Polizei: Rollerfahrer schwer zu schnappen

Murgtal (stj) – Das Polizeirevier Gaggenau registriert eine Problem-Zunahme mit Zweiradfahrern und ist diesbezüglich derzeit sowohl in Zivil als auch in Uniform massiv im Einsatz.

Wer seinen Roller ohne gültiges Versicherungskennzeichen auf einer öffentlichen Straße in Betrieb setzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Foto: BT-Archiv

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Wer seinen Roller ohne gültiges Versicherungskennzeichen auf einer öffentlichen Straße in Betrieb setzt, muss mit einem Bußgeld rechnen. Foto: BT-Archiv

„Rollerfahrer entkommt Polizei nach Flucht vor Kontrolle“; „Rollerfahrer ohne Kennzeichen und Führerschein unterwegs“; „Rollerfahrer flüchtet vor Polizei und gefährdet Fußgänger“: Schlagzeilen wie diese sind deutschlandweit mehr oder weniger an der Tagesordnung. Im Murgtal ist das nicht anders. Besonders auffällig sind die Probleme derzeit in Gernsbach und in Gaggenau, bestätigt der erste Polizeihauptkommissar Harald Dieterle. Bei gutem Wetter waren am vergangenen Wochenende wieder viele Rollerfahrer unterwegs – nicht alle mit gültigen Versicherungskennzeichen.

Ein 16-jähriger Fahrer einer solchen Maschine ist am Samstagnachmittag mehrfach durch den Ostpreußenweg gebraust. Das ist ein fußläufiger Verbindungsweg in der Gernsbacher Innenstadt zwischen Nahkauf und Kindergarten St. Jakob. Die Gegend leidet seit geraumer Zeit unter Ansammlungen von Jugendlichen und Heranwachsenden, von denen sich einige nicht immer an Recht und Gesetz halten. In diesem Fall wollte ein Anwohner des Ostpreußenwegs, dem das Treiben zu bunt wurde, dem Rollerfahrer „auf Abwegen“ klar machen, dass es sich hier nicht um eine Rennstrecke handele, sondern um einen Fußweg.

Rollerfahrer offenbar „gut vernetzt“

Doch der 16-Jährige habe nicht auf die Versuche, ihn zur Rede zu stellen, reagiert, sei ausgewichen, habe den älteren Herren touchiert und sei zusammen mit seinem Sozius zu Fall gekommen. Der Anwohner zog sich dabei eine Handverletzung zu. Statt sich zu entschuldigen, den Mann fast über den Haufen gefahren zu haben, folgten wüste Beschimpfungen und Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen, schildert der Geschädigte dem BT. Die Polizei bestätigt den Vorfall. Sie hat den offenbar frisierten, aber nicht versicherten Roller, der obendrein in keinem guten Zustand gewesen sei, beschlagnahmt und weitere Ermittlungen aufgenommen. Der Anwohner des Ostpreußenwegs habe nicht nur Anzeige erstattet, sondern beim Ordnungsamt der Stadt Gernsbach darum gebeten, in der Gegend verstärkt tätig zu werden. „Die Zustände sind für uns Anwohner mittlerweile untragbar“, so der Betroffene.

„Die Stadt arbeitet in dieser Thematik eng mit der Polizei zusammen“, heißt es dazu aus dem Gernsbacher Rathaus: Grundsätzlich liege der fließende Verkehr nicht in der Zuständigkeit des Kommunalen Ordnungsdiensts (KOD), dieser leite aber Beobachtungen von Verkehrsverstößen an das Polizeirevier Gaggenau weiter. Der KOD kontrolliere die Jugendlichen „aber selbstverständlich im Hinblick auf Corona-Verstöße an den bekannten Problemzonen“. Zu denen gehört der Ostpreußenweg. Der wiederum wartet noch auf seine förmliche Umwidmung in einen reinen Fußweg, weil es dort immer wieder auch zu gefährlichen Situationen mit rücksichtslosen Fahrradfahrern kommt. Der dafür erforderliche Gemeinderatsbeschluss soll in der Sitzung am 26. April auf der Tagesordnung stehen, kündigt die städtische Pressestelle an. Mopeds dürfen dort allerdings schon jetzt nicht fahren, was viele Jugendliche offenbar nicht zu stören scheint.

Hinweise aus der Bevölkerung erwünscht

„Man kann davon ausgehen, dass die gut vernetzt sind“, sagt Harald Dieterle. Der Leiter des Polizeireviers Gaggenau weist im BT-Gespräch darauf hin, dass die Beamten „in Zivil und in Uniform“ derzeit viel in den beiden Murgtal-Städten unterwegs und „massiv dran“ seien, die Verstöße der Rollerfahrer gegen die Verkehrsregeln zu ahnden. Allerdings gestalte es sich „unheimlich schwierig“, die Übeltäter zu schnappen. Mit ihren kleinen, wendigen Zweirädern sind sie schnell in kleine Gassen und Nischen entwischt, wo die Polizisten mit ihren Streifenwagen nicht hinterher können. Zudem müsse man bei etwaigen Verfolgungen vor allem auch die Sicherheit weiterer Verkehrsteilnehmer im Blick behalten – und dabei die Verhältnismäßigkeit im Bezug zum Vergehen der jeweiligen Rollerfahrer.

Hilfreich wäre es, wenn entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung im Polizeirevier Gaggenau eingingen, sollten Beobachtungen gemacht werden, dass Rollerfahrer offensichtlich ohne gültiges Kennzeichen oder anderweitig verbotswidrig auf Tour seien. Glück habe man laut Dieterle bei einem Vorfall am Sonntag gehabt, als sich ein 15-Jähriger der Kontrolle der Beamten entziehen wollte. Er war gegen 16.30 Uhr in Ottenau mit einem frisierten Roller ohne gültigem Kennzeichen unterwegs. Er kollidierte beim Fluchtversuch mit der Tür eines Streifenwagens (1.200 Euro Schaden) – sein Zweirad wurde abgeschleppt und beschlagnahmt. Zudem erfolgt eine Meldung bei der Führerscheinstelle.

Polizist verletzt sich bei Verfolgungsjagd

Ein unbekannter Rollerfahrer und sein Sozius, die auf einem roten Motorroller ohne Kennzeichen in der Salmengasse unterwegs waren, flüchteten am Montagabend, als sie einen Streifenwagen des Polizeireviers Gaggenau erblickten. Der Sozius sprang gegen 20.45 Uhr vom Roller ab und flüchtete zu Fuß stadtauswärts in Richtung Gaggenau. Ein Beamter der Streife nahm zu Fuß die Verfolgung auf. Auf Höhe der Gottlieb-Klumpp-Straße stürzte der Ordnungshüter und prallte gegen ein geparktes Auto. Der Polizist zog sich Verletzungen zu und wurde zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Den beiden Unbekannten gelang letztlich die Flucht. Wer Hinweise zu dem Rollerfahrer oder seinem Sozius geben kann, wird gebeten, sich mit den ermittelnden Beamten des Polizeireviers Gaggenau unter (0 72 25) 9 88 70 in Verbindung zu setzen. Zu den beiden Flüchtigen ist laut Angaben des Polizeipräsidiums Offenburg Folgendes bekannt:

- Rollerfahrer: männlich, schlank, Jeans, helle Oberbekleidung und heller Helm.
- Sozius: männlich, normale Statur, etwa 170 bis 180 Zentimeter groß, dunkle Kleidung, schwarzer Helm mit weißem Aufkleber.


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