„Platzverweis“ ohne Einkaufswagen

Gaggenau (ham) – In den Aldi-Filialen im Murgtal sorgen Sicherheitskräfte dafür, dass nicht zu viele Kunden auf einmal in den Laden drängen.

Kevin Ludwig lässt nur Kunden mit einem der 50 Einkaufswagen in den Gaggenauer Aldi, um die Zahl der Personen in dem Laden begrenzen zu können. Foto: Metz

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Kevin Ludwig lässt nur Kunden mit einem der 50 Einkaufswagen in den Gaggenauer Aldi, um die Zahl der Personen in dem Laden begrenzen zu können. Foto: Metz

Die Mittfünfzigerin verzieht das Gesicht und rollt mit den Augen. „Ich will nur zwei Zigarettenpackungen holen“, beschwört sie. Doch Sicherheitsmann Kevin Ludwig kennt kein Pardon: „Sie müssen trotzdem einen Einkaufswagen nehmen!“, stellt der 26-Jährige am Eingang des Aldi-Ladens in der Gaggenauer Rindeschwenderstraße klar.
Missmutig läuft die Frau unter die Überdachung, zieht einen Einkaufswagen heraus und schiebt diesen durch die Gitterabsperrung zur Eingangstür. Auf die angebotenen Einmalhandschuhe, die am Eingang zu dem kurzen Gitterpfad hängen, verzichtet sie. „Handschuhe sind keine Pflicht“, erläutert Ludwig. Der Gaggenauer offeriert sie nur jenen explizit, die als Alibi für den Einkaufswagen-Verzicht betonen, sie wollten diesen wegen der Coronavirus-Pandemie nicht anfassen. „Kein Problem, sage ich dann. Ich habe die Lösung: Nehmen Sie die Handschuhe!“, zeigt sich der Sicherheitsmann gewitzt.

„Ich bin da, um zu deeskalieren“

Die Pflicht zum Einkaufswagen ist keine Schikane des Discounters. Seit Samstag steht Ludwig an der Absperrung und kann damit die Zahl der Kunden im Laden kontrollieren: „Wir haben 50 Einkaufswagen. Wenn alle weg sind, darf niemand mehr rein“, will Aldi Süd mit der Begrenzung genügend Abstand zwischen den Menschen schaffen und virenverbreitendes Gedrängel an den Regalen und den Kassen vermeiden.

Ludwig arbeitet sonst im Mercedes-Benz-Werk in Rastatt. Da aber dort auch die Bänder stillstehen, wollte der Gaggenauer seinen „Beitrag in der Krise leisten, auch wenn es hier nicht ungefährlich ist mit dem Virus“. Dank privater Kontakte fragte ihn eine Aldi-Mitarbeiterin, ob er sich die Aufgabe als Kurzzeit-Angestellter bei Aldi vorstellen könne. Schließlich verdingte sich der Murgtäler früher auch schon als Türsteher in Karlsruher Clubs.

Fliegender Wechsel mit Einkaufswagen klappt

Die vier Jahre lange Erfahrung von dort kommt Ludwig nun zugute. „Die meisten Leute halten Abstand. Der fliegende Wechsel mit den Einkaufswagen klappt. Ich bin da, um zu deeskalieren. Ich hatte aber auch bereits ein paar lautere Diskussionen“, erzählt er, „ich erteilte dann Platzverweise, wenn sich die Kunden uneinsichtig zeigen und ich sage: entweder so mit Einkaufswagen oder gar nicht!“ Dabei handelt es sich nicht etwa um Jugendliche, die wegen ihrer Partys in den letzten Wochen in der Kritik standen, sondern die „Problemkinder“ seien eher „zwischen 25 und 50 Jahre alt“, schätzt der Security-Mann. „Manche sind gleich angepisst. Ich steh’ da drüber“, gibt sich Ludwig gelassen und erinnert sich an seinen früheren Job als Türsteher in Karlsruher Clubs und vergleicht: „Die Leute hier sind mir lieber als die Besoffenen damals.“

Dass Aldi zu dieser Schutzmaßnahme greift, die durchaus Kunden verprellen kann, begrüßt Ludwig: „Bei Lidl habe ich die Beschränkung der Kundenzahl noch nicht gesehen und fände es gut, wenn die das auch machen würden.“

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Erstellt:
26. März 2020, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 22sec

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