Polizei ermittelt im Badischen Hof in Baden-Baden

Baden-Baden (sre) – Nach dem Großbrand im Hotel Badischer Hof in Baden-Baden ermittelt die Polizei. Es besteht der Verdacht der Brandstiftung. Auch ein Brandmittelspürhund war am Freitag vor Ort.

Trügerische Idylle: Der Dreischalenbrunnen und die Fassade scheinen unversehrt, nur der Schaden am Dach ist erkennbar. Foto: Sarah Reith

© sre

Trügerische Idylle: Der Dreischalenbrunnen und die Fassade scheinen unversehrt, nur der Schaden am Dach ist erkennbar. Foto: Sarah Reith

Sieht doch noch ganz gut aus! Dieser Gedanke dürfte manchem Betrachter durch den Kopf schießen, der sich derzeit dem Badischen Hof nähert. Einen Tag nach der Brandkatastrophe war es rund um das Traditionshotel am Freitag merklich ruhiger geworden. Wer den Blick durch den idyllischen Garten oder über die fast makellose Fassade schweifen ließ, konnte leicht vergessen, wie es um Baden-Badens ältestes Grandhotel bestellt ist.

Nur am Dach waren von außen die immensen Schäden erkennbar, die der Großbrand hinterlassen hat. Wie berichtet, geht die Polizei von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Es wird wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt: Das Feuer war in der Nacht zum Donnerstag kurz vor 2.44 Uhr an zwei unterschiedlichen Stellen im Gebäude ausgebrochen. Die 154 Gäste wurden evakuiert, Verletzte gab es keine. Doch die Feuerwehr war über Stunden im Einsatz, um den Dachstuhlbrand unter Kontrolle zu bringen. Die großen Mengen an Löschwasser, die benötigt wurden, liefen durch das Gebäude bis ins Erdgeschoss – und sorgten dafür, dass das Herzstück des Hotels, der historische Klosterbau, als einsturzgefährdet eingestuft werden musste.

Dieser Bereich sei besonders betroffen, erläuterte Andrea Wetzel von der Bauordnung am Freitag. Vertreter des städtischen Fachgebiets seien gemeinsam mit Statikern vor Ort gewesen. Teile dieses Gebäudetrakts seien nach wie vor noch nicht zum Betreten freigegeben. Das Fachgebiet Bauordnung werde den Vorgang gemeinsam mit der unteren Denkmalschutzbehörde weiter begleiten. Auch die Stabsstelle Welterbe sei mit eingebunden.

Auch am Freitag sind weiterhin Einsatzkräfte vor Ort. Foto: Sarah Reith

© sre

Auch am Freitag sind weiterhin Einsatzkräfte vor Ort. Foto: Sarah Reith

Die statischen Probleme erschweren auch die polizeilichen Ermittlungen, wie Polizeipressesprecher Rüdiger Schaupp berichtete. Auch am Freitag waren noch Kriminaltechniker sowie Beamte des Landeskriminalamts vor Ort. Ein Brandmittelspürhund wurde Schaupp zufolge ebenfalls eingesetzt. Während der Begehung werde aber gemeinsam mit der Feuerwehr „fortlaufend geprüft“, welcher Bereich betreten werden könne, schilderte er die widrigen Umstände. Hinzu komme, dass die Untersuchung bei einem so großen Brandobjekt eine Sisyphusarbeit grenze und sich durchaus länger hinziehen könne. Beim Kriminalkommissariat Rastatt sei eine Ermittlungsgruppe gegründet worden, die sich mit dem Fall befasst. Das Gebäude sei wegen des Verdachts der Brandstiftung nach wie vor beschlagnahmt, erläuterte Schaupp. Es sei auch über Nacht durchgehend von verschiedenen Streifen bewacht worden.

Verkehr wird einspurig vorbeigeleitet

Mitarbeiter des Hotels hatten unterdessen am Freitagvormittag eine Art improvisierte Lobby vor dem Hoteleingang eingerichtet: Dort war ein Holztisch aufgestellt worden, Gäste konnten zum Teil ihr Gepäck abholen. Eine Mitarbeiterin berichtete, man habe einige Wertsachen und Gepäckstücke herausholen können und händige diese nun aus – aus den Bereichen des Hotels, die wieder betreten werden durften. Reservierungsmitarbeiter Dennis Schmid sagte auf telefonische Nachfrage, man plane, das Hotel zu renovieren und wieder zu eröffnen. „Die Frage ist nur, wann.“ Ein offizielles Statement vom Management oder Eigentümer, wie es nun weitergeht, wollte man bei der Betreiberkette „Precise Hotels and Resorts“ aber nicht geben. Dafür sei es noch zu früh, meinte Pressesprecherin Katrin Goetzke.

Der Bereich vor dem Gebäude wurde aus Sicherheitsgründen mit einem Bauzaun abgesichert. Der Verkehr wird laut Stadtverwaltung „bis auf Weiteres“ einspurig vorbeigeleitet. Die Anfahrt zur Wagener-Parkgarage erfolgt über die Lange Straße, die Abfahrt über die Schützenstraße. „Mit Behinderungen ist zu rechnen“, teilte die Verwaltung am Freitag mit. Ortskundige würden gebeten, den Bereich um den Badischen Hof zu umfahren.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Sarah Reith

Zum Artikel

Erstellt:
3. September 2021, 16:47 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 41sec

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.