Pläne für Sperrung lösen Protestwelle aus

Baden-Baden (BNN) – Die vom Regierungspräsidium Karlsruhe geplante ganzjährige Sperrung der Badener Wand und der Felsenbrücke in den Battertfelsen bei Baden-Baden ist vom Tisch – zumindest vorerst.

Fulminante Rundumsicht: Von einem Plateau bei der Badener Wand in den Battertfelsen reicht der Blick in das Oostal, die Rheinebene und den Schwarzwald. Die bis zu 60 Meter hohe Formation ist deswegen bei Wanderern und Kletterern aus dem ganzen Land besonders beliebt. Foto: Anke Schöps

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Fulminante Rundumsicht: Von einem Plateau bei der Badener Wand in den Battertfelsen reicht der Blick in das Oostal, die Rheinebene und den Schwarzwald. Die bis zu 60 Meter hohe Formation ist deswegen bei Wanderern und Kletterern aus dem ganzen Land besonders beliebt. Foto: Anke Schöps

Kletterer, Wanderer und Ausflügler werden wohl aufatmen: Denn diese Ziele sind bei vielen Besuchern aus dem ganzen Land, der Pfalz und dem Elsass sehr beliebt. Sie bieten einen fulminanten Ausblick in das Oostal, auf den Schwarzwald und in die Rheinebene bis zu den Vogesen. Im Regierungspräsidium, das auch Obere Naturschutzbehörde ist, gab es Pläne, den Zugang zu diesem Teil des Kletter- und Wandergebiets ab 2022 komplett zu verbieten, weil dort Wanderfalken brüten.

Verbot: Ein Schild am Zugang zur Felsenbrücke weist während der Brutzeit der Wanderfalken auf die Sperrung hin. Foto: Albrecht Meier

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Verbot: Ein Schild am Zugang zur Felsenbrücke weist während der Brutzeit der Wanderfalken auf die Sperrung hin. Foto: Albrecht Meier

Diese Absicht löste eine breite Protestwelle aus – unter anderem in den Sozialen Netzwerken. Zudem verabschiedeten mehrere Organisationen – darunter der Deutsche Alpenverein (DAV), die Arbeitskreise Klettern und Naturschutz Battert und Nordschwarzwald, die Bergwacht sowie die Verbände Naturfreunde Baden und Württemberg – eine gemeinsame „Resolution Badener Wand“. Sie lehnen eine Vollsperrung ab und plädieren dafür, das bisherige Schutzkonzept während der Brutzeit der Falken beizubehalten.

Das Regierungspräsidium lenkt mittlerweile ein und verzichtet vorerst auf die ursprünglich geplante Vollsperrung: „Erst wenn in der gegenwärtigen und dann folgenden Brutperiode kein im Vergleich wesentlich besserer Bruterfolg an den Battertfelsen erzielt werden kann, werden wir allerdings nicht umhinkommen, ein Kletterverbot an der Badener Wand als auch einen Abbau der Felsenbrücke einzuleiten“, heißt es in der schriftlichen Antwort auf einer Anfrage unserer Redaktion.

Brut der Wanderfalken ist gefährdet

Das Regierungspräsidium möchte den Schutz der Wanderfalken an den Battertfelsen verbessern. Bislang sind Teile der Badener Wand und die Felsenbrücke während der Brutzeit gesperrt. Die Naturschutzbehörde registriere dennoch seit Jahren zunehmend Verstöße gegen dieses Verbot. Kletterer würden die Absperrung der Felsenbrücke missachten und hätten diese sogar zerstört.

Die Folge: Die Wanderfalken hätten ihre Brut abgebrochen, Eier oder Jungvögel seien abgestorben. Seit der Wiederbesiedlung der Felsen 2004 sei die Brut nur in zehn Jahren erfolgreich gewesen.

„Wir sind selbstverständlich für Naturschutz und unterstützen ihn“, sagt Uta Kollmann vom Arbeitskreis Klettern und Naturschutz Battert.

Gefährdet: Das Regierungspräsidium möchte die Population der in den Battertfelsen lebenden Wanderfalken vergrößern. Foto: Nagel/dpa

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Gefährdet: Das Regierungspräsidium möchte die Population der in den Battertfelsen lebenden Wanderfalken vergrößern. Foto: Nagel/dpa

Die Pläne zur Komplettsperrung hätten die Mitglieder regelrecht vor den Kopf gestoßen. Der Arbeitskreis setze sich seit mehr als 30 Jahren gemeinsam mit Kletterern, Behörden und Verbänden für ein naturverträgliches Klettern ein.

Dazu zähle auch der Schutz brütender Falken in den Battertfelsen. Die saisonale Sperrung hat sich Kollmann zufolge bewährt. Sie sei ein „Best Practice-Beispiel“, um Besucher in einem sensiblen Naturraum zu lenken. „Wir wollen keinen Graben zum Naturschutz“, sagt die Vorsitzende des Arbeitskreises.

Für Naturschutz sensibilisieren

Für Thomas Regenold ist eine ganzjährige Sperrung nicht nachvollziehbar. „Wir halten das für Aktionismus“, sagt der Pressesprecher der Sektion Baden-Baden/Murgtal des Deutschen Alpenvereins. Er fordert, am saisonalen Schutzkonzept festzuhalten. „Wer am Battert klettert, kennt diese Vorgaben“, sagt Regenold. Statt eines kompletten Verbots hält er es für sinnvoller, Besucher für den Naturschutz zu sensibilisieren und zu disziplinieren.

„Wir sind alle erschrocken“, kommentiert Nora Waggershauser die Pläne des Regierungspräsidiums. Die Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH weist darauf hin, dass der 2020 zum schönsten Wanderweg Deutschlands gekürte Panoramaweg durch den Battert führt. Zudem widerstrebe eine Komplettsperrung dem Welterbe-Status Baden-Badens, der neben Kultur- auch Naturgüter einbeziehe.

Das Regierungspräsidium kündigt an, mit allen Beteiligten weitere Gespräche führen zu wollen. Im Mai sei ein Runder Tisch geplant, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Zudem möchte die Obere Naturschutzbehörde ihre Öffentlichkeitsarbeit intensivieren. Information, gezielte Besucherlenkung und Kontrolle sollen dazu beizutragen, dass Kletterer und Wanderer die jetzigen Schutzvorkehrungen einhalten.

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Ihr Autor

unserem Mitarbeiter Michael Rudolphi

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Erstellt:
7. Februar 2022, 08:45 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 54sec

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