Photovoltaikanlage an Autobahn bei Unzhurst

Ottersweier (jo) – Solarbauer von der Sonne verwöhnt: An der Autobahn bei Unzhurst hat der Aufbau der Freiflächen-Photovoltaikanlage begonnen.

Hier investieren die Gemeindewerke Ottersweier: 2.056 Photovoltaikmodule werden im Laufe der Woche moniert. Foto: Joachim Eiermann

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Hier investieren die Gemeindewerke Ottersweier: 2.056 Photovoltaikmodule werden im Laufe der Woche moniert. Foto: Joachim Eiermann

Krzysztof Grocholski strahlt mit der Sonne um die Wette: „Das Wetter hier ist super.“ Ganz anders, als an seinem letzten Aufenthaltsort bei garstigen Bedingungen und Außentemperaturen von bis zu minus 18 Grad. Doch der polnische Monteur ist nicht auf Urlaub am Oberrhein. Zusammen mit fünf Landsleuten baut er die Freiflächen-Photovoltaikanlage an der Autobahn bei Unzhurst auf.

Auf dem 1,1 Hektar großen Eckgrundstück südlich der Acherner Straße (L87a) düst in geringem Abstand der Verkehr vorbei. Am Donnerstag fing der kleine Bautrupp damit an, die Metallprofile in den von Regen und Schnee aufgeweichten Wiesenboden zu rammen. An den Pfosten wurden die Trägerkonstruktion angeschraubt und die Schienen für die Solarmodule befestigt. Nach der Pflicht folgt jetzt gewissermaßen die Kür: Seit Samstag werden die Kästen mit den Siliziumzellen montiert, die aus Sonnenlicht umweltfreundlichen Strom erzeugen, 2.056 Module an der Zahl.

Lokaler Beitrag zur Energiewende

Künftiger Anlagebetreiber ist die Gemeinde Ottersweier, genauer gesagt deren Tochterbetrieb: die Gemeindewerke. Bei einer Gesamtleistung von bis zu 750 Kilowattpeak wird mit einer jährlichen Strommenge von 765.000 Kilowattstunden gerechnet. Damit setzt die Kommune ihren eingeschlagenen Weg, mit eigenen, lokalen Projekten zur Energiewende beizutragen, konsequent fort. Nach positiven Erfahrungen mit der Installation von drei Photovoltaikanlagen auf den Dächern zweier Hallen und eines Kindergartens wagte der Gemeinderat den großen Wurf. Alles in allem fließen rund 550.000 Euro Investitionsmittel in dieses Projekt, das sich langfristig auch wirtschaftlich für die Gemeinde rentieren soll. Vorausgesetzt die Sonne scheint in dem Maße, wie in den angestellten Berechnungen zugrunde gelegt.

Auf diesem Wiesengrundstück an der A5 entsteht eine Photovoltaikanlage. Fots: Joachim Eiermann

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Auf diesem Wiesengrundstück an der A5 entsteht eine Photovoltaikanlage. Fots: Joachim Eiermann

Sonne kann auch Krzysztof Grocholski bestens gebrauchen. Er freut sich über die frühlingshaften Wetterprognosen und damit guten Arbeitsbedingungen für die nächsten Tage. So sieht es ganz danach aus, als blieben er und seine Kollegen auf dieser Solarbaustelle von Regen, Schnee und Eiseskälte verschont. Sie haben Quartier in einem örtlichen Gasthaus bezogen. Morgens um sieben Uhr geht es zur Arbeit. Die Tageshelligkeit ausnutzend, kehren sie erst nach Einbruch der Dämmerung zu ihrer Unterkunft zurück. Bis Freitag wollen sie die letzte Paneele aufgestellt und das Areal mit Maschendraht umzäunt haben.

Netzanschluss bis zum 1. Mai

Danach wird der Ravensburger Solarspezialist Solmotion project als Auftragnehmer die Anlage betriebsbereit an die Gemeinde übergeben. Bis sie auch in Betrieb gehen kann, werden aber noch viele Kilowatt Sonnenstrom nutzlos verpuffen. Denn für die Einspeisung ins Netz bedarf es zusätzlich einer Trafo- und Übergabestation, welche die Syna GmbH anschließend errichten wird. Bürgermeister Jürgen Pfetzer peilt einen Netzanschluss bis zum 1. Mai an.

Eigentlich sollte der Solarpark schon längst in Betrieb sein. Ursprünglich war vorgesehen, die Sonnenstromproduktion im Jahr 2020 aufzunehmen, um von einer höheren Einspeisevergütung profitieren zu können. Im Frühjahr 2019 schien alles klar, doch kam es anders als gedacht. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass uns das Bebauungsplanverfahren verhagelt wird“, beklagte Bürgermeister Jürgen Pfetzer in einer Ratssitzung im Oktober rückblickend die lange Hängepartie. So hatte sich die Gemeinde mehrerer Behördenauflagen erwehren müssen. Die Bedenken kamen vor allem aus dem Regierungspräsidium Karlsruhe, insbesondere dem für Autobahnen zuständigen Fachbereich Straßenwesen und Verkehr. Dass nun ein 40 Meter breiter Wiesenstreifen des Grundstücks zur A5 hin energetisch ungenutzt bleibt, ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen. Geplant war ein geringerer Abstand zum Verkehr.

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Erstellt:
22. Februar 2021, 10:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

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