Polnischer Granit für das Ufer der Murg

Gaggenau (tom) – Die neuen Terrassen an der Flürscheimbrücke werden nicht aus einheimischen Steinen gebaut.

Rund 120 Tonnen Granitquader werden gesetzt. Ende Mai sollen die Murgterrassen für die Sonnenhungrigen bereit sein. Foto: Thomas Senger

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Rund 120 Tonnen Granitquader werden gesetzt. Ende Mai sollen die Murgterrassen für die Sonnenhungrigen bereit sein. Foto: Thomas Senger

Forbacher Granit: Er bildet das Bett, in das die wilde Murg sich in ihrem Oberlauf tief hineingeschürft hat. Granitwacken in allen Größen liegen zuhauf im Unterlauf der Murg, zusammen mit roten Sandsteinen und rundgeschliffenen Konglomeraten. Doch die neuen Murgterrassen in Gaggenau, sie werden aus polnischem Granit gebaut. Ein Treppenwitz – doch unumgänglich, wenn man sie in der gewünschten Größe haben will.

Denn in den georderten Maßen kann sie weder der Steinbruch in Raumünzach noch der in Seebach liefern. Etwa 1,20 Meter lang sowie jeweils 80 Zentimeter breit und tief lautet die städtische Vorgabe für die Kolosse, die am Dienstag von einer polnischen Speditionsfirma beim Hallenbad abgeladen wurden. Von dort haben sie zwischenzeitlich ihren Weg an ihren neuen Standort bei der „Bananenbrücke“ (Flürscheimbrücke) gefunden.

Von der Optik her passen sie annähernd ins Murgtal, denn wohl nur das Auge des Fachmanns erkennt den Unterschied zum heimischen etwas grobkörnigeren Forbach-Granit; er wird wegen seines Erscheinens auch Zweiglimmer-Granit genannt.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Beschaffenheit des Materials, dies bestätigt Jürgen Schnurr. Er ist Geschäftsführer der VSG Schwarzwald-Granit Werke GmbH & Co. KG in Raumünzach. Dieser Steinbruch liegt am Abzweig der L 83, die von der B 462 hoch zur Talsperre führt.

Verwerfungen im Tiefengestein

Gleichmäßige Quader können dort nur bis gut 80 Zentimeter Länge gebrochen werden, erläutert Schnurr. Denn das vor rund 300 Millionen Jahren entstandene Tiefengestein weist allerhand Verwerfungen und damit Schwächezonen auf. Dies liegt an der komplizierten und heftigen Tektonik während des Einbruchs des Oberrheingrabens. Zur VSG gehört auch der Steinbruch in Seebach, unterhalb der Hornisgrinde. Auch der dortige feinkörnige Seebach-Granit sei für große Quader nicht geeignet.

Letztlich bleibt somit die Frage, ob es tatsächlich die 120er-auf-80er-Quader für die Murgterrassen sein müssen? Aus Forbacher Granit lassen sich ja durchaus Böschungs- und andere Steine fertigen – nur eben kleinere.

Letztlich ist es für den Granit aus der Heimat nicht nur aus tektonischen Gründen schwerer geworden im einheimischen Markt, wie Jürgen Schnurr betont. Ware beispielsweise aus Indien und anderen Entwicklungsländern werde nicht nur billiger hergestellt, verweist er auf die dort praktizierte schwere Kinderarbeit. Auch der Transport sei längst kein wesentlicher Kostenfaktor mehr. Denn die schweren Steine werden als notwendiger Ballast im Bauch der gigantischen Containerfrachter gerne mitgeschleppt.

Informationen zum Forbacher Granit finden sich hier.

Ihr Autor

BT-Redakteur Thomas Senger

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Erstellt:
5. Mai 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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