Podiumsveranstaltung zu Lärm in Gaggenau

Gaggenau (ueb) – Ideen zur Verbesserung des Lärmschutzes gibt es viele. Aber auch viele Hürden. Deutlich wurde dies bei einer Podiumsveranstaltung zum Thema im Unimog-Museum am Donnerstag.

Podiumsveranstaltung zum Thema Lärm (von links): Konstantin Rost (Michelbach), Thomas Hentschel, Elke Zimmer, Iris Sutter (Rastatt-Münchfeld) und Manfred Striebich (Gaggenau-Ottenau). Foto: Dagmar Uebel

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Podiumsveranstaltung zum Thema Lärm (von links): Konstantin Rost (Michelbach), Thomas Hentschel, Elke Zimmer, Iris Sutter (Rastatt-Münchfeld) und Manfred Striebich (Gaggenau-Ottenau). Foto: Dagmar Uebel

Den Besuchern des Unimog-Museums ging es nicht darum, die Entwicklung der Mobilität im Murgtal zu bestaunen. Sie wollten erfahren, wie sich politisch Verantwortliche beim Thema einer daraus resultierenden Nebenwirkung positionieren. Denn „Lärm macht krank“ – nicht nur in Großstädten, sondern auch in Kommunen im Murgtal. Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Thomas Hentschel, hatte zu einer Podiumsveranstaltung eingeladen.

Gespannt waren die Gäste auf Elke Zimmer, die Staatssekretärin im baden-württembergischen Ministerium für Verkehr. „Ideen zur Verbesserung des Lärmschutzes gibt es viele“, sagt die Politikerin. Doch mindestens genauso hoch seien die Hürden, die europäische Richtlinien aufstellten. Obwohl Lärmschutzbeauftragte im grün-schwarz geprägten Baden-Württemberg hohe Akzeptanz genießen, klagten etwa 75 Prozent der Bevölkerung über Lärmbelästigung. In kommunalen Aktionsplänen stehen Themen wie Ausdehnung von Tempo-30-Zonen oder Grenzwerte zugelassener Beschallung zur Debatte. „Doch vielerorts sind uns derzeit noch die Hände gebunden“, so Zimmer. Trotzdem habe man schon einige Erfolge „im Ländle“ erzielen können: Die Hoffnungen auf die Landesregierung und Regelungen der neuen Bundesregierung seien derzeit groß.

Betroffene fühlen sich im Stich gelassen

Als ziemlich „im Stich gelassen“ bezeichnete Iris Sutter, die Vorsitzende der Bürgerinitiative Lärmschutz Rastatt-Münchfeld/Siedlung, die Gefühlslage der Anwohner, die seit 2008 unter massiv gestiegenem Verkehrsaufkommen leiden. Die Pläne, durch den Bau einer Querspange zwischen der B3 und der L75 Entspannung zu erzielen, lägen seit Jahren vor. Nun soll das Planfeststellungsverfahren 2023 erfolgen, der Bau 2025 begonnen und 2028 fertiggestellt werden.

Ein „langer Atem“ sei also angesagt, weiß auch Manfred Striebich, Sprecher der Initiative Lärmschutz Siedlergemeinschaft Gaggenau-Ottenau: „Unsere Initiative zu Forderungen nach Lärmschutz auf der B462, die Verlegung des Lkw-Parkplatzes am Amalienberg und die Festlegung von Tempo 30 in der Ebersteinstraße haben wir schon 2014 ins Leben gerufen.“

Trotz Flüsterasphalt und Betongleitwand habe der Lkw-Lärm in Ottenau weiter zugenommen. Der Parkplatz am Amalienberg sei zwar offiziell gesperrt, jedoch parkten dort weiterhin Laster, deren laufende Kühlaggregate die Anwohner belästigten. Die Suche nach einem Alternativstandort sei schon 2018 versprochen worden. Für die B462 fehle aber ein zukunftsweisendes Verkehrskonzept, das auch Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten für Lkw-Fahrer beinhaltet.

Forderung: Gesetze anpassen

Für Konstantin Rost, Sprecher der Michelbacher Interessengemeinschaft gegen Lärm auf der L613, standen die Ausdehnung von Tempo-30-Zonen und Lärmschutzbereichen im Vordergrund. Dabei gelte es, auch die zweifelhafte Rolle der Zubehör-Hersteller anzusprechen, die einen wie auch immer gearteten Motorensound als Verkaufsargument nutzten. Die Forderung an die Politik bliebe, Maßnahmen zu ergreifen, um dem Lärmproblem wirklich zu begegnen. Das hieße, Gesetze und Bestimmungen in Zeiten gestiegenen Verkehrsaufkommens den Gegebenheiten anzupassen, die Polizei so auszustatten, dass sie die Einhaltung der Regelungen wirksamer überwachen könne.

Zudem müsse der ÖPNV ausgebaut und mehr Transporte auf die Schiene verlagert werden. Rost verwies auf das „Tiroler Modell“, das in besonders sensiblen Gebieten ein Fahrverbot für Motorräder mit einem Standgeräusch von mehr als 95 dB(A) ausspricht. Und die Polizei legitimiert, in einfachen Nachmessungen festzustellen, ob ein Auspuff serienmäßig ist oder unzulässig nachgerüstet wurde. Da es aber in der EU keine einheitlich fixierten Grenzwerte gebe, sei das (bisher) in Deutschland kaum umsetzbar.


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