Pippi Langstrumpf feiert 75. Geburtstag

Stockholm (fh) – Sie ist das stärkste Mädchen der Welt und begeisterte Millionen Kinder mit ihren Abenteuern. Nun feiert Pippi Langstrumpf, die wohl berühmteste Romanfigur von Astrid Lindgren, ihren 75. Geburtstag.

Inger Nilsson spielt die Titelheldin in den Filmen. Immer mit dabei: Äffchen Herr Nilsson. Foto: Studio 100 media/ZDF

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Inger Nilsson spielt die Titelheldin in den Filmen. Immer mit dabei: Äffchen Herr Nilsson. Foto: Studio 100 media/ZDF

Sie hat ein Haus, die Villa Kunterbunt, ein Äffchen und ein Pferd namens Herr Nilsson und Kleiner Onkel – und Millionen Kinder hat das starke, unabhängige Mädchen mit den roten Zöpfen und den bunten Strümpfen vermutlich schon ihr „Einmaleins“ von Freiheit, Fantasie und Freundschaft gelehrt. „Wenn wir nicht wollen, brauchen wir nicht erwachsen zu werden,“ sagt Pippi Langstrumpf. Nun ist die berühmte Romanfigur aus der Feder von Astrid Lindgren 75 Jahre alt. Ihr Geburtstag wird am 21. Mai gefeiert, zusammen mit dem von Lindgrens Tochter Karin Nyman (1934).

Riesenkräfte und Koffer voller Gold

Ein Paar Füße in ausgelatschten Schuhen, die gemütlich auf einem Kopfkissen ruhen, das ist das Erste, was die Geschwister Tommy und Annika von ihrer neuen Nachbarin zu sehen bekommen. Sie wollen nachsehen, ob es stimmt, dass in der Villa Kunterbunt ein merkwürdiges Mädchen eingezogen ist.
Gesellschaft leisten ihr dort Herr Nilsson, der niedliche Affe, und das Pferd Kleiner Onkel. Ihr Vater Efraim Langstrumpf ist König von Taka-Tuka-Land und Kapitän der „Hoppetosse“. Und ihre Mutter ist im Himmel.

Pippi (Inger Nilsson, r.) lässt ihre Kräfte spielen. Tommy (Pär Sundberg, M.) und Annika (Maria Persson, l.) schauen überrascht zu. Foto: Studio 100 media/ZDF

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Pippi (Inger Nilsson, r.) lässt ihre Kräfte spielen. Tommy (Pär Sundberg, M.) und Annika (Maria Persson, l.) schauen überrascht zu. Foto: Studio 100 media/ZDF

Aber wozu braucht Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf Eltern? Sie kommt allein klar. Ausgerüstet mit einem Koffer voller Goldstücke und Riesenkräften, kann ihr niemand etwas tun – weder die Polizisten, die sie verhaften wollen, noch die beiden Gauner, die hinter Pippis Gold her sind. Wer kann einem schon etwas anhaben, wenn man wie Pippi ein ganzes Pferd und mehr stemmen kann?

Astrid Lindgren schreibt für ihre Tochter Karin

Es war kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, als sich Astrid Lindgren diese starke Neunjährige ausgedacht hat – spontan, an einem Abend als Tochter Karin krank im Bett lag und eine Geschichte hören wollte. „Erzähl mir von Pippi Langstrumpf“, soll Karin gesagt haben, die sich den Namen selbst ausgedacht hat. Ihre Mutter legte los, erzählte erst und schrieb dann auf.

Eigentlich sollte das Manuskript ein Geschenk für ihre Tochter werden. Zusätzlich schickte Lindgren es auch an einen Verlag, der jedoch ablehnte. Im Anschreiben stand: „In der Hoffnung, dass Sie nicht das Jugendamt alarmieren.“ Astrid Lindgren glaubte weiterhin an „Pippi Langstrumpf“, reichte eine überarbeitete Version bei einem Schreibwettbewerb ein und gewann.

Das Buch mit den schwedischen Original-Illustrationen. Foto: Oetinger-Verlag

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Das Buch mit den schwedischen Original-Illustrationen. Foto: Oetinger-Verlag

Als 1945 das erste Pippi-Langstrumpf-Buch in Schweden erschien, wurde es schnell zum Bestseller, schreibt der deutsche Oetinger-Verlag in einer Pressemitteilung zum Jubiläum. Bis 1948 waren drei Bände fertig, es folgten drei Kurzgeschichten und eine Reihe von Bilderbüchern. Ein Jahr später holte der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger „Pippi Langstrumpf“ nach Deutschland. Der Mitteilung zufolge verband Astrid Lindgren und die Familie Oetinger fortan eine Freundschaft. Im Herbst 1949 kam das erste Buch dann auf den deutschen Markt: 207 Seiten für 2,80 Mark.

„Pippi Langstrumpf“ ist im deutschsprachigen Raum so beliebt wie nirgendwo. Rund 8,6 Millionen Exemplare wurden in Deutschland, Österreich und der Schweiz laut Oetinger Verlag verkauft. In der DDR sind die Bücher mit der frechen Heldin jedoch über Jahrzehnte verboten. Der Regierung war das schwedische Mädchen zu anarchisch. Erst ab 1975 gab es die Geschichten aus der Villa Kunterbunt auch im Osten – allerdings zensiert und gekürzt.

Filmaffe Herr Nilsson nicht dressiert

1949 wurde Pippi Langstrumpf erstmals verfilmt – aber Astrid Lindgren gefiel das Ergebnis nicht. Vielleicht hat sie darum später die Drehbücher für insgesamt vier Spielfilme und eine 21-teilige Fernsehserie selbst geschrieben, die im ZDF ab 1991 ausgestrahlt wurden, schreibt der Sender.

Ab 1968 entstanden die „Pippi Langstrumpf“-Filme mit der damals neunjähringen Inger Nilsson in der Hauptrolle. Die Villa Kunterbunt befand sich damals auf einem Truppenübungsplatz des Militärs auf Gotland. Der Filmaffe Herr Nilsson war nicht dressiert und riss der Hauptdarstellerin bei den Dreharbeiten immer wieder die Perücke vom Kopf oder pinkelte ihr auf die Schulter.

Szene aus dem Spielfilm „Astrid“, den das ZDF an an Christi Himmelfahrt um 20.15 Uhr zeigt. Foto: Molberg-Hansen/ZDF

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Szene aus dem Spielfilm „Astrid“, den das ZDF an an Christi Himmelfahrt um 20.15 Uhr zeigt. Foto: Molberg-Hansen/ZDF

Anlässlich des 75. Geburtstages von Pippi Langstrumpf senden ZDF und ZDFneo an Christi Himmelfahrt, 21. Mai, jeweils zwei der insgesamt vier Pippi-Langstrumpf-Filme. Um 20.15 Uhr zeigt das ZDF den Spielfilm „Astrid“ als Free-TV-Premiere, das Biopic der weltbekannten Kinderbuchautorin über ihre Zeit als Mädchen und junge Frau. Die Filme des „Astrid Lindgren“-Programms stehen jeweils direkt nach der Ausstrahlung in der ZDF-Mediathek zur Verfügung.

Briefmarke zum Jubiläum

Der Oetinger-Verlag hat Wissenswertes rund um das Geburtstagskind zusammengestellt. Sieben kurze Fun Facts:

- Pippi Langstrumpf heißt in Vietnam Pippi Tat Dai, in Polen Fizia Pónczoszanka, in Frankreich Fifi Brindacier oder Pippi Longstocking in den USA.

- Der Name von Kapitän Langstrumpfs Schiff „Hoppetosse“ bedeutet im Schwedischen „widerspenstiges Mädchen“.

- Die Villa Kunterbunt aus den Filmen befindet sich heute im Freizeitpark Kneippbyn bei Visby auf Gotland.

- In Deutschland gibt es zum Jubiläumsjahr eine 80-Cent-Briefmarke mit Pippi Langstrumpf.

- Pippis Vater und Mr. Spock haben die gleiche deutsche Synchronstimme (Herbert Weicker).

- Fräulein Prysselius kommt nur in den Filmen, nicht in den Büchern vor. Sie wurde mit einer deutschen Schauspielerin besetzt, die ihre Kostüme selber nähte und beim Dreh nicht immer ganz nüchtern war. Die Einbrecher wurden ebenfalls von deutschen Schauspielern gespielt.

- Anfang der 80er Jahre wurden Pippi-Filme in Schweden zeitweise verboten. Die Begründung: zu viele Gewaltszenen und eine „verkehrte“ Weltanschauung.

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Erstellt:
21. Mai 2020, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 38sec

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