Popkulturelle Metaphern und zwei Schauspieler auf Abstand

Baden-Baden (kie) – Das Theater Baden-Baden nimmt nach siebenmonatiger Spielpause mit dem rasanten und chaotisch-komischen Stück „Eine Sommernacht“ den Präsenzbetrieb wieder auf.

Stets auf Abstand, selbst wenn sie unter einer Decke stecken: Sonja Dengler und Jonathan Bruckmeier überzeugen mit großer Spielfreude und Dynamik.Foto: Catharina Kottmeier/Theater

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Stets auf Abstand, selbst wenn sie unter einer Decke stecken: Sonja Dengler und Jonathan Bruckmeier überzeugen mit großer Spielfreude und Dynamik.Foto: Catharina Kottmeier/Theater

Zwei Schauspieler auf Abstand, eine schräge Liebesgeschichte und jede Menge popkulturelle Anspielungen: Mit dem Stück „Eine Sommernacht“ ist das Theater Baden-Baden am Samstagabend auf der Hofbühne in den Präsenzbetrieb gestartet. Nach siebenmonatiger Spielpause war die Freude darüber in Ensemble und Publikum deutlich zu spüren. Am Ende des rund 70 Minuten dauernden Schauspiels war bei vielen ein zufriedenes Lächeln auszumachen.

Rasante Wechsel von Szenen und Sprecherpositionen und mehr als 40 musikalische Einspieler, die als Metaphern für die Geschichte fungierten, ließen „Eine Sommernacht“ zu einem kurzweiligen, modernen und chaotisch-witzigen Stück werden. Hervorzuheben ist dabei die Leistung der beiden Schauspieler Jonathan Bruckmeier (Bob) und Sonja Dengler (Helena), deren dynamisches und mit Augenzwinkern vorgetragenes Spiel rundum überzeugte.

Schließlich fiel der Applaus zwar wegen der coronabedingt stark verkleinerten Besucheranzahl, die auf 26 begrenzt war, weniger lautstark aus als es vermutlich während des Normalbetriebs der Fall gewesen wäre, doch genossen ihn die beiden Schauspieler, der Regisseur Stefan Eberle und die Dramaturgin Miriam Fehlker sichtlich. Erleichterung war auszumachen: Endlich darf wieder Theater gespielt werden, endlich gibt es wieder Applaus für die Kulturschaffenden.

Witzig-skurril und nachdenklich-melancholisch

Das Stück aus der Feder von David Greig und Gordon McIntyre erzählt die Geschichte eines ungleichen Paares – sie: Anwältin, er: Kleinkrimineller –, die zunächst im Vollrausch ein Bett, und schließlich große Gefühle miteinander teilen. Während sich die beiden annähern, ereignen sich allerhand unglaubliche und witzig-skurrile Vorkommnisse, etwa beim Verprassen von 15.000 Pfund aus der Portokasse des Gangsterbosses. Doch auch melancholisch-nachdenkliche Szenen gibt es, beispielsweise als es um die Frage nach einem sinnvollen Leben geht.

Bruckmeier und Dengler gelang es durchweg, diese Stimmungswechsel zum Ausdruck zu bringen, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen – und das unter der zusätzlichen Schwierigkeit, mit einem coronakonformen Abstand zu agieren, was sowohl eine Bettszene als auch eine Schlägerei einschloss.

Des Weiteren lebte das Stück von einer Vielzahl popkultureller Anspielungen; so etwa gleich zu Beginn, als der Kleinkriminelle Bob zum Rap-Klassiker „Gangster’s Paradise“ im Stakkatostil spricht, die von der Liebe enttäuschte Helena hingegen zum Amy-Winehouse-Titel „Back to Black“. Jedoch hätten die „feinen musikalischen Anspielungen“, so Eberle nach der Premiere, nicht richtig wirken können, da sie teilweise von Livemusik aus der Nachbarschaft übertönt wurde. „Aber so ist das bei Freilufttheater eben“, sagte der Regisseur abschließend.

Ihr Autor

BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch

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Erstellt:
13. Juni 2021, 22:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 12sec

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