Pfoten-Parade aus Fußballern und Vierbeinern

Baden-Baden (moe) – Profis von Zenit St. Petersburg laufen mit Welpen ein, in der Conference League macht ein vierbeiniger Flitzer sein Geschäft auf dem Rasen - der Fußball ist auf den Hund gekommen.

Drolligkeitsoffensive: Profis von Zenit St. Petersburg laufen mit Vierbeinern aus örtlichen Tierheimen auf. Foto: imago images

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Drolligkeitsoffensive: Profis von Zenit St. Petersburg laufen mit Vierbeinern aus örtlichen Tierheimen auf. Foto: imago images

In der Welt des Sports ist die Liebe zum Tier quasi allgegenwärtig: In Mannheim fliegen die Eishockey-Adler, in Chicago scharren die Basketball-Bullen mit den Hufen und in Miami schwimmen Football-Delfine. Auch der deutsche Fußball gleicht bisweilen einem zoologischen Garten: galoppierende Fohlen in Gladbach, summende Bienchen in Dortmund, staksende Störche in Kiel und zurzeit nicht ganz so laut brüllende Löwen in München. In letzter Zeit allerdings, so hat es den Anschein, sind die Kicker verstärkt auf den Hund gekommen.

Vor dem Heimspiel gegen FK Rostow starteten die Fußballer von Zenit St. Petersburg eine echte Putzigkeitsoffensive: Die Spieler des amtierenden russischen Meisters betraten den Rasen nicht wie sonst üblich mit erwartungsfrohen Einlaufkindern an der Hand, sondern mit Vierbeinern auf dem Arm. Logischerweise nicht zum Gassi gehen: Das niedliche Schauspiel war Teil einer Kampagne mit Titel „Dogs are better at home“, frei übersetzt: „Hunde brauchen ein Zuhause“. Mit der Aktion wollte der Topclub seine Fans dazu bewegen, die kleinen Fellnasen, die allesamt aus einem lokalen Tierheim stammten, zu adoptieren. Keeper und Kapitän Mikhail Kerzhakov marschierte vorneweg, seine zehn Teamkollegen samt Wauwaus folgten mit einem Grinsen auf den Lippen. Der Stadionsprecher in der Petersburger Arena verlas vor dem Anpfiff obendrein nicht nur die Namen der Zenit-Spieler, sondern auch den von Hündchen Harley und seinen zehn Fellfreunden.

Pfoten-Parade für guten Zweck

Die Pfoten-Parade sorgte durchaus für mediales Aufsehen, besonders in den sozialen Netzwerken. Auf Twitter wurde das Video des tierischen Einlaufs bereits mehrere Millionen Male angesehen. Die Verantwortlichen bei Zenit bedankten sich artig, allerdings nicht ohne den Appell: „Jetzt lasst uns ein Zuhause für diese guten Jungs und Mädels finden.“ Als Maskottchen taugten die Artgenossen von Berti Vogts, Gladbachs berühmten Fußball-Terrier indes nur bedingt. Spitzenreiter Zenit kam nicht über ein 2:2 gegen Rostow hinaus.

Ganz neu war die Idee dieses drolligen Defilees übrigens nicht: Bereits seit September spielen in Rumänien, wo es bekanntlich ziemlich große Probleme mit Straßenhunden gibt, Fußball und Tierschutz munter Doppelpässe. Der hiesige Verband hat sich des Themas sogar angenommen, um für Vierbeiner aus lokalen Tierheimen schnellstmöglich neue Frauchen und Herrchen zu finden. Woche für Woche laufen deshalb Wadlbeißer und Hunde gemeinsam aufs Feld. Bei den Fans von Dynamo Bukarest kam die Initiative derart gut an, dass die Anhänger beim ansonsten extrem hitzigen Stadtderby zugunsten des Tierwohls auf Feuerwerkskörper verzichteten – sozusagen Puppies statt Pyro.

Auch andernorts wurde ein Fiffi jüngst zum viralen Hit im Netz, nämlich beim Conference-League-Straßenfeger zwischen Partizan Belgrad und Anorthosis Famagusta. Der Höhepunkt des 1:1-Unentschiedens ereignete sich bereits vor Anpfiff: Ein streunender Hund hatte sich unverschämterweise ohne gültiges Ticket Zutritt zum Stadion verschafft, ist irgendwie auch durch den Sicherheitsring geschlüpft und schaffte es gar auf den Platz. Dort angekommen machte der vierbeinige Flitzer dann seelenruhig sein großes Geschäft auf den Rasen. Die Reaktionen im Netz ließen selbstredend nicht lange auf sich warten. Ein User schrieb etwa, der nach wie vor unbekannte Protagonist habe mit seiner Aktion „zur Qualität des Wettbewerbs beigetragen“.

Schäferhundrüde Rex beißt zu

Nicht immer jedoch enden tierische Zwischenfälle im Stadion auf derart unappetitliche, aber letztlich harmlose Art und Weise. Der Hintern von Friedel Rausch kann ein Klagelied davon singen. Am 6. September 1969 hatte Schäferhundrüde Rex seinen großen Auftritt und sorgte beim ohnehin schon mit Geschichten überfrachteten Ruhrpott-Derby zwischen Lüdenscheid-Nord und Herne-West für eine der gleichsam kuriosesten wie schmerzhaftesten Anekdoten des deutschen Fußballs.

Schlachtengemälde und definitiv kein Freudenschrei: Schalkes Friedel Rausch (Mitte) will flüchten, doch Schäferhund Rex schnappt unerbittlich zu. Foto: imago images/Horstmüller

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Schlachtengemälde und definitiv kein Freudenschrei: Schalkes Friedel Rausch (Mitte) will flüchten, doch Schäferhund Rex schnappt unerbittlich zu. Foto: imago images/Horstmüller

Zäune, Banden, Gräben – all das gab es weiland nicht in der Dortmunder Kampfbahn Rote Erde. Und so brach sich nach der Gästeführung durch Hans Pirkner das Chaos Bahn: Schalker Anhänger stürmten auswärtssiegessicher das Feld, umarmten den Schützen, tanzten auf dem Rasen und traten Löcher ins Geläuf. Bis die Ordnungskräfte die Schnauze voll hatten – und die Hunde von der Leine ließen. Die Amtsrüden schnappten in die Menge – und erwischten die Falschen. Zuerst Schalke-Profi Gerd Neuser in den Oberschenkel, dann seinen Kollegen Friedel Rausch. Mit Verve verbiss sich Schäferhund Rex im Glutaeus maximus des königsblauen Knappen. „Ein Bild für die Ewigkeit“, beschreibt Autor Lucas Vogelsang diese Szene: „Ein Schlachtengemälde, das die Jahrzehnte seither überdauert hat.“

Dortmunder Hunde, Schalker Löwen

Zur Legendenbildung hat freilich beigetragen, dass Rausch die Partie nach einer Adhoc-Tetanusspritze tatsächlich zu Ende gespielt hat. Nachdem die „tierischen Schmerzen“ (O-Ton Rausch) abgeklungen waren, konnte das Bissopfer die Chose auch mit Humor nehmen. Als Gast im Aktuellen Sportstudio antwortete Rausch einst auf die Frage von Dieter Kürten, was passiert wäre, hätte Rex nicht hinten, sondern vorne zugebissen: „Dann hätte der Schäferhund alle Zähne verloren!“

Der Biss hatte indes eine tierische Pointe: Vor dem Rückspiel Ende Januar 1970 in der Gelsenkirchener Glück-Auf-Kampfbahn warteten vier junge Löwen auf die Ankunft der Dortmunder. S04-Präsident Günter Siebert hatte sich die Könige der Tiere aus dem Zoo Westerholt ausgeliehen, garniert mit dem Hinweis: „Was den Dortmundern die Schäferhunde, das sind Schalkern die Löwen.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Moritz Hirn

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Erstellt:
23. Dezember 2021, 10:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 35sec

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