Philharmonie: Erstes Finalkonzert um Dirigentenstelle

Baden-Baden (hjb) – Timo Handschuh machte den Auftakt: Der erste Bewerber um die Stelle des Chefdirigenten bei der Philharmonie Baden-Baden zeigte am Mittwoch sein Können.

Timo Handschuh ist derzeit Generalmusikdirektor der Stadt Ulm. Nun bewirbt er sich um die Nachfolge von Pavel Baleff. Foto: Regine Landauer

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Timo Handschuh ist derzeit Generalmusikdirektor der Stadt Ulm. Nun bewirbt er sich um die Nachfolge von Pavel Baleff. Foto: Regine Landauer

Das erste Finalkonzert der Bewerberrunde um die Dirigentenstelle bei der Philharmonie Baden-Baden hat am Mittwoch stattgefunden. Unter der Leitung von Timo Handschuh, derzeit Generalmusikdirektor der Stadt Ulm, spielte das Orchester im Weinbrennersaal des Kurhauses Baden-Baden, freilich ohne Zuhörer vor Ort. Zum Glück ist es möglich gewesen, gestern über Streaming dabei zu sein; die Philharmonie zeichnete das Konzert auf. Ein paar Takte im Forte konnte man gleichwohl vor der Tür unter den Kolonnaden erlauschen.

Dies ist auch ein schöner Ort das Streaming-Angebot wahrzunehmen. Zumal Schumanns erste Sinfonie, die Frühlingssinfonie, auf dem Programm stand. Wie Schumanns Freund Johannes Brahms konnte man dort Zigarre schmauchen und die herrliche Aussicht auf die Schlösser und die in die Frühlingslandschaft eingebettete Kurstadt genießen. Eine Impfung mit wohlgesetzten Noten mit der garantierten Nebenwirkung Lebensfreude.

Schumann passt gerade mit dieser seiner Gefährtin Clara gewidmeten in der bukolischen Tonart B-Dur gehaltenen Sinfonie gut nach Baden-Baden. Der Trompetenruf des ersten Satzes wurde inspiriert durch den Vers Böttgers: „Wende deinen Lauf, im Tale blüht der Frühling auf“.

Timo Handschuh gab eine ausführliche Einführung und erklärte die Verbindungen zu Schuberts großer Sinfonie und Beethovens Sinfonik. Genau 180 Jahre ist es übrigens her, dass Schumanns Erste uraufgeführt wurde. Zu den blühenden Tulpen und dem jungen Kastaniengrün erklang dann über das technische Medium der lichte, freundliche erste Satz voller Frühlingsnoten und lustiger Vogelgesänge.

Eine temperamentvolle und feine Deutung gelang der Philharmonie unter Handschuh bis in die triumphale Schlussgeste der letzten Akkorde. Das sanfte Lied des zweiten Satzes, eine Romanze in warmen Klangfarben hinströmend so romantisch und weitschweifend als möglich, erfreute das Gehör bis zum finalen Posaunenchoral.

Das wuchtige Scherzo à la Beethoven setzte markante Akzente mit seinem pfiffig tänzelnden Trio mit hellem Blech und Holzbläsertupfern. Das hurtige Finale endlich mit frühlingsfreudigem Überschwang erfreute. Timo Handschuh dirigierte quicklebendig.

Nicht weniger lebensfroh war das zweite Werk, russische Romantik vom Besten. Nämlich Tschaikowskis Violinkonzert. Komponiert am Genfer See und einem begabten Schüler und Freund des Meisters gewidmet. Es vereint auf kunstvolle Weise russische Melancholie und Volksmusik zugleich. Mit seinen aufwärts schwingenden Melodielinien begeistert das Konzert vom ersten Satz an. Die Geige setzte mit herbsüßem Ton des trefflichen Solisten Adrian Kratzert ein. Sehr lyrisch ist dieser groß angelegte schnelle Eröffnungssatz und sehr virtuos zugleich bis in die anspruchsvolle Kadenz der Violine.

Wie innig schließt sich sodann der langsame Satz wie ein altes russisches Volkslied an, aus Holzbläserakkorden steigt der Klagegesang der Violine auf. Endlich setzte das furiose Finale ein Fest musikalischer Lebensfreude, dem wir alle hoffentlich bald wieder persönlich beiwohnen dürfen.

Das Konzert ist online abzurufen auf der Homepage der Philharmonie.

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Erstellt:
22. April 2021, 18:52 Uhr
Lesedauer:
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