Positive Reaktionen auf Fahnen-Aktion überwiegen

Kuppenheim/Baden-Baden (mak) – Die Kirchengemeinde Vorderes Murgtal bekundet mit einer Regenbogenfahnen-Aktion seit März ihre Solidarität mit homosexuellen Paaren. Positive Reaktionen überwiegen.

Die Regenbogenfahne, hier vor St. Anna in Bischweier, ist unter anderem ein Symbol für Vielfalt und für die lesbisch-schwule Bewegung weltweit. Foto: Frank Vetter

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Die Regenbogenfahne, hier vor St. Anna in Bischweier, ist unter anderem ein Symbol für Vielfalt und für die lesbisch-schwule Bewegung weltweit. Foto: Frank Vetter

Vor katholischen Kirchen der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal hängen seit März Regenbogenfahnen, ein Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Damit protestieren die Gemeinden gegen die Ablehnung des Vatikans, homosexuelle Paare zu segnen. Mit der Aktion „Liebe gewinnt“ wurden am Montag in ganz Deutschland homosexuelle Paare gesegnet. Dabei fanden auch Segnungen in der Autobahnkirche Baden-Baden statt – wobei sich diese nicht explizit an homosexuelle Paare richteten. Seelsorgerinnen und Seelsorger des katholischen Dekanats Baden-Baden boten dabei von 12 bis 14 Uhr Paaren an, den Segen zu erbitten. Zudem ist noch bis Sonntag 23. Mai, ein Segensweg für Paare zum Begehen in der Autobahnkirche tagsüber zugänglich.

Die verantwortlichen Akteure der Regenbogenfahnen-Aktion in der Kirchengemeinde Vorderes Murgtal haben in den vergangenen Wochen fast nur positive Reaktionen erhalten. Christian Römmich, stellvertretender Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Vorderes Murgtal, und der neue Kuppenheimer Pfarrer Ulrich Stoffers freuen sich über die Rückmeldungen. „Ein Mann aus Bischweier hat mir in einer E-Mail berichtet, dass er immer wieder an der Kirche St. Anna vorbeigefahren ist und gedacht hat, dass der Fahnenmast zum Nachbargrundstück gehört. Dann hat er sich mit dem Thema befasst und gemerkt, dass die Fahne zur katholischen Kirche gehört. Er freut sich sehr über die Aktion, für ihn sei es immer wieder ein Highlight, daran vorbeizufahren“, erzählt Römmich im Gespräch mit dem Badischen Tagblatt.

Beeindruckt von Ehrenamtlichen

Weiterhin sei eine Frau, die aus der Kirche ausgetreten war, vom Passionsweg in St. Laurentius Niederbühl angetan gewesen. „Sie war sehr beeindruckt davon, wie viel Engagement die Ehrenamtlichen in dieses Angebot gesteckt haben. Und die Regenbogenfahne vor der Kirche fand sie auch super. Sie hat zu mir gesagt, dass sie wieder in die Kirche eintreten wolle“, freut sich Römmich über eine weitere Reaktion. Ein homosexuelles Pärchen habe ihn ebenfalls angesprochen: „Die beiden haben gemeint, dass sie so eine offene Gemeinde toll finden und sie es sich vorstellen könnten, auch mal zum Gottesdienst zu kommen.“ Die negativen Reaktionen auf die Regenbogenfahnen beschränkten sich bislang auf einen „sehr kritischen Brief“ an Pfarrer Stoffers und auf das Kopfschütteln einiger älterer Kirchenbesucherinnen, berichtet Römmich. Allerdings habe bis jetzt noch niemand das Gespräch über das komplexe Thema gesucht, bedauert er ebenso wie Stoffers: „Die Diskussionskultur hat – unabhängig von der Kirche – in vielen gesellschaftlichen Bereichen abgenommen, es gibt sie fast gar nicht mehr“, stellt der Geistliche fest. Er habe den Eindruck, dass bei vielen die Meinung vorherrsche, dass man eh nichts mehr sagen dürfe. Es gebe nur noch selten ein offenes Gespräch.

Hoffnung auf mehr kritischen Dialog

„Wir möchten dem hermetischen Nein aus Rom aber nicht einfach nur ein Ja entgegenhalten, sondern auf allen Ebenen miteinander sprechen“, wünscht sich der Theologe mehr Mut zum gegenseitigen Austausch. Es fehle immer mehr „der wohlwollende Dialog, ohne sich gegenseitig gleich den Glauben abzusprechen“, findet Stoffers. Er und Römmich hoffen, dass sich in den nächsten Wochen weitere Gespräche ergeben. Stoffers verdeutlicht im Pressegespräch, dass die Grundlage des Ehe-Sakraments die Partnerschaft von Mann und Frau sei und er deshalb folglich keine homosexuellen Paare trauen könne: „Von der Kirchenlehre her ist das sakramententheologisch nicht möglich.“ Mit der Segnung von homosexuellen Partnerschaften hätte er aus theologischer Sicht kein Problem, wenn es von der obersten Kirchenleitung genehmigt werden würde. „Für mich ist hierbei ein ernsthafter Wille nach Verbindlichkeit entscheidend – ein Aspekt, der in jeder Partnerschaft nicht immer einfach ist“, urteilt Ulrich Stoffers.

Christian Römmich ergänzt: „Da die katholische Kirche eine Weltkirche ist, sind Veränderungen im Großen nicht so einfach, zumal gerade das Thema Homosexualität in den meisten Ländern nach wie vor ein Tabu-Thema ist.“ Und auch im Hinblick auf ein weiteres Problem-Thema wünscht sich der engagierte Katholik mehr Fortschritte: Das gemeinsame Abendmahl. „Das brennt an der Basis schon unter den Nägeln. Doch Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, steht dahinter“, gibt sich der 26-Jährige vorsichtig optimistisch. An der Basis sei man viel weiter als in der Kirchenleitung: „Hier müssen wir einfach auf unsere Gesellschaft hoffen, und dass sie trennen kann zwischen der Basis und dem, was oben gemacht wird.“

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Erstellt:
10. Mai 2021, 14:00 Uhr
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