„Piraten in Batavia“ nach Brand wiedereröffnet

Rust (for) – Die Piraten sind zurück: Rund zwei Jahre nach dem verheerenden Brand im Europa-Park in Rust wurde am Dienstag die wiederaufgebaute Indoor-Attraktion „Piraten in Batavia“ wiedereröffnet.

Roland Mack hat die wiederaufgebaute Piraten-Bahn am Dienstag im Themenbereich Holland eingeweiht.  Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

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Roland Mack hat die wiederaufgebaute Piraten-Bahn am Dienstag im Themenbereich Holland eingeweiht. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa

Es war am Samstag, 26. Mai 2018, als plötzlich dichte Rauchwolken über Deutschlands größtem Freizeitpark in Rust aufstiegen. Ein technischer Defekt hatte damals einen Großbrand im Europa-Park ausgelöst, das Feuer verbreitete sich rasch und griff auf die Themenbereiche Holland und Skandinavien über. Die Indoor-Attraktion „Piraten in Batavia“ traf es besonders hart: Sie fiel den Flammen zum Opfer und wurde komplett zerstört. Am Dienstag, rund zwei Jahre nach der Katastrophe, feierten die Piraten ihr Comeback – in einer modernisierten Version, die aber noch immer stark an die alte Bahn erinnert.

Viele Kindheitserinnerungen

Kanonendonner, laute Schlachtrufe, exotische Tiere und eine brennende Stadt – für viele Europa-Park-Fans war die Bootsfahrt durch die von den Piraten eroberte Stadt Batavia, der heutigen indonesischen Hauptstadt Jakarta, jahrzehntelang ein Muss. Seit 1987, als „Piraten in Batavia“ eingeweiht wurde, konnte die ganze Familie hier aufregende Kampfszenen, Schießereien und Wirtshausprügeleien erleben.

„Viele verbinden mit der Attraktion schöne Kindheitserinnerungen“, weiß Europapark-Gründer Roland Mack aus Erfahrung. Für ihn war deshalb relativ schnell klar, dass die Piraten zurückkehren müssen.

Investitionskosten: Rund 50 Millionen Euro

Rund 15.000 Europa-Park-Fans waren ähnlicher Meinung, in einer Online-Petition forderten sie den Wiederaufbau der Piraten-Bahn – mit Erfolg: Nach dem Großfeuer ist an der ursprünglichen Stelle im niederländischen Themenbereich ein 7.000 Quadratmeter großer Neubau aufgezogen worden, samt modernster Technik wie Lüftungs- und Sprinkleranlagen, Wasseraufbereitung und einer Vielzahl an Multimedia-Effekten wie Videotechnik, Beleuchtung und Duftmaschinen. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Bahn, die von der hauseigenen Firma Mack Rides in Waldkirch hergestellt wurde, auf rund 50 Millionen Euro, so die Verantwortlichen.

Brandschutz an oberster Stelle

„An oberster Stelle standen beim Wiederaufbau die Sicherheit und der Brandschutz“, betont Bauleiter Charles R. Botta. Dazu gehörten Entrauchungsanlagen, Detektoren und eine dauerhafte visuelle Überwachung. Noch immer sitze ihm der Schock bei der Erinnerung an jenen 26. Mai 2018 tief in den Knochen, sagt Roland Mack. Eine Brandszene wie früher werde es in Batavia aus gegebenem Anlass künftig nicht mehr geben. Man wolle keine bösen Erinnerungen wecken, so Roland Mack.

Hightech-Figuren mit modernster Technik

Das ist allerdings nicht die einzige Veränderung: „Batavia 2.0“ wartet mit modernster Technik und einem frischen Design auf. Rund 100 Figuren setzen die Themenfahrt in Szene. Darunter seien auch acht, die den Brand überstanden haben, verrät Geschäftsführer Jürgen Mack. Dazu gesellen sich Hightech-Figuren, viele von ihnen stammen von „Garner Holt“, „dem weltweit führenden Hersteller von Animatronics“, wie Jürgen Mack betont. Sie reichen von Piraten über Krokodile bis hin zu Affen.

Suche nach dem Feuertiger

Aufgrund der neuen Technik seien ihre Bewegungen viel runder und damit realistischer. So habe Bartholomeus van Robbemond, der Hauptcharakter, auf dem sich die Hintergrundgeschichte der neugestalteten Bahn „Piraten in Batavia“ aufbaut, rund 30 Bewegungsabläufe drauf. „Aufwendige Figuren wie er können durchaus den Wert eines Einfamilienhauses haben“, fügt Roland Mack hinzu. Bartholomeus können Besucher schon im Eingangsbereich bestaunen. Dort nimmt er die Fahrgäste in Empfang und erklärt ihnen, worum es geht. Der Abenteurer ist auf der Suche nach dem Dolch von Batavia – dem Feuertiger. Der Legende nach soll der Dolch unverwundbar machen. Die Besucher kommen mit auf eine Reise, die – anders als in der ursprünglichen Bahn – nicht in Indonesien startet, sondern in einer Piratenbar in Holland, in der ausgiebig gesungen und getrunken wird.

Moderne und Tradition verschmelzen

Neu ist auch, dass die einzelnen Szenen durch Trennwänden unterteilt sind. Dadurch sei die Akustik besser, fügt der geschäftsführende Gesellschafter Thomas Mack hinzu. Doch trotz einiger Erneuerungen habe man bewusst darauf geachtet, Traditionen beizubehalten. „Wir wollten eine Hintergrundgeschichte entwickeln, aber das Original dennoch nicht zu sehr verändern“, erläutert Michael Mack, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter beim Europa-Park. Deshalb habe man sich beim Wiederaufbau stark an der Urversion von Ulrich Damrau, dem ehemaligen gedanklichen Schöpfer der „Piraten in Batavia“ orientiert. Noch immer tauchen Fahrgäste während einer Bootsfahrt in die Zeit der niederländischen Kolonialisierung des heutigen Indonesiens im 17. und 18. Jahrhundert ein. Und noch immer können sie am Ende der Fahrt ihre Eindrücke im wiederaufgebauten Restaurant „Bamboe Baai“ Revue passieren lassen.


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