Pflegestellen für Flüchtlingstiere gesucht

Karlsruhe (BNN) – Hunde, Katzen und sogar eine Ratte: Im Tierheim in Karlsruhe-Daxlanden sind bereits mehrere Tiere aus der Ukraine angekommen.

Angelina Lepoittevin (links) und Stephanie Keil vom Tierheim Daxlanden kümmern sich momentan um die Hunde Nyschka und Jack aus der Ukraine.Foto: Jörg Donecker

© jodo-foto Karlsruhe

Angelina Lepoittevin (links) und Stephanie Keil vom Tierheim Daxlanden kümmern sich momentan um die Hunde Nyschka und Jack aus der Ukraine.Foto: Jörg Donecker

Keiner weiß, was sie durchgemacht haben. Klar ist: Hinter Luna und den anderen Hunden liegen weit über 1.000 Kilometer, die sie mit ihren Herrchen und Frauchen zurückgelegt haben. Sie alle haben ihre ukrainische Heimat wegen des Krieges verlassen.

Zuflucht in Karlsruhe

Im Tierheim Karlsruhe finden sie vorübergehend Zuflucht. Tierheim-Leiterin Stephanie Keil und ihr Team arbeiten momentan praktisch rund um die Uhr daran, die Tiere vorübergehend in Pflegestellen zu vermitteln.

Die Hilfsbereitschaft ist überwältigend: Das Telefon klingelt unentwegt, rund 150 E-Mails bekam das Tierheim von Menschen, die eine Pflegestelle anbieten. „Wir arbeiten die Mails momentan sukzessive ab“, sagt Keil.

Es sei schwierig, für die Tiere einen geeigneten Platz zu finden, das Tierheim nimmt deswegen unter info@tierheim-karlsruhe.de weitere Angebote entgegen. Da das Tierheim durch die Flüchtlingstiere zusätzliche Kosten hat, freue man sich zudem über Spenden, sagt die Leiterin. Im Tierheim werden die Tiere geimpft und gechippt, bevor sie dann in eine passende Pflegestelle kommen.

Hilfskonvoi der Tierretter startet in Richtung Ukraine

Dort müssen sie wegen des Seuchenschutzgesetzes in eine dreimonatige Quarantäne. Durch eine Sonderregel dürfe man mit den Tieren aber zumindest Gassi gehen, sagt Keil. Dabei sei es wichtig, dass diese keinen Kontakt zu anderen Hunden haben. In der Pflegestelle selbst sei es wiederum kein Problem, wenn dort auch andere Hunde leben: „So lange diese durchgeimpft sind.“

Drei Hunde hat das Karlsruher Tierheim bislang in Pflegestellen unterbringen können. Neben Luna sind momentan noch drei andere Hunde im Daxlander Heim untergebracht: Nyschka, Cisze und Jack.

Die Tiere sind meist verängstigt und traumatisiert

Besonders Mischling Nyschka ist sehr verängstigt. „Wir haben uns aber schon ein bisschen angefreundet“, sagt Keil und krault den Hund am Kopf. Wie die anderen Tiere kam Nyschka bei der Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe an und wurde von dort direkt ins Tierheim gebracht. In den Flüchtlingsstellen dürfen die Tiere nicht bleiben. Laut Keil spielen sich teils dramatische Szenen ab, wenn Mensch und Tiere dort voneinander getrennt werden.

Hündin Luna musste direkt nach ihrer Ankunft notoperiert werden. „Sie wurde vermutlich von einer Katze beim Transport attackiert“, sagt Keil. Luna hatte eine Augenentzündung und zwei Abszesse am Hals. Nach Keils Einschätzung ist Luna schwer traumatisiert, „sie lässt sich auch nicht streicheln“.

Neben den Hunden bietet das Tierheim momentan noch den beiden ukrainischen Katzen Mona und Kitty vorübergehend Zuflucht. Die Ratte mit dem Namen Rose springt munter in einem Käfig umher. „Sie gehört einem geflüchteten Mädchen“, so viel weiß Keil. Sonst sind die Herrchen und Frauchen der geflüchteten Tiere nicht bekannt.

Welche Voraussetzung muss man mitbringen, um einem der Tiere ein Zuhause auf Zeit zu bieten? „Man muss sich bewusst sein, dass diese Tiere ängstlich sind“, sagt Keil. Auch müsse man sich darauf einstellen, dass die Tiere „eventuell länger bleiben“. Wie lange, könne momentan niemand sagen.

Die Tierheimleiterin ist nicht glücklich darüber, dass Menschen und Tiere nach einer sicherlich traumatischen Flucht nicht zusammen bleiben können. „Es gibt sicherlich auch Leute, die bereit sind, Menschen und Tiere gemeinsam bei sich aufzunehmen“, vermutet Keil. Eine solche Liste zu verwalten, sei aber ein enormer logistischer Aufwand.

Die nächsten Hunde sind schon auf dem Weg

Das Tierheim selbst kommt in diesen Tagen an seine Kapazitätsgrenzen. Die nächsten beiden Hunde wurden bereits angekündigt: „Wir haben vorhin einen Anruf erhalten“, sagt Keil. „Die Hunde müssten demnächst hier sein.“ Sie hat große Bedenken, dass es in den nächsten Wochen noch mehr Tiere werden.

Auch der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass die Tierheime zusehends an die Belastungsgrenze stoßen. Er fordert deswegen, Tiere auch in Flüchtlingsheimen unterzubringen. Außerdem müssten die Kommunen die Tierheime finanziell unterstützen.

Wer das Tierheim finanziell unterstützen möchte, kann das hier tun: IBAN: DE85 6605 0101 0009 1716 38, BIC: KARSDE66XXX

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Ihr Autor

BNN-Redakteurin Tina Mayer

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Erstellt:
10. März 2022, 19:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 08sec

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