Pfleiderer-Areal: Panne beim Artenschutz

Gernsbach (stj) – Weil ein Reptilienzaun auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal nicht fachgerecht gepflegt wurde, muss die Artenschutzprüfung im Zuge des Bebauungsplanverfahrens wiederholt werden.

Der Schutzzaun ist überwachsen und damit nicht mehr voll funktionsfähig. Zudem bieten Vegetation und kleine Schutthaufen auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal alles, was Mauereidechsen brauchen. Foto: Stefan Eisenbarth

© red

Der Schutzzaun ist überwachsen und damit nicht mehr voll funktionsfähig. Zudem bieten Vegetation und kleine Schutthaufen auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal alles, was Mauereidechsen brauchen. Foto: Stefan Eisenbarth

Bürgermeister Julian Christ bestätigt die Panne auf BT-Anfrage. Die vom Investor beauftragte Fachfirma habe den Zaun zwar sehr gut aufgebaut, es aber versäumt, darauf zu achten, dass er nicht von Vegetation überwuchert werde. Weil dies inzwischen an mehreren Stellen der Fall ist, bestehe die theoretische Möglichkeit, dass Mauereidechsen wieder auf das Grundstück eingewandert sein könnten. Die streng geschützten Tiere befinden sich derzeit in Winterruhe unter dem Boden, deshalb ist es auf dem ehemaligen Pfleiderer-Areal jetzt bis zum 1. April kommenden Jahres verboten, in nicht versiegelte Geländeoberflächen einzugreifen und diese mit schweren Fahrzeugen zu befahren. Das ist eine Anordnung der Unteren Naturschutzbehörde.

Der Bürgermeister geht trotz der Panne nicht davon aus, dass sich der Zeitplan für die Konversion des Geländes hin zum „Wörthgarten“ weiter nach hinten verschiebt. Vor dem Baubeginn wäre es ohnehin zu einer weiteren Untersuchung hinsichtlich eines möglichen Vorkommens von Eidechsen auf dem Grundstück gekommen, verweist Christ auf diese Freiwilligkeitsleistung, die nach dem angewandten Planverfahren keine Pflicht wäre: „Die Stadt Gernsbach als Trägerin der Planungshoheit sowie die Krause-Gruppe als verantwortlicher Projektträger werden sicherstellen, dass die arten- und naturschutzrechtlichen Vorgaben vor Baubeginn eingehalten sind und in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde frühzeitig die erforderlichen Vorkehrungen treffen. Im Übrigen verweisen wir auf die umfassenden und sehr kostenintensiven Maßnahmen in diesem Bereich, die von der Krause-Gruppe bisher getätigt wurden.“ Der Bürgermeister betont außerdem, dass die Stadt die Panne beim Artenschutz weder zu verantworten noch zu bezahlen habe.

Hochwasserschutz: Lösung zeichnet sich ab

Voran komme man im „Wörthgarten“ auch was die komplexe Aufgabenstellung beim Hochwasserschutz anbelangt. Diesbezüglich befinde man sich in der finalen Gesprächsphase: „Es zeichnet sich eine Lösung ab“, erläutert Christ. Der Bürgermeister rechnet fest damit, dass Bebaungplanverfahren 2021 zum Abschluss zu bringen, und kündigt an, eine zweite Offenlage durchführen zu wollen.

Ursprünglich war geplant, die Dekontaminierung des mit Chemikalien belasteten Areals bereits im zurückliegenden Sommer anzugehen, um im Frühjahr 2021 mit den Arbeiten an den neuen Gebäuden beginnen zu können. 62 Millionen Euro investiert die Krause-Gruppe (Bayreuth) eigenen Angaben zufolge, um den kontaminierten Schandfleck städtebaulich zu entwickeln und in einen Nutzungsmix aus Vollsortimenter (Edeka) und Discounter (Lidl) sowie Gewerbe, Büro, Einzelhandels- und Wohnbauflächen zu verwandeln. Allerdings muss das umstrittene Bebauungsplanverfahren nach Paragraf 13 a Baugesetzbuch (beschleunigtes Verfahren) noch zum Satzungsbeschluss geführt werden. Diesbezüglich gibt es noch einige Unwägbarkeiten, wie etwa der zu bewertende Eingriff in das FFH-Gebiet oder der Hochwasserschutz. Beides ist eng mit dem Bebauungsplan verknüpft, weshalb sich manche Beobachter die Frage stellen, ob Paragraf 13 a hier überhaupt zulässig ist. Sollte das nicht der Fall sein, dürfte noch viel Wasser die Murg hinunter fließen, ehe auf dem „Wörthgarten“ wirklich etwas passiert. Denn dann müsste es ein komplett neues Verfahren geben, bei dem auch der Artenschutz neu untersucht werden müsste. Davon geht der Bürgermeister aber nicht aus.


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.