„Pflegekräfte machen super Job“

Achern/Kappelrodeck (mig) – Pflegekräfte sind für viele Pflegebedürftige derzeit der einzige soziale Kontakt. Holger Reinhardt vom Ambulanten Pflegedienst CZA in Oberachern sagt: „Alle Pflegekräfte machen zur Zeit einen „super Job“.

Unermüdlich unterwegs zu den Pflegebedürftigen zu Hause sind die vielen Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste in Achern. Foto: Michaela Gabriel

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Unermüdlich unterwegs zu den Pflegebedürftigen zu Hause sind die vielen Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste in Achern. Foto: Michaela Gabriel

550 Hausbesuche pro Tag hat die Sozialstation Bernhard von Baden mit Sitz in Achern täglich zu absolvieren. „Betreuungsgruppen und Einzelbetreuung mussten wir einstellen. Die vorsorgliche Distanz zu unseren Kunden fällt uns schwer“, erklärt Geschäftsführerin Claudia Walter. Desinfektionsmittel, Schutzkleidung und Masken seien vorhanden. Die Beschaffung hätte sie sich aber „zu regulären Preisen von zentraler Stelle aus gewünscht“.

Bei der Sozialstation gebe es jetzt einen Krisenstab und einen Notfallplan. Der Innendienst sei so organisiert worden, dass nicht alle zeitgleich im Haus seien. Die Patienten seien in Sorge, angesteckt zu werden, aber ebenso machten sie sich Sorgen, ob ihre Pflege weiter gewährleistet werden kann: „Wir haben viele Klienten, die immobil oder schwer krank sind.“ Aktuell habe man noch genügend Personal. Alle Mitarbeiter seien mit viel Engagement dabei und arbeiteten ruhig und besonnen.

„Gott sei Dank funktioniert bei uns noch alles. Alle halten durch und fahren ohne Furcht weiter, das finde ich klasse“, sagt Holger Reinhardt vom Ambulanten Pflegedienst CZA in Oberachern: Alle Pflegekräfte machten zur Zeit einen „super Job“. Und er sei so wichtig, denn für Pflegebedürftige zu Hause seien sie derzeit die einzigen, die kommen dürften. Der menschliche Kontakt zu ihnen sei „ein großer Segen“.

Drogeriemarkt-Kette bietet Desinfektionsmittel zuerst Pflegern an

Berührt habe ihn, dass eine Drogeriemarkt-Kette, die auch in Achern ansässig ist, ihre Desinfektionsmittel zuerst den Pflegenden angeboten habe, bevor sie in den Laden kamen. Tatsächlich habe es auf den normalen Bestellplattformen keinen Nachschub mehr gegeben.

Eine weitere Sorge sei, dass Mitarbeiter zu lange krank geschrieben werden, wenn sie eine Erkältung hätten. Sie sollten sich schonen und wieder zu Kräften kommen, aber zwei Wochen seien dafür in der Regel nicht nötig.

Damit kämpft auch die Pflegeagentur Erni in Kappelrodeck. „Es sind einige Mitarbeiter krankgeschrieben und das bis zu vier Wochen“, berichtet Inhaber Marc Oliver Erni. Neue Mitarbeiter zu bekommen, sei in der jetzigen Situation unmöglich.

„Wir kämpfen mit Optimismus weiter“

Außerdem gebe es Kunden, die Dienstleistungen abbestellen. Kurzarbeit könne er nicht anmelden – schließlich seien die nicht krank geschriebenen Mitarbeiter voll beschäftigt. Weniger Aufträge und mehrere kranke Mitarbeiter könnten durchaus zu einer schwierigen wirtschaftlichen Lage führen: „Monatelang werden wir das nicht durchhalten, aber wir kämpfen mit Optimismus weiter.“

Klein sei die Problemlage dagegen in der 24-Stunden-Betreuung und Pflege zu Hause durch die von ihm vermittelten ausländischen Pflegekräfte, sagt Marc Oliver Erni. Es könnten derzeit zwar keine neuen Pflegekräfte ins Land kommen, aber es reisten auch nur ganz vereinzelt welche ab.

Dass doch einige polnische Pflegekräfte abgereist sind, beschert dem Pflegedienst von Ralf Armbruster aus Achern Mehrarbeit. „Wir können den einen oder anderen aufnehmen“, sagt er. Alle seine Mitarbeiter seien noch „an Bord“, aber „nervlich am Ende.“

Zertifizierte Atemschutzmasken praktisch nicht zu bekommen

Das liege vor allem am fehlenden Nachschub an hochwertigen Atemschutzmasken. Vor drei Wochen habe er noch FFP3-Masken bekommen, von denen eine 20 Euro statt sonst drei Euro gekostet habe, so Armbruster.

Doch die seien aufgebraucht. „Wir bekommen trotz vieler Versprechungen keine Masken“, ärgert sich der Geschäftsführer. Als Pflegender womöglich für die Ansteckung eines Patienten verantwortlich zu sein, sei eine furchtbare Vorstellung, macht er deutlich.

„Masken zu beschaffen ist aktuell das schwierigste“, bestätigt Bettina Dold vom Pflegedienst Sybille Schreiner aus Achern. Es würde den Kunden mehr Sicherheit geben, wenn man hochwertige Masken hätte. Die Mitarbeiter hätten inzwischen angefangen, selbst Masken zu nähen.

Ihr Autor

Michaela Gabriel

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Erstellt:
31. März 2020, 11:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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