Platzverweis für Baden-Badener OB-Kandidaten

Baden-Baden (hol) – Weil er seinen Impfausweis vergessen hatte, durfte OB-Kandidat Rolf Pilarski nicht zu einer Veranstaltung im Obstgut Leisberg. Der FDP-Mann soll „pampig“ reagiert haben.

„Völliger Blödsinn“: Kandidat Rolf Pilarski weist Vorwürfe von sich. Foto: Christian Bodamer

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„Völliger Blödsinn“: Kandidat Rolf Pilarski weist Vorwürfe von sich. Foto: Christian Bodamer

Wer seine Impfbestätigung vergessen hat, der darf nicht an 3 G-Veranstaltungen teilnehmen. Das gilt auch für OB-Kandidaten. Das musste FDP-Stadtrat Rolf Pilarski am Samstag im Obstgut Leisberg erfahren.

Mit Ehefrau Carmen, einem Bekannten und der Gitarre war Pilarski zum Winteraustreiben auf das Areal des Obstguts gekommen. Er wollte sich unter die Besucher mischen. Unstrittig ist: Während seine bessere Hälfte den Impfpass vorzeigen konnte, hatte er sein Smartphone mit der elektronischen Impfbestätigung daheim vergessen. Deshalb wurde er nicht eingelassen. Höchst strittig ist es aber, wie der OB-Bewerber darauf reagiert hat.

Der 82-jährige Lars Schmalz, bei der Veranstaltung als Kontrolleur eingeteilt, bringt seine Sicht der Dinge auf Anfrage dieser Zeitung auf den Punkt: Pilarski sei „ziemlich pampig geworden“, sagt er. Der OB-Kandidat habe sich sehr unflätig über die in Deutschland geltenden Corona-Regeln geäußert und angekündigt, sich darüber beim Vorsitzenden der FDP-Landtagsfraktion, Hans-Ulrich Rülke, zu beschweren. Er werde nie mehr das Obstgut besuchen und sich dafür einsetzen, dass die Einrichtung keine öffentliche Förderung mehr bekomme.

„Das hat mich die ganze Nacht beschäftigt“

Als er Waldtraud Nölle, die Vorsitzende der Bürgermeinschaft Unterbeuern (BGU), gerufen habe, habe sich Pilarski mit ihr gestritten und auch die anwesende Bürgerbeauftragte des Landes und frühere Grünen-Stadträtin Beate Böhlen „angemacht“. Er selbst sei Duzfreund Pilarskis und treuer Parteigänger der FDP, betont Schmalz. Aber er sei geschockt über das Verhalten des Kandidaten. „Das hat mich die ganze Nacht beschäftigt.“ Nölle bestätigt: „Herr Schmalz war nach dem Vorfall völlig von der Rolle.“ Auch sie selbst habe sich von Pilarski einiges anhören müssen. Die ganze Stadt wisse doch, dass er geimpft sei. Sie mache Wahlkampf für die Grünen, habe er ihr vorgeworfen und sodann angekündigt, dass er das Obstgut künftig nicht mehr unterstützen werde.

Nölle betont, die BGU unterstütze keine Partei. Auch sie selbst habe nichts mit den Grünen zu tun. „Wir müssen uns aber an Vorschriften halten.“ Man habe einige Leute wegschicken müssen. „Die waren alle nicht begeistert“, so Nölle. Wenn die 3G-Regel gelte, gebe es aber keine Ausnahmen.

Pilarski stellt auf Nachfrage alles anders dar. „Die haben mich des Platzes verwiesen, weil ich mein Handy vergessen hatte“, bestätigt er. Er habe dann in 50 Metern Abstand ein Bier getrunken und sei danach gegangen. Er habe lediglich Zweifel darüber geäußert, ob 3G für eine Veranstaltung im Außenbereich sinnvoll sei. Einen weiteren Wortwechsel mit Schmalz oder Nölle habe es aber nicht gegeben. Die Vorwürfe, die ihm gemacht würden, seien „völliger Blödsinn. Das schwöre ich bei meiner Mutter“, beteuert er. Man wolle ihn als OB-Kandidat madig machen, „damit der Grüne Roland Kaiser die Wahl gewinnt“, vermutet er, beim Fest am Leisberg in die Mühlen des Wahlkampfs geraten zu sein.

Ihr Autor

BT-Redakteur Harald Holzmann

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Erstellt:
7. März 2022, 18:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 25sec

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