Philharmonie will wieder durchstarten

Von Henning Zorn

Baden-Baden (hez) – Nach zwei Corona-Jahren, die man insgesamt ganz gut überstanden hat, will die Philharmonie Baden-Baden wieder durchstarten. Am 31. Juli ist eine Philharmonische Parknacht geplant.

Philharmonie will wieder durchstarten

Info-Vitrine der Philharmonie: Mit zahlreichen neuen Angeboten ist das Orchester gut durch die Pandemie-Zeit gekommen. Foto: Henning Zorn

Nach zwei schwierigen Corona-Jahren, die man aber letztlich doch recht gut über die Runden gebracht hat, will die Baden-Badener Philharmonie in diesem Jahr langsam wieder mit größeren Veranstaltungen durchstarten. Darüber berichteten Orchestermanager Arndt Joosten und Dirigent Pavel Baleff gestern dem gemeinderätlichen Hauptausschuss.Eine Satzungsänderung der Friederike-Kroes-Stiftung soll der Philharmonie die Realisierung einiger besonderer Projekte ermöglichen. „Im Vergleich zu manchen anderen Kulturinstitutionen waren wir auch in den vergangenen beiden Jahren auf einem guten Weg“, betonte Joosten. Man habe fast keine Corona-Infektionen im Ensemble gehabt und trotz aller Erschwernisse doch eine ganze Menge Veranstaltungen – 55 im Jahr 2020 und 72 im Jahr danach – durchführen können.

Allerdings ein wenig Schmerz war Joosten schon anzumerken, als er sagte: „2020 hätte für uns ein neues Einnahmerekordjahr werden können!“ Doch dann kam Corona und man musste sich umstellen. So baute man verstärkt Angebote mit kleineren Ensembles – Kammer- und Repertoirekonzerte – auf.

Hinzu kamen noch andere Tätigkeiten wie etwa bezahlte Studioproduktionen, CD-Aufnahmen und die Herstellung von Videoclips zur Eigenwerbung. Etwas Besonderes war auch das Auswahlverfahren zur Entscheidung über den neuen Chefdirigenten. So wurde fast durchgehend ein Dienstbetrieb ermöglicht.

Gute Ideen gefragt

In beiden Jahren mussten allerdings immer wieder Planungen über den Haufen geworfen werden. So waren stets gute Ideen gefragt wie die Entwicklung einer neuen Reihe „Soirée philharmonique“ oder die Wandelkonzerte in der Trinkhalle. Trotz aller Schwierigkeiten gastierte das Orchester mehrfach in der Schweiz und in der Alten Oper in Frankfurt. Auf größere Eigenveranstaltungen wurde im vergangenen Jahr aufgrund der schwierigen Limitierung der verkaufsfähigen Plätze komplett verzichtet.

2022 will man schrittweise wieder Konzerte vor größerem Publikum geben, ab Ende Mai soll es fast jedes Wochenende Open-Air-Veranstaltungen geben. Bei den Besucherplätzen möchte man wieder zu 100 Prozent zurückkehren, laut Joosten aber „nicht so schnell“, denn die Leute fühlten sich doch noch nicht sicher genug bei größerem Andrang. Daher wolle man auch wieder regelmäßig im Konzertpavillon und im Wandelgang der Trinkhalle spielen, damit sich die Musikfreunde daran gewöhnen können, „wieder unter Menschen zu sein“. Am 31. Juli soll es nach der Corona-Zwangspause auch wieder eine Philharmonische Parknacht geben.

Benefiz-Veranstaltung für Ukraine

Dirigent Pavel Baleff erinnerte in der Sitzung des Hauptausschusses daran, dass er zum Ende der Spielzeit ausscheidet und dankte der Stadt für die Unterstützung des Orchesters. Er kündigte an, auch in Zukunft immer wieder einmal als Gastdirigent Konzerte mit der Philharmonie zu geben. Etwas Besonderes plane man noch für den 30. April. Dann soll es im Kurhaus eine gemeinsame Ukraine-Benefizveranstaltung von Orchester und Theater geben. Zugunsten der Philharmonie befürwortete der Hauptausschuss einstimmig eine Umwandlung der von der Stadt verwalteten Friederike-Kroes-Stiftung in eine Teilverbrauchsstiftung.

Die Stiftung wurde einst auf Basis des Nachlasses von Friederike Kroes eingerichtet. Inzwischen ist es ihr aufgrund der niedrigen Zinsen kaum noch möglich, aus den Geldanlagen ausreichende Erträge für die Philharmonie zu generieren.

Daher sollen jetzt 150.000 Euro des Stiftungsvermögens in Verbrauchsvermögen umgewandelt werden. Dies kann dann in einem Zeitraum von zehn Jahren für Zwecke der Philharmonie ausgegeben werden – aber höchstens ein Zehntel der Gesamtsumme pro Jahr. Das Orchester benötigt das Geld vor allem für größere Projekte. Dabei denkt man besonders an den geplanten Ausbau der Open-Air-Konzerte, die eine kostenintensive Bühnen- und Technikinfrastruktur erfordern. Auch das Projekt „Philharmonischer Solist“, mit dem die Philharmonie international renommierte Solisten in das Veranstaltungsgebot integrieren will, lässt sich in Zukunft nur noch mit zusätzlicher finanzieller Hilfe realisieren.