Pilz lässt Platanenblätter fallen

Baden-Baden (vn) – Herbststimmung im Juni: Apiognomonia veneta sorgt zwar für Alarmmeldungen in mehreren Kommunen, bringt die Platanen aber nicht um.

Lichtes Grün statt dichtes Blätterdach: In Rastatt stößt man an einigen Stellen auf solche Bäume.Foto: Stadt Rastatt

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Lichtes Grün statt dichtes Blätterdach: In Rastatt stößt man an einigen Stellen auf solche Bäume.Foto: Stadt Rastatt

Platanen sind ein fester Bestandteil des innerstädtischen Grüns im Südwesten. Doch vielerorts erkennt man beim Blick in die Baumkronen derzeit braune Blätter und herabhängende Triebe, während das schon abgeworfene Laub wie im Herbst auf dem Boden raschelt. Verantwortlich dafür ist ein Pilz mit einem schwer auszusprechendem Namen: Apiognomonia veneta.
Alarmmeldungen gibt es seit Jahren immer mal wieder, aktuell aus Berlin, aber auch aus Tübingen, Konstanz und Ettlingen, um nur wenige Beispiele zu nennen. Die Krankheit hat viele Namen: Blattbräune, Zweigkrebs, Platanenkrebs oder Platanenwelke. Die gute Nachricht: „Der Pilz bringt die Bäume nicht um, er schwächt sie“, weiß Stefan Ruge, Professor für Botanik und Waldbau-Grundlagen an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. „Mithilfe der Blätter, die später austreiben, überleben die Bäume.“ Für Menschen ist der Pilz ungefährlich. „Es könnte nur zur Reizung der Schleimhäute kommen, wenn das Laub wie etwa beim Fegen aufgewirbelt wird“, erklärt der Naturschutzbund NABU.

Auch trockene Jahre sorgen für Probleme

In Baden-Baden tritt die Platanenwelke seit einigen Jahren auf. „In diesem Jahr sind die Folgen besonders augenfällig, da die Platanen bedingt durch die kalte Witterung in den Monaten April und Mai sehr spät und zum Teil nur mit kleinem Laub ausgetrieben haben, sodass die welken Erscheinungen besonders stark sichtbar werden“, erläutert Markus Brunsing, Leiter des städtischen Fachgebiets Park und Garten.

In Bühl sind hingegen offenbar noch keine Fälle bekannt. Stadt-Pressesprecher Matthias Buschert: „Der zur Zeit schwache beziehungsweise verzögerte Austrieb der Blätter und das lichte Erscheinungsbild sind die Folge der trockenen Jahre sowie Kälteschäden.“

In Rastatt habe der Pilz mit dazu beigetragen, dass die Platanen schwächer belaubt sind. „Das feuchte Frühjahr hat die Ausbreitung des Pilzes begünstigt“, sagt Pressesprecherin Heike Dießelberg. Besonders auffällig sind Bereiche im Münchfeld sowie in Ottersdorf und Niederbühl. Aber auch in den anderen Stadtbereichen sei ein Pilzbefall zu beobachten.

In Gaggenau wiederum ist aktuell kein Fall bekannt, sagt Pressesprecherin Judith Feuerer. Allerdings seien „Hitze, Trockenheit, Versiegelung und Schnittmaßnahmen“ ein immer größeres Problem für die Platanen. Buschert führt noch Trittbelastung und Baustellen als weitere Gefahren an.

Platanen prägen den öffentlichen Raum, in Baden-Baden zum Beispiel den Kurbereich in der Innenstadt, die Rheinstraße in der Weststadt und den Stadtteil Oos, wie Fachmann Brunsing erläutert. Allerdings würden seit einigen Jahren kaum noch neue Platanen gepflanzt. In Bühl ist das genauso: „Da unser Platanenbestand älter ist, kommen diese Bäume bisher mit der Situation zurecht“, weiß Buschert.

Regelmäßige Kontrollen auf Massaria

Die Zurückhaltung hat unter anderem mit Massaria zu tun. Das ist ebenfalls eine Pilzkrankheit, die vor allem ältere Platanen befällt. Erstmals 2003 in Deutschland nachgewiesen, kann sie heute ein erhebliches Problem für die Verkehrssicherheit und die Baumpflege darstellen. Die Bühler Platanen leiden teilweise unter einer Massaria-Infektion, vereinzelt treten auch Blattwanzen und Gallmilben auf, „allerdings ohne Schaden an den Bäumen anzurichten“, schränkt Pressesprecher Buschert ein.

Eine Kontrolle der Platanen muss in allen Städten mit Blick auf Massaria regelmäßig durchgeführt werden. Gegen Apiognomonia veneta könne man nichts unternehmen, da sind sich alle einig.

Dies gilt auch für einen weiteren Pilz mit dem klangvollen Namen Zottiger Schillerporling. Er lässt sich häufig in alten Astungswunden nieder und wird dort als schwarzer Pilzfruchtkörper sichtbar. In Gaggenau hat man ihn gesichtet. Judith Feuerer sagt aber: „Er ist für die Gattung recht häufig, relativ unbedenklich und wird von der Platane sehr gut kompensiert.“

Ihr Autor

BT-Redakteur Volker Neuwald

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Erstellt:
18. Juni 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 45sec

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