Pflegerin des Jahres kommt aus Baden-Württemberg

Freiburg/Baden-Baden (nad) – Der 12.Mai wird allen Personen gewidmet, die in der Pflege tätig sind. So auch der Freiburger OP-Schwester Bozidarka Zimmermann: Sie ist Deutschlands Pflegerin des Jahres.

Sieht ihren Beruf als Segen: OP-Schwester Bozidarka Zimmermann von der Uniklinik Freiburg ist DeutschlandsPflegerin des Jahres. Foto: Jobtour medical

© ALEXA KIRSCH

Sieht ihren Beruf als Segen: OP-Schwester Bozidarka Zimmermann von der Uniklinik Freiburg ist Deutschlands
Pflegerin des Jahres. Foto: Jobtour medical

Schon als Kind stand für Bozidarka Zimmermann fest, dass sie später einmal Krankenschwester werden möchte. Heute arbeitet sie voller Leidenschaft als OP-Schwester im Universitätsklinikum Freiburg und kümmert sich nebenher um die Ausbildung der Nachwuchskräfte. Nun erhält die 36-Jährige eine ganz besondere Auszeichnung: Sie ist Deutschlands Pflegerin des Jahres.

„Das ist eine wahnsinnige Wertschätzung“, freut sich Zimmermann. Sie wurde von einer ehemaligen Arbeitskollegin bei „Herz & Mut“ nominiert. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Baden-Badener Unternehmens Jobtour Medical, das den Preis bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben hat. Anlass ist der Internationale Tag der Pflege am 12. Mai. Angehörige, Patienten und Arbeitskollegen können die Pflegerinnen und Pfleger vorschlagen. Zimmermann wurde von der siebenköpfigen Fachjury unter rund 1.000 Teilnehmern ausgewählt und ist damit die erste OP-Pflegekraft, der diese Ehre zuteil wird – und auch die erste Gewinnerin aus Baden-Württemberg.

Mit acht Jahren hat Zimmermann ihr Zuhause in Bosnien verloren und ist 1994 als Flüchtlingskind nach Deutschland gekommen, in die Nähe von Gütersloh. „Ich habe zu meiner Mama gesagt, ich möchte einen Job haben, den ich überall auf der Welt ausüben kann“, erinnert sie sich. Bei einem Pflegepraktikum in der achten Klasse, bei dem sie zwei Tage mit in den OP-Saal durfte, wurde ihr klar: „Da will ich hin.“

Ausbildung der „Kollegen von morgen“ liegt ihr am Herzen

Nach der dreijährigen Ausbildung zur Krankenschwester und Gesundheitskrankenpflegerin mit Fachweiterbildung OP-Pflege in Paderborn, sammelte sie Erfahrung an der Uniklinik Münster. 2009 verschlug es sie dann in den Breisgau. Dreizehn Jahre später ist sie immer noch von Operationen fasziniert, und liebt, was sie tut. „Chirurgie ist ein medizinisches Fach, was so schnell im Wandel ist, was so nah an der Wissenschaft ist“, schwärmt die Pflegerin. Die Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers begeistern sie: „Nirgendwo ist man so nah am Patienten wie in der Chirurgie.“ Eben diese Nähe ermöglicht es, so Zimmermann, direkt Ergebnisse der geleisteten Arbeit zu sehen. „Und was unser Körper imstande ist, zu leisten.“

Ihre Begeisterung für den Beruf gibt die 36-Jährige an junge Pflegekräfte weiter: Seit 2014 betreut sie als Praxis-Anleiterin nebenher Auszubildende, gibt ihnen Fachwissen und Tipps mit auf den Weg, um sie bestmöglich auf den Arbeitsalltag vorzubereiten. „Das sind die Kollegen von morgen“, betont Zimmermann – und eben diese gelte es, überhaupt für Pflegeberufe zu gewinnen: „Es ist wichtig, unseren Beruf positiver darzustellen.“ Auch an der Ausbildung kann ihrer Meinung nach noch gefeilt werden. Denn neben fachlicher Kompetenz sollte auch vermittelt werden, sich selbst wertzuschätzen, die eigenen Grenzen zu akzeptieren und auch mal Nein zu sagen.

„Lebt ihren Beruf als Berufung“

Ihr Geheimrezept, wie sie auch nach vielen Jahren im Beruf so viel Energie und Motivation behalten hat? Neben Familienzeit, Yoga und Rennradfahren als Ausgleich zur Arbeit glaubt sie, „hat das was mit meiner persönlichen Biografie zu tun“. „Als Flüchtlingskind habe ich früh die Ernsthaftigkeit des Lebens verstanden.“ Deshalb ist sie von Grund auf „extrem dankbar für mein privilegiertes Leben in Deutschland“ und sieht ihren Beruf als „Segen“.

Und diese Einstellung wird von anderen wahrgenommen: „Trotz Schichtdienst, Wochenendarbeit und 16 Stunden Bereitschaftsdiensten ist sie stets positiv und liebt ihren Job“, schreibt ihre ehemalige Kollegin in der Nominierung für den Pflege-Award. Mirijam Rienth, Inhaberin von Jobtour Medical lobt Zimmermann als „vorbildliche Pflegerin, die ihren Beruf als Berufung lebt“.

Neben der Erstplatzierung werden drei weitere Preise vergeben, darunter eine Sonderehrung für Humor in der Pflege. Insgesamt ist der Award mit 11.500 Euro dotiert. Zimmermann will mit ihrem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro mit ihrem Mann und der fünfjährigen Tochter „dieses Jahr absolut sorgenfrei in Urlaub gehen“: Drei Wochen campen an der französischen Atlantikküste sind geplant.

Am Wochenende findet die Preisverleihung in Berlin statt. Der ganze Trubel um ihre Person ist für die 36-Jährige ungewohnt, wie sie selbst sagt. „Ich mache doch nur meinen Job.“ Und den macht sie richtig gut.

Zum Thema: Tag der Pflege

Der Internationale Tag der Pflege wird offiziell seit 1974 jedes Jahr am 12. Mai begangen. Initiiert wurde er zur Erinnerung an den Geburtstag der Britin Florence Nightingale, die im 19. Jahrhundert als Krankenschwester tätig war und als Pionierin der modernen Krankenpflege gilt.

Der Tag ist allen Personen gewidmet, die in der Pflege arbeiten und soll auf diese Berufsgruppe aufmerksam machen. Auch auf Missstände wird hingewiesen.

So nimmt beispielsweise die Katholische Arbeitnehmerseelsorge Rastatt als Teil der Erzdiözese Freiburg den Tag als Anlass für einen offenen Brief. Darin kritisiert sie die Zustände und Arbeitsbedingungen in der Pflege und ruft zum Handeln auf. Der 12. Mai sei „ein Tag der Arbeit und der Sorge um einen Systemkollaps in der Pflege“, heißt es darin etwa.

Ihr Autor

BT-Volontärin Natalie Dresler

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Erstellt:
12. Mai 2022, 06:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 28sec

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