Polizei meldet deutlich mehr Betrugsdelikte

Gaggenau (uj) – In der Kriminalstatistik, die Jörn Hinrichsen, Leiter des Polizeireviers Gaggenau, jetzt für das Murgtal vorlegte, springt eine Zahl sofort ins Auge. Die „Betrugsdelikte“ sind im Vergleich zum Vorjahr um 229 Fälle gestiegen. Das bedeutet einen Anstieg um fast 60 Prozent, genau genommen 58,7 Prozent.

Zugenommen haben im vergangenen Jahr die Sachbeschädigungen. Das Foto zeigt eine zerstörte Bank im Pionierweg Ottenau im Mai 2019. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

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Zugenommen haben im vergangenen Jahr die Sachbeschädigungen. Das Foto zeigt eine zerstörte Bank im Pionierweg Ottenau im Mai 2019. Foto: Stadtverwaltung/Archiv

Was verbirgt sich hinter den „Betrugsdelikten“? „Überwiegend handelt es sich um die Phänomene Anruf falscher Polizeibeamter, Gewinnversprechen und Enkeltrick“, berichtet Hinrichsen. Doch worauf ist diese Steigerung zurückzuführen? Durch die Öffentlichkeitsarbeit der Presse und Prävention seien Bürger zunehmen vorgewarnt und teilten dies der Polizei mit. „Gut so“, meint der Revierleiter. Der Anruf des Betrügers als solches werde überwiegend bereits als Versuch eines Betrugs gesehen und nicht mehr als straflose Vorbereitungshandlung. Deshalb sei hier eine Straftat gegeben. Es werde auch immer mehr angerufen und angezeigt.

Allein im Stadtgebiet Gaggenau wurden im vergangenen Jahr 201 und somit 170 mehr solcher Fälle als im Vorjahr gemeldet. In Gernsbach, Muggensturm und Bischweier lag dieser Anstieg jeweils bei rund 40 Fällen, in Loffenau registrierten die Beamten ein Plus von elf Fällen. Die Aufklärungsquote aller Straftaten im gesamten Revierbereich lag bei rund 60 Prozent. Deutlich zurückgegangen sind die Zahlen in verschiedenen anderen Bereichen. Sexualdelikte Minus 41,7 Prozent (25 Fälle); Körperverletzungen Minus 25,3 Prozent (73 Fälle); Gewaltkriminalität Minus 18,2 Prozent (zwölf Fälle); Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum Minus 30,1 Prozent (31 Fälle).

Aussagekräftig in der Statistik sind die sogenannten Häufigkeitszahlen, anhand derer Vergleiche zwischen Kommunen unterschiedlicher Größe möglich sind. Dabei wird das Verhältnis Bevölkerung zu den bekannten Straftaten hochgerechnet auf 100000 Einwohner. „Spitzenreiter“ ist Gernsbach mit einer Häufigkeitszahl von 4582, „Schlusslicht“ Weisenbach mit 2327 (siehe Infografik).

Insgesamt registrierte die Gaggenauer Polizei im vergangenen Jahr 2797 Straftaten, das sind 277 mehr als 2018. Die Körperverletzungen gingen um 73 auf 215 zurück, die Diebstähle um 19 auf 797. In diesem Bereich gab es im Jahr 2015 noch 910 Fälle, ein Jahr später gar 952.

Mehr Sachbeschädigungen

Die Sachbeschädigungen stiegen um 32 auf 371. Darunter sind 158 an Kraftfahrzeugen. „Im langfristigen Trend sind diese Straftaten ärgerlich und kosten unnötig Geld, sind aber nur im Vergleich zum letzten Jahr gestiegen“, betont Hinrichsen. Er verweist auch darauf, dass zusätzlich die Kommunen dazu übergegangen seien, sehr häufig Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten, wenn städtische Einrichtungen oder zum Beispiel Verkehrsbauten (unter anderem Fahrkartenautomaten) beschädigt werden. Die Sachbeschädigungen durch Graffiti sind indes um zwölf auf 35 angezeigte Fälle zurückgegangen. 2016 waren es laut Hinrichsen noch 63.

Konstant geringe Kriminalitätsbelastung


Als Fazit hebt der Revierleiter eine „konstant geringe Kriminalitätsbelastung und damit verbunden die geringe Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden“, hervor. Im Murgtal gebe es eine hohe Lebens-, Standort- und Wohnortqualität und eine hohe Aufklärungsquote bei Straftaten. Einen niedrigen Stand registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Bereich Wohnungseinbruchsdiebstahl im Fünfjahresvergleich: Der Höchststand lag bei 106 Fällen pro Jahr, 2019 seien es nur noch 39 Fälle bei einer Aufklärungsquote von 46,2 Prozent gewesen. Für die Zukunft kündigte der Revierleiter weiter eine verstärkte Präsenz zur Reduzierung von Straftaten im öffentlichen Raum und Stärkung des Sicherheitsgefühls an. Fortgeführt werde das Sicherheitsaktionsprogramm in Kooperation mit Kommunen, Behörden und sozialen Einrichtungen.

Wie oben erwähnt, ging die Zahl der Körperverletzungen zurück. Einen Schwerpunkt im öffentlichen Raum gibt es laut Hinrichsen nicht. Beim Murgpark in Gaggenau hinter dem Kaufhaus spricht der Revierleiter von einem „gefühlten Angstraum“. Dort gebe es nicht, wie einige meinen, eine höhere Kriminalitätsrate als in anderen Bereichen der Stadt.

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Erstellt:
1. Mai 2020, 19:55 Uhr
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