Pokalfinale: Ottenau empfängt FV Baden-Oos

Gaggenau (rap) – Spielertrainer Pantelis Kalpakoglou hofft am Samstag (16 Uhr) mit dem FV Baden-Oos auf seinen ersten Bezirkspokalsieg – doch im Endspiel wartet ausgerechnet die Spvgg Ottenau.

„Eine Minimalchance hat man im Fußball immer“: Pantelis Kalpakoglou (links), hier im Zweikampf mit Lichtentals Ismail Akgül, blickt aufs Endspiel voraus. Foto: Frank Seiter

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„Eine Minimalchance hat man im Fußball immer“: Pantelis Kalpakoglou (links), hier im Zweikampf mit Lichtentals Ismail Akgül, blickt aufs Endspiel voraus. Foto: Frank Seiter

Auch mit 44 Jahren ist man nicht zu alt für Premieren im Leben. Selbst im Fußball nicht, wo mittlerweile 30-Jährige bereits zum alten Eisen gezählt werden und dicht vor dem fußballerischen Renteneintritt stehen. Dass es aber auch anders geht, zeigt Pantelis Kalpakoglou, der mit seinen 44 Lenzen als Spielertrainer immer noch die Defensive des FV Baden-Oos dirigiert – mit großem Erfolg. „Pante“ und seine jungen Wilden stehen nach dem 4:1-Halbfinalsieg gegen den FC Lichtental im Bezirkspokalfinale. Und der Grieche hat eine ganz besondere Motivation: Erstmals in seiner langen, erfolgreichen Karriere den Pokal zu gewinnen.

„Ich bin zwar mit meinen Mannschaften oft aufgestiegen, aber zu einem Pokalsieg hat es bisher nicht gereicht“, sagt der FVO-Coach und lacht. Dabei schnupperte Kalpakoglou in der Vergangenheit schon mal an Pokalehren. 2017 stand er mit den Kurstädtern im Endspiel, zog gegen den SV Weitenung aber mit 1:2 den Kürzeren. „Nur anschauen, nicht anfassen“, lautete damals die bittere Devise nach den 90 Minuten. Die anderen feierten, er saß geknickt auf dem Rasen.

Kalpakoglou: „Wollen Endspiel genießen“

Das gleiche Schicksal könnte dem FVO – und Pantelis Kalpakoglou – auch am Samstag (16 Uhr) drohen. „Pante“ weiß das, insgeheim rechnet er sogar damit. „Ottenau“, sagt der Spielertrainer, „ist ganz klarer Favorit.“ Für viele junge Spieler seiner Truppe sei es ohnehin das erste Endspiel. Neuland also. Und überhaupt, die Sportvereinigung habe eine ganz starke Mannschaft, und „mit Alexander Merkel zudem den besten Spieler der Bezirksliga“, findet Kalpakoglou. Lohnt sich da überhaupt die Reise ins Ottenauer Murgstadion? „Wir wollen uns vor den vielen Zuschauern gut präsentieren, das Endspiel genießen, auch wenn ich die realistische Chance auf einen Pokalsieg zu bezweifeln wage“, sagt der Abwehrstratege, der dann doch ein (kleines) Aber folgen lässt: „Eine Minimalchance hat man im Fußball immer.“ Klingt verdächtig nach dem Doppelpass-Phrasenschwein, doch wenn einer weiß, welche Geschichten der Fußball schreiben kann, dann Kalpakoglou, denn niemand im Bezirk Baden-Baden jagt dem runden Leder länger hinterher als er – und hat auf den Plätzen der Region schon so ziemlich alles erlebt, was ein Fußballer erleben kann.

Rotsünder lädt zum Essen ein

Eindruck jedenfalls haben Kalpakoglou und Co. mit ihrem Halbfinal-Auftritt hinterlassen. Und zwar bei Alexander Merkel. Der Ottenauer Mittelfeldstratege ist selbst einer, der problemlos die eine oder andere Seite im Fußball-Geschichtsbuch füllen kann. Mit hitzigen Verbandsliga-Derbys, einem Aufstieg in die Oberliga, ja sogar einem DFB-Pokal-Abenteuer. Und der jetzt mit seiner zweiten Partie als Spielertrainer bereits den ersten Titel einheimsen kann. Kalpakoglou trifft auf Merkel, Trainer-Urgestein auf -Novize. „Vor allem in der ersten Halbzeit waren sie richtig gut“, resümiert Merkel, der selbst in Oos vor Ort war. „Sie haben eine wahnsinnige Dynamik im letzten Drittel, sehr schnelle Spieler, sie kommen spielerisch zu Lösungen und verfolgen unter Pante ein klares Konzept“, hebt der ehemalige Oberligaspieler die Vorzüge des Gegners vor.

Merkel ist also gewarnt, vertraut aber auf die eigenen Stärken seines Teams – und diese waren im Halbfinale gegen den FV Bad Rotenfels beeindruckend. Trotz fast 80-minütiger Unterzahl gewann die Spvgg mit 4:1. „Wir haben nach der Roten Karte als Mannschaft funktioniert. Wir haben in Unterzahl alles wegverteidigt, in der zweiten Halbzeit nicht eine Chance zugelassen. Das macht mich unheimlich stolz“, sagt der Spielertrainer. Einen positiven Nebeneffekt hatte der Platzverweis von Patrick Ebler gar, wie Merkel, der einen herrlichen Konter zum 3:1 abschloss, verriet: „Er wird uns mit einem Essen kulinarisch verwöhnen.“

Bloß kein „Drama dahoam“

Eventuell könnte daraus bereits am Samstagabend ein Champions-Dinner werden, wenn die Spvgg Ottenau ihrer Favoritenrolle (Merkel: „Wenn Pante das sagt, ist es so. Wir nehmen die Rolle an.“) gerecht wird. Dennoch drücken er und sein Co-Trainer Norman Riedinger (etwas) auf die Euphoriebremse. „Wir haben uns mega über den Sieg gefreut, aber uns sollte klar sein, dass wir noch keinen Titel gewonnen haben. Wir müssen noch einen letzten Schritt gehen – und den werden wir gehen“, ist Merkel überzeugt. Denn eins soll unbedingt vermieden werden: ein „Drama dahoam“, eine Finalpleite auf eigenem Geläuf.

So oder so, einer der beiden Granden des Fußballbezirks Baden-Baden wird am Samstag gegen 17.50 Uhr geknickt auf dem Rasen im Ottenauer Murgstadion sitzen, der andere dagegen wird die nächste Seite seiner beeindruckenden Fußball-Vita füllen – mit einem Bezirkspokalsieg.

Ihr Autor

BT-Redakteur Christian Rapp

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Erstellt:
16. Juli 2021, 09:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 3min 15sec

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