Poesie, Akrobatik und Humor bezaubern

Rastatt (fuv) – Zwei Tage und acht Vorstellungen lang war in Rastatt wieder der Geist des Straßentheaters zu spüren. „Klitzeklein“ hieß die Mini-Ausgabe des tête-à-tête.

Bei der Akrobatik von Tridiculous bleibt einem die Luft weg.Foto: Frank Vetter

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Bei der Akrobatik von Tridiculous bleibt einem die Luft weg.Foto: Frank Vetter

„Klitzeklein“ hieß die Mini-Ausgabe des tête-à-tête: vier Gruppen und Künstler, die an Freitag- und Samstagnachmittag abwechselnd im Schlossgarten und im Hof des Kulturforums auftraten.
Den Auftakt an beiden Tagen machten das Maskentheater Theatre Fragile und der in Rastatt bestens bekannte Schweizer Comedian-Humorist This Maag (wir berichteten).

Jana Korb hat ihre Wohnung mit nach Rastatt gebracht. Die Trapezkünstlerin lebt auf in ihrem Arbeitsgerät. Ein Zitat aus einer Franz-Kafka-Novelle beschreibt ihre Situation: „Eine Trapezkünstlerin hatte ihr Leben derart eingerichtet, dass sie Tag und Nacht auf dem Trapez blieb.“ Jana Korb hat Angst vor dem Boden, dort altere man, befürchtet sie. Jana auf dem Trapez, akrobatische Einlagen, viel Lebensphilosophie: „Hochzurus – Geschichten aus dem begrenzten Raum“ heißt Jana Korbs Programm.

Immer wieder lädt sie Besucher ein, auf zwei Leitern zu ihr hochzuklettern und sie in ihrem Zuhause zu besuchen. Mit ihren Gästen führt sie Dialoge über diese und jenes, lässt sie raten, welches Tier sie gerade kopfüberhängend darstelle. Die geschmeidigen, zeitlupenhaften Kunststücke und die Interaktion mit dem Publikum gehen fließend ineinander über. Jana Korbs Auftritte reihen sich in die beste tête-à-tête-Tradition aus Poesie und Aktion ein; eine bezaubernde Vorstellung

Atemberaubendes Tempo

Atemberaubendes Tempo und Musik, gepaart mit einem nicht zu knappen Schuss Humor, sind die andere Seite des Straßentheaters in Rastatt. Im Hof der Kulturforums begeisterten drei junge Männer aus Berlin, die sich Tridiculous nennen, mit diesen Elementen. Semion Bazavlouk ist Akrobat, Sänger und Gitarrist des Trios; er kann rappen, aber auch im Stil Frank Sinatras swingen. Rostyslav Hubaydulin hüpft mit einem Besenstil wie AC/DC-Gitarrist Angus Young über die Bühne oder spielt den Zuschauern Gewichtheben vor. Daneben ist er nur mit einer Hi-Hat-Maschine und einer Cajun ausgestattet. Der Drummer Ihor Yakymenko ist die Körperbeherrschung pur. Gleich zum Auftakt wickelt er sich fast schwebend um eine Vertikalstange. Später folgt die klassische Handstandakrobatik, die auch Kollege Rostyslav in bester Slapstick-Manier beherrscht. Yakymenko bläst zudem das Saxofon der Truppe. Drei hervorragende Akrobaten, die zugleich ihren eigenen Soundteppich live knüpfen und mit ihrem Humor das Publikum im Hof des Kulturforums begeistern. „Ain‘t no Sunshine“ oder „Superstition“, es groovt. Zum Finale ihrer tollen Show zeigen Tridiculous zu „Purpel Rain“ von Prince eine atemberaubende Bodenakrobatik. Das Publikum – beglückt.

Und nicht nur die Zuschauer. „Wir sind glücklich. Klitzeklein war ein voller Erfolg für die Künstler, die Zuschauer und für uns“, freute sich Kathrin Bahr, gemeinsam mit Julia von Wild künstlerische Leiterin des tête-à-tête, gestern gegenüber dem BT. Es sei ihr Anliegen gewesen, mit dem Programm die Bandbreite des Straßentheater-Festivals auch im Miniformat zu zeigen. Das ist gelungen. „Klitzeklein war super organisiert. Wir sind sehr zufrieden“, ist Bahr voll des Lobes für die städtischen Organisatoren um Christina Hernold. Die resümiert: „Es war super. Die Leute sind so gut mitgegangen, haben so eine Freude ausgestrahlt.“ Die Reaktion der Zuschauer zeige, dass es „richtig und wichtig war, diesen tête-à-tête-Testlauf durchzuziehen. Es hat geklappt.“


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