Poller am Baden-Badener Leo bleiben unten

Baden-Baden (nof) – Die Barrieren, die die Fahrt über den Leopoldsplatz in Baden-Baden verhindern sollen, fallen längerfristig aus. Daher setzt die Stadtverwaltung auf Kennzeichenerfassung per Kamera.

Außer Dienst: Die Polleranlagen sind störanfällig und können derzeit nicht sicher betrieben werden. Foto: Nico Fricke

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Außer Dienst: Die Polleranlagen sind störanfällig und können derzeit nicht sicher betrieben werden. Foto: Nico Fricke

Die Stadtverwaltung gibt den Kampf gegen die Technik vorerst auf: „Die Poller am Leopoldsplatz bleiben unten“, verkündete Bürgermeister Alexander Uhlig am Dienstag bei einem Pressegespräch. Statt der im Boden eingelassenen Barrieren sollen künftig Kameras überwachen, dass nur wirklich Berechtigte durch das Stadtzentrum fahren.

Er sehe im Moment keine andere Möglichkeit, um der Lage einigermaßen Herr zu werden, räumte Uhlig ein. „Die Poller am Leo können derzeit nicht sicher betrieben werden.“ Die zum Teil 15 Jahre alten Anlagen „mit Hunderten Bewegungen täglich“ seien „störungsanfällig und wartungsintensiv“, ihr Zustand „sehr schlecht“. Das bestätige „eine Zweitmeinung, die wir uns eingeholt haben“. Denn mit dem eigentlichen Service-Partner, der die Poller bei Bedarf in kurzer Zeit reparieren soll, liege man über Kreuz. „Die Leistungen der Firma lassen stark zu wünschen übrig. Es gibt Wartezeiten von mehreren Wochen“, sagte Uhlig: „Das ist ein untragbarer Zustand. So kann es nicht weitergehen“, erklärte er, dass möglicherweise auch ein Rechtsstreit ins Haus stehe. Eine weitere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen werde es jedenfalls nicht geben.

Die Zweitmeinung habe man sich eingeholt, nachdem es im vergangenen Sommer zu einem Unfall mit einem Bus der Verkehrsbetriebe gekommen war, skizzierte Uhlig: „Damals bohrte sich der Poller durch den Boden eines darüberfahrenden Busses.“ Die ursprünglich beauftragte Service-Firma habe aber „die einwandfreie Funktion des Pollers bestätigt“, so Uhlig kopfschüttelnd.

Kameras überprüfen Berechtigung

Dennoch sei klar: „Wir brauchen die Polleranlage.“ Die Verkehrsmoral in diesem zentralen Bereich lasse stark zu wünschen übrig, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die zahlreichen Leo-Überquerungen von Fahrzeugen ohne Berechtigung. „Obwohl durch Verkehrszeichen eigentlich alles klar geregelt ist, gibt es dort viele Klagen und Verstöße.“

Deshalb sei die Verwaltung derzeit auf der Suche nach einer neuen, zuverlässigen Firma, die sich der Poller künftig annimmt. Dabei soll auch geprüft werden, wo die Poller erneuert werden müssen und wo sie noch repariert werden können. „Das kostet Zeit und Geld.“ Sicher sei, dass das bisherige Steuerungssystem über Funksensoren, die in der Vergangenheit an Berechtigte ausgeteilt wurden, keine Chance mehr hat. „Wir wissen nicht genau, wie viele dieser Sensoren oder Kopien davon mittlerweile in Umlauf sind“, räumte Uhlig ein. „Wir müssen die Reset-Taste drücken“, also alles wieder auf Null stellen.

Künftig sollen die Poller mittels automatischer Erkennung gesteuert werden, erklärte Markus Selig vom Fachgebiet Tiefbau und Baubetrieb. Dabei komme ein „Weitbereichsleser“ zum Einsatz, der Autokennzeichen oder einen an die Windschutzscheibe geklebten QR-Code erkennen und somit eine Berechtigung überprüfen kann. Ähnlich wie bei manchen Mautstellen im Ausland.

Im Visier: Elektronische Augen überwachen künftig die Durchfahrtsberechtigung am Leo. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Im Visier: Elektronische Augen überwachen künftig die Durchfahrtsberechtigung am Leo. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Doch bis die Poller überhaupt wieder zum Einsatz kommen – Uhlig hofft noch auf dieses Jahr – soll dem zu befürchtenden verkehrlichen Wildwuchs am Leopoldsplatz schon mal mit einem elektronischen Auge – einer Kameraüberwachung – begegnet werden. Diese reagiere auf Kennzeichen und könne Nummernschilder mit als berechtigt zur Durchfahrt hinterlegten Daten abgleichen. „Wer unerlaubt über den Leo fährt, erhält Post von der Straßenverkehrsbehörde und gegebenenfalls auch ein Bußgeld“, so Selig. Schon in den nächsten Tagen sollen die Kameras zur „anlassbezogenen Überwachung“ in der Nähe des Leo-Brunnens installiert werden. „Sie haben alle drei Zufahrtsstränge des Platzes im Visier.“ Datenschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht, sagte Uhlig. Die Kamera filme ja nicht den Platz, sondern aktiviere sich erst, wenn ein Auto-Kennzeichen ins Bild komme.

Zudem sollen auch der Blitzer-Caddy, der Blitzer-Anhänger (Enforcement Trailer) sowie Personal des Gemeindevollzugsdienstes (GVD) bei der Verkehrsüberwachung helfen, kündigte Silke Gerth vom Fachgebiet Straßenverkehr an.

Ihr Autor

BT-Redakteur Nico Fricke

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Erstellt:
15. Februar 2022, 17:30 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 47sec

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