Polizei stellt Unfallbilanz 2020 vor

Offenburg (naf) – Eine „Poser-Szene“ fordert verstärkte Kontrollen, Fahrradfahrer werden zu Sorgenkindern und die gesamte Anzahl an Unfällen geht zurück: Das Polizeipräsidium stellt seine Bilanz vor.

 Mit 138 Schwerverletzten blickt das Polizeipräsidium bei den Motorradfahrern auf eine Erhöhung in diesem Bereich um 27 Prozent. Symbolfoto: Thomas Frey/dpa

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Mit 138 Schwerverletzten blickt das Polizeipräsidium bei den Motorradfahrern auf eine Erhöhung in diesem Bereich um 27 Prozent. Symbolfoto: Thomas Frey/dpa

Einen deutlichen Rückgang bei den Verkehrsunfällen mit Personenschaden, also verletzten oder getöteten Verkehrsteilnehmern, konnte das für die Kreise Rastatt, Baden-Baden und Ortenau zuständige Polizeipräsidium Offenburg 2020 registrieren. Auch die Gesamtunfallzahl bleibt deutlich unter dem Vorjahresniveau. Wie bereits 2019 stieg allerdings auch im vergangenen Jahr die Zahl der Unfälle bei Radfahrern deutlich an.

Wie haben sich die Unfallzahlen entwickelt?

Insgesamt wurden 15.126 Unfälle aufgenommen, 18,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Diesen „historischen Rückgang“ kann sich Polizeipräsident Reinhard Renter durch die starke Einschränkung des öffentlichen Lebens wegen der Pandemie erklären. 8.169 waren Kleinstunfälle, 4.645 Unfälle mit Sachschaden. Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden sank mit 2.312 zu 2.584 gegenüber dem Vorjahr um 10,6 Prozent.

Wie viele Personen sind bei Unfällen verunglückt?

2.265 Menschen wurden leicht verletzt, das sind 406 weniger als im Vorjahr. Schwerverletzte gab es 22 weniger als 2019 und damit insgesamt 562. Die Zahl der Getöteten ging um 9 Personen zurück auf 20, womit man laut Renter auf einem „richtig guten Weg“ ist. 2018 lag die Todeszahl noch bei 41. Das „große Ziel“ sei allerdings, sie weiter gen null zu drücken.

Polizei stellt Unfallbilanz 2020 vor

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Was waren die häufigsten Ursachen, wenn eine Person zu Schaden kam?

Für 18 Prozent der Unfälle waren Vorfahrtsmissachtungen verantwortlich. 15 Prozent waren auf eine überhöhte Geschwindigkeit und 14 Prozent auf den fehlenden Abstand zurückzuführen. Fehler beim Wenden, Abbiegen oder Rückwärtsfahren verursachten ebenfalls 14 Prozent der Unfälle. Während die eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit, etwa durch Alkohol, Drogen oder Übermüdung, für neun Prozent verantwortlich waren, sind auf das Überholen lediglich fünf Prozent zurückzuführen.

Wie sieht das Lagebild bei den Motorrädern aus?

Auf den Risikostrecken, wie der B500, wurde auch 2020 zu viel gerast, bilanziert Peter Westermann, Leiter der Verkehrspolizeidirektion Baden-Baden. Zwar sank die Zahl der insgesamt Verletzten um 38 auf 375, und die der Getöteten von sechs auf vier. Mit 138 Schwerverletzten blickt das Polizeipräsidium allerdings auf eine Erhöhung in diesem Bereich um 27 Prozent. Für verstärkte Kontrollen sowie Strafanzeigen sorgte laut Westermann eine „Poser-Szene“, die sich regelmäßig über die sozialen Medien beim Helbingfelsen an der B500 verabredeten und die Straße als Rennstrecke umfunktionierten. Das „hochriskante“ Fahrverhalten wolle man auch im kommenden Jahr möglichst unterbinden.

Sind Fahrradfahrer gefährdeter?

Zumindest waren 2020 sehr viel mehr Fahrradfahrer, und vor allem Pedelec-Fahrer, auf den Straßen unterwegs, so Westermann. Damit lassen sich auch die 959 Fahrradunfälle (22 mehr) erklären. Sieben Fahrradfahrer wurden getötet, einer mehr als 2019. Diese Zahlen veranlassen das Polizeipräsidium dazu, das Fahrrad zum diesjährigen Schwerpunkt zu erklären. Präventiv wolle man beispielsweise mit Banneraktionen arbeiten, Radschulwege kontrollieren und Geschwindigkeitsmessungen an Stellen, wo es bereits zu Unfällen kam, durchführen.

Was war auf der A5 los?

Mit 878 Unfällen verzeichnen die Beamten einen Rückgang um 32,3 Prozent. Auch die Anzahl der Getöteten verringerte sich um drei auf zwei. Die Zahl der Schwerverletzten erhöhte sich jedoch um zehn auf 41 Personen. Ein neues Gerät zur Geschwindigkeitsmessung soll zukünftig zum regelkonformen Fahren animieren.


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