Pilotprojekt im Murgtal startet am 1. Juli

Murgtal (tom) – Am 1. Juli geht es los mit dem Projekt eWayBW auf der B462. Dies hat das Verkehrsministerium Stuttgart auf BT-Anfrage bestätigt.

Die Arbeiten an der Brücke über die Murg sollen am 11. Juni abgeschlossen sein. Foto: Lukas Gangl

© galu

Die Arbeiten an der Brücke über die Murg sollen am 11. Juni abgeschlossen sein. Foto: Lukas Gangl

Der für drei Jahre geplante Regelbetrieb mit den Speditionen Fahrner und Huettemann könnte eventuell erstmal nur mit einem Lkw starten.

Denn Lkw-Hersteller Scania, von dem die Testfahrzeuge kommen, habe Lieferverzögerungen. Spätestens Ende August dieses Jahres sollen nach derzeitigem Stand aber alle fünf geplanten Oberleitungs-Hybrid-Lkw (OH-Lkw) zum Einsatz kommen können.

Es ist nicht die erste Verzögerung bei dem Projekt. Es sollte eigentlich schon 2020 beginnen. Derzeit wird an der Strecke noch gearbeitet. Der Abschluss im Abschnitt der L77 Kuppenheim bis zur L67 Industriegebiet Kuppenheim verlängert sich voraussichtlich zum 11. Juni. „Es sind Nacharbeiten an den Oberleitungs-Masten an der Murgbrücke erforderlich“, meldete das Regierungspräsidium Karlsruhe, „die Lage der Betonkonsolen zwischen Pfeiler und Stahlkonsole muss nachjustiert werden, da es zwischen den Bauplänen der Brücke und ihrem Ist-Zustand Abweichungen gibt.“ Durch die Verzögerung kommt es zu einer Überschneidung mit der Baumaßnahme in der Ortsdurchfahrt in Kuppenheim. In den nun zu Ende gehenden Pfingstferien habe es keine nennenswerten Behinderungen gegeben. Auch die beiden Anschlussstellen sind weiterhin befahrbar. Auf BT-Anfrage betont das Ministerium darüber hinaus, dass Corona zu verspäteten Materiallieferungen und Personalausfällen geführt habe. Auch das regenreiche Frühjahr hatte Einfluss: Das aufgeweichte Murgvorland war für die schweren Baufahrzeuge nicht befahrbar.

Nach dem 11. Juni sollen die Fahrbahnen wieder komplett freigegeben werden. Es werde allerdings ab Mitte Juni noch kurzfristige Sperrungen des jeweils rechten Fahrstreifens geben, um die Strommastenanlage ordnungsgemäß in Betrieb nehmen zu können – sprich mit Strom zu versorgen.

Durch den Testbetrieb zwischen den Logistikhallen in Kuppenheim und den Papierfabriken in Gernsbach werde es keine zusätzlichen Fahrten auf der Bundesstraße geben, versichert das Ministerium. Schließlich werden Güter auf die Straße gebracht, die ohnehin im 24-Stunden-Pendel-Dauerbetrieb das ganze Jahr über transportiert werden.

Vergleich der Antriebsformen

EWayBW ist ein dreijähriges Pilotprojekt zur Erforschung von elektrisch betriebenen Oberleitungs-Hybrid-Lkw. Auf der B462 zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot werden zwei Abschnitte elektrifiziert. Diese Technologie ist als „eHighway“ bekannt. Da das Pilotprojekt jedoch nicht auf einer Autobahn („Highway“), stattfindet, wurde das „High“ gestrichen. „BW“ steht für Baden-Württemberg.

Anders als bei anderen Projekten, wo lediglich zehn Fahrten pro Tag absolviert werden, laufe der Realbetrieb im Murgtal als Shuttle zwischen den Papierfabriken in Obertsrot und dem Logistikzentrum in Kuppenheim 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr: täglich 128 Fahrten, was über zehn Prozent des durchschnittlichen täglichen Lkw-Verkehrs auf der B 462 bedeuten, so das Landesverkehrsministerium. Von 18 Kilometern sind etwa vier elektrifiziert worden, verteilt auf zwei Abschnitte.

Neben den ursprünglich vorgesehenen fünf OH-Lkw (mit Diesel und Elektroantrieb) werden ein reiner Elektro-Lkw der Daimler Truck AG, ein Wasserstoff-/Brennstoffzellen-Lkw von Iveco sowie ein vom Land aufgebauter Oberleitungs-Elektro-Lkw eingesetzt.

Außerdem werden temporär synthetische Kraftstoffe im OH-Lkw verwendet. Dieser Test mache einen Vergleich von alternativen Antriebsformen unter realen Bedingungen möglich. Verbesserungen bei Lärmschutz und Emissionen sind Teil der wissenschaftlichen Begleituntersuchungen.

Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich auf insgesamt rund 28 Millionen Euro – inklusive Planung, Genehmigung, Bau der Oberleitungen und wissenschaftliche Begleitforschung. Mit 26,4 Millionen Euro übernimmt das Bundesumweltministerium mit dem Förderprogramm „Erneuerbar Mobil“ einen Großteil. Der Eigenanteil des Landes beträgt rund 1,6 Millionen Euro.

Offizieller Projektstart war am 11. September 2017 mit Übergabe des Förderbescheids. Baubeginn der Anlage war im Juni 2020. Nach Ende des dreijährigen Realbetriebs im Juni 2024 soll die Anlage rückgebaut werden, „sofern sich kein weiteres Betriebskonzept ergibt“. Im Falle eines geplanten Weiterbetriebs hat das Land ein Planfeststellungsverfahren zugesagt – denn das Projekt ist nach wie vor umstritten.

Weiterer Bericht zum Thema.

Zur Informationsseite des Verkehrsministeriums geht es hier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

Zum Artikel

Erstellt:
4. Juni 2021, 21:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 52sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.