasser aalen oder Münder, die in eine Torte beißen. Die Frau liest dazu einzelne Sätze auf Englisch aus einem Buch vor. Es geht um Orte und Fragen, wie „Wo gehst du hin?“, „Geh weg“ oder „Du kannst hier nicht bleiben“ – der Gedanke an Lockdown und Abstandsregeln liegt nahe. Am Ende folgt ein Gedicht – ebenfalls auf Englisch. Es geht etwa um Gefahr und Sicherheit.

„Das ist hochinterpretativ und stellt meist das gesamte Leben in Frage“, kommentiert Cagla Ilk, eine der beiden neuen Direktoren der Kunsthalle, das gerade Erlebte. Sie und ihr Kollege Misal Adnan Yildiz haben für zwei Wochen acht Kunst-, Performance- und Regieklassen aus ganz Deutschland eingeladen.

Versammlungsort im Oberlichtsaal

„Conditions of a Necessity“ heißt das Projekt, bei dem die Künstler sich über zukünftige Formen des Austauschs und des kollektiven Lernens verbinden. „Für viele Stücke kam die Covid-Pandemie während der entscheidenden Phase vor der Premiere, weswegen sie nicht zu Ende geführt werden konnten“, erklärt Ilk. Der Kontakt untereinander war nur noch über Videochats möglich. Und auch im Programm der Kunsthalle war plötzlich eine Leere entstanden, wie Ilk es nennt, die sie für dieses Projekt jetzt nutzen können. Insgesamt 100 Studierende verschiedener Disziplinen haben nun die Möglichkeit, bis zum 4. Oktober in Baden-Baden zusammenzukommen, sich auszutauschen und zu lernen – unter anderem sind die Pandemie und der Lockdown Thema. Die Kollektive arbeiten dabei transdisziplinär zusammen, und sie intervenieren auch im öffentlichen Raum, vor kurzem etwa im Brunnen am Leopoldsplatz.

Die „Arena“ mit den Metallbänken ist eigentlich Teil eines vom Architekten Assaf Kimmel gestalten Versammlungsorts im Oberlichtsaal der Kunsthalle, wo sie zusätzlich noch mit einem Fadenvorhang umgeben ist. In allen Räumen wird gearbeitet. Es gibt sogar ein kleines Kino mit einer Leinwand und weit auseinander montierten Klappsitzen. Die Hygiene- und Abstandsregeln werden groß geschrieben.

Zusätzlich zu den analogen Formaten wurde eine digitale Infoplattform geschaffen über die sich die Klassen vernetzen und lernen. Auch die Performances werden zum Teil ins Internet übertragen. Das Festival ist der erste Teil des Projekts, aus dem im Frühjahr 2021 eine Ausstellung entstehen soll.

Auf Wunsch von Discoteca Flaming Star wurden am Dienstag die Tische des Cafés spontan beiseite geräumt, um Platz für die Bänke zu schaffen, sodass ihr Programm vor der Kunsthalle stattfinden konnte. Bereits zum Sonnenuntergang wurde der Platz von Studierenden bespielt.

Zum Artikel

Erstellt:
25. September 2020, 06:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 43sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.