Pflegebündnis Mittelbaden geht in die Offensive

Gaggenau (tom) – Mit einem Forderungskatalog wendet sich das Pflegebündnis Mittelbaden an die Teilnehmer der Koalitionsverhandlungen für die künftige Bundesregierung.

Peter Koch aus Michelbach ist Gesamtheimleiter beim Verein Gaggenauer Altenhilfe und Vorsitzender des Pflegebündnisses Mittelbaden. Foto: Gerd Modlich/Gaggenauer Altenhilfe

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Peter Koch aus Michelbach ist Gesamtheimleiter beim Verein Gaggenauer Altenhilfe und Vorsitzender des Pflegebündnisses Mittelbaden. Foto: Gerd Modlich/Gaggenauer Altenhilfe

BT-Redakteur Thomas Senger befragte deshalb Peter Koch. Er ist Vorsitzender des Pflegebündnisses und Gesamtheimleiter des Vereins Gaggenauer Altenhilfe.

BT: Herr Koch, ist das nicht ein bisschen ambitioniert: ein „Appell an die Koalitionsverhandler“ in Berlin aus der badischen Provinz?
Peter Koch: Pflege muss ambitionierter werden und Veränderungen beginnen im Kleinen – oder auch in der badischen Provinz. Immerhin wurden wir im Frühjahr nach einem offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn zu einem Video-Call eingeladen und unsere Stimme zumindest beachtet.

BT: Personalkosten sind ein wesentlicher Faktor in der Pflege. Darauf hat auch Andreas Merkel, der Finanzvorstand Ihres Vereins Gaggenauer Altenhilfe, immer wieder hingewiesen. Wer soll die Forderung nach besserer Bezahlung unterm Strich begleichen?
Koch: Hier gibt es für mich nur eine Antwort: Die Gesellschaft, denn der Einzelne kommt hier schnell an eine Überforderung. Wir stehen vor der Frage: „Was ist uns die Pflege wert und was sind uns die Menschen wert, die diese für uns leisten?“

BT: Wer ist „die Gesellschaft“?
Koch: Die Kosten sind nicht nur über das Solidarsystem zu tragen, sondern wir müssen auch über Steuerzuschüsse reden. Es kann nicht sein, dass immer nur die Arbeit teurer wird und Großkonzerne und Finanzjongleure keinen Beitrag leisten.

BT: Deutschland hat sicher mehr als nur dieses Problem.
Koch: Wir stehen als Gesellschaft vor großen Herausforderungen, wobei wir vom Pflegebündnis neben den Themen Klimawandel, Transformation der Wirtschaft und Digitalisierung auch die pflegerische Versorgung der Menschen als große Aufgabe sehen. Es fehlen schon mehr als 200.000 Kolleginnen und Kollegen in der Versorgung, die Bedarfe steigen in den nächsten Jahren drastisch (um bis zu 500.000) und zusätzlich gehen in den nächsten 15 Jahren rund eine halbe Million Pflegekräfte in den Ruhestand. Um das Berufsfeld im Wettstreit der Branchen attraktiv zu gestalten, müssen die Löhne und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.

BT: Mehr Personal fordern Sie auch. Was entgegnen Sie Leuten, die sagen, das sei alles nicht mehr finanzierbar?
Koch: Wer eine gute und vor allem menschenwürdige Pflege will, muss bereit sein, die Kosten zu übernehmen. Wir müssen uns fragen, für was wir als Gesellschaft unser Geld ausgeben. Wie die vergangenen Monate gezeigt haben, ist hier Potenzial vorhanden, man muss nur den Willen aufbringen.

Bericht zur Gaggenauer Altenhilfe.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
3. November 2021, 06:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 10sec

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