Praktische Fahrprüfung erneuert

Baden-Baden (naf) – Die praktische Fahrerlaubnisprüfung wurde zum Jahresbeginn modernisiert und damit auch digitalisiert. Die nun zehn Minuten längere Prüfung soll so transparenter werden.

Die Freude über eine bestandene Führerscheinprüfung ist – hier vor der Corona-Pandemie – deutlich zu erkennen. Foto: Patrick Lux/dpa

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Die Freude über eine bestandene Führerscheinprüfung ist – hier vor der Corona-Pandemie – deutlich zu erkennen. Foto: Patrick Lux/dpa

62.000 Fahrschüler hat es erwischt. 2019 haben laut Kraftfahrtbundesamt 26 Prozent der 238.491 Prüflinge im Bundesland die praktische Prüfung nicht bestanden. Woran das wohl gelegen hat? Mit der optimierten praktischen Fahrerlaubnisprüfung (OPFEP) soll diese Frage künftig einfacher beantwortet werden. Seit 1. Januar wird das Fahrverhalten der Prüflinge digital erfasst.

Die neue Fahrprüfung soll vor allem für eines sorgen: mehr Transparenz. Wo ein Prüfer bisher seine Beobachtungen auf einem, für den Fahrschüler nicht einsehbaren, Notizblock aufschrieb, dokumentiert er nun das genaue Fahrverhalten des Prüflings auf einem Tablet. Mittels QR-Code kann dieser die notierten Punkte anschließend auf sein eigenes Smartphone laden. Ein „umfangreicheres detailliertes Rückmeldegespräch“ soll laut TÜV Süd damit einhergehen. Der Prüfer kann außerdem auf festgeschriebene Fahraufgaben und Bewertungskriterien zurückgreifen. Schwere Fehler, wie das Überholen im Gegenverkehr, werden dabei von leichten Fehlern, wie dem zögerlichen Verhalten beim Abbiegen, unterschieden.

Wermutstropfen für Fahrschulen: Verlängerung der Prüfzeit

Jochen Klima, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg hält die neue ausführliche Rückmeldung „aus rein pädagogischer Sicht für sehr sinnvoll“. Der „Wermutstropfen“ für die Fahrschulen sei allerdings die Verlängerung der Prüfzeit um zehn Minuten, so Klima. „Seit Jahren kämpfen die Fahrschulen damit, dass der TÜV viel zu wenig Prüfungsplätze anbietet.“ Mit einer Fahrprüfung die 55 anstelle der bisherigen 45 Minuten dauert, kann ein Prüfer täglich nur noch neun Fahrschüler begleiten. Das sind zwei weniger als bisher. „Grundsätzlich hilft uns die Idee bei der Ausbildung, auch das ausführliche Gespräch nach der Prüfung ist sicherlich sinnvoll. Mit der Verlängerung sind wir aber nicht glücklich“, sagt Klima, „wir glauben nicht, dass der TÜV genügend Leute hat“.

Der Vorsitzende erklärt, dass es meist in der Ferienzeit vermehrt Prüflinge gibt. Da können aus den rund zwei Wochen Vorlauf vor einer Prüfung auch mehr werden, so Klima. „Wenn man nach vier Wochen noch immer keinen Platz bekommt, ist das natürlich blöd“ – und die weiteren Fahrstunden, die man benötigt, um das Fahrlevel für diesen Zeitraum zu halten, kosten Geld.

TÜV hat Personal aufgebaut


Doch laut Vincenzo Lucà vom TÜV Süd besteht kein zusätzlicher Druck in Bezug auf die Terminvergabe. TÜV Süd habe sich „auf die Verlängerung der Prüfzeit langfristig vorbereitet und dazu Personal aufgebaut. Die Wartezeiten werden sich deshalb nicht verändern“, so Lucà. Falls das der Fall sein sollte, ist „alles gut“ für Klima, er ist „zumindest sehr gespannt“.

Durch die Umstellung werden nun erstmals Daten aus allen Prüfungen bundesweit anonymisiert erfasst und gesammelt. Häufige Fehler und für die Bewerber schwierige Verkehrssituationen können damit erkannt und die Ausbildung weiterentwickelt werden.


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