Pflegebündnis Mittelbaden stellt Forderungen

Gaggenau (red) – Das Pflegebündnis Mittelbaden will Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Krise umgesetzt sehen und formuliert sechs Forderungen.

Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

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Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten ein Glas Wasser. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Das Pflegebündnis Mittelbaden hat in seiner Mitgliederversammlung zum Jahresabschluss einen Katalog mit sechs grundlegenden Forderungen für eine nachhaltige Verbesserung der Situation in der Pflege an die politischen Entscheidungsträger verabschiedet.

Die Forderungen sind: Verbindliche Personalschlüssel, eine angemessene Bezahlung, Reform der Pflegeversicherung, Abkehr von der Ökonomisierung des Gesundheitswesens, politisches Mitspracherecht und Stärkung der Qualifikation.

„Mit diesen konkreten Forderungen, die von Pflegeexperten aus der Praxis aufgestellt wurden, erheben wir unsere Stimme. Denn jetzt ist die Zeit reif, dass nicht nur über die Pflege geredet werden muss, sondern mit der Pflege“, kommentiert der Vorsitzende Peter Koch das Ansinnen.

Ein „Weiter wie bisher“ dürfe es nach den einschneidenden Erlebnissen dieses Jahres nicht mehr geben, betont das Pflegebündnis. In ihm sind rund 60 stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie die Kliniken der Region zusammengeschlossen. Einstimmig wurde in der Mitgliederversammlung, die coronabedingt via Onlinekonferenz stattfand, das Punkte-Papier abgenommen.

Während in der aktuellen Corona-Krise viele Menschen im Homeoffice arbeiten, müssten in den Pflegeeinrichtungen und Kliniken landauf landab weiterhin kranke und pflegebedürftige Menschen versorgt werden. Die Angst, sich selbst oder die Bewohner und Patienten, die zur Hochrisikogruppe zählen, anzustecken, sei bei jeder Schicht trotz Schutzmasken und -kleidung mit dabei. Durch Infektionen und Quarantäne sei die ohnehin schon dünne Personaldecke in vielen Häusern so löchrig und brüchig geworden, „dass jeder Tag, an dem man an einem Zusammenbruch der Versorgung vorbeischrammt, als gewonnener Tag zählt“, so Peter Koch.

Ein wunderbarer und erfüllender Beruf

Die Corona-Krise habe wie ein Brennglas Versäumnisse und Fehlentwicklungen in den Fokus gerückt, durch die die Pflege als solches bis an den Rand des Kollapses gebracht worden sei. Zugleich sei erfreulicherweise die Systemrelevanz der Pflege als Dienst an den Schwachen der Gesellschaft in der Krise deutlich sichtbar und offiziell anerkannt worden.

Zwei zentrale Fragen stünden nun im Raum:

Was ist uns als Gesellschaft ein gutes Gesundheitswesen und die Pflege von alten, kranken und hilfebedürftigen Menschen wert?

Was sind uns die Menschen wert, die diese herausfordernde Aufgabe tagtäglich für uns und unsere Angehörigen übernehmen?

„Einige Themen davon sind schon erfreulicherweise in der politischen Diskussion“, so Koch weiter. „Oft wird von den Schreibtischen aus etwas beschlossen und verordnet, das in der Realität vor Ort gar nicht umzusetzen ist. Oder es werden neue Beschlüsse verkündet, die fantastisch klingen, von denen man aber weiß, dass sie gar nicht funktionieren können. Beispielsweise wurden mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz 13 000 Fachkraftstellen geschaffen, von denen aber noch nicht mal ein Viertel besetzt werden konnte.“

Nun solle im kommenden Jahr 2021 das Pflegeverbesserungsgesetz in Kraft treten, das bundesweit 20 000 zusätzliche Stellen für Hilfskräfte in der stationären Altenpflege vorsieht. Auch hier stelle sich die Frage: „Wie soll das gehen, dass wir diese auch besetzt bekommen?“ Somit appelliert das Pflegebündnis mit seinem Sechs-Punkte-Forderungskatalog: „Es ist fünf vor zwölf. Die Pflege muss dringend reformiert werden, damit sich wieder mehr Menschen dafür entscheiden, diesen an für sich wunderbaren und erfüllenden Beruf zu wählen.“

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Erstellt:
21. Dezember 2020, 14:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 32sec

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