Praxis-Impulse für progressive Bauformen

Rastatt (schx) – Wie muss Bauen in Zeiten des Klimawandels sein? Der Fachbereich Stadt- und Grünplanung nimmt eine der letzten großen Wohnbaureserven Rastatts im Gebiet „Bittler“ in den Blick

Architekt und Stadtplaner Markus Reck-Kehl erläutert zum Auftakt der öffentlichen Ausstellung ausgewählte Beispiele von Stadtentwicklung. Foto: Xenia Schlögl

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Architekt und Stadtplaner Markus Reck-Kehl erläutert zum Auftakt der öffentlichen Ausstellung ausgewählte Beispiele von Stadtentwicklung. Foto: Xenia Schlögl

. Unter dem Leitgedanken „Neues Wohnen am Stadtrand – (r)eine Formsache?“ werden innovative Wohnbauprojekte aus dem In- und Ausland vorgestellt. Auf zehn Tafeln, die in der nördlichen Verlängerung des Bittlerwegs bis zum 31. Oktober zu sehen sind, können Interessierte einen Einblick bekommen, was abseits monotoner Bebauung möglich ist.

Rastatt nimmt mit seiner Open-Air-Ausstellung zum dritten Mal nach 2017 und 2018 an den grenzüberschreitenden Architekturtagen teil, die unter dem Motto „Alternativen? Architektur!“ stehen. Mehr als 150 Veranstaltungen im Elsass, Basel und Baden-Württemberg zeigen, wie zukünftige Generationen in Städten und auf dem Land leben können. Neue Formen des Zusammenlebens, die einer wachsenden Bevölkerung gerecht werden. Der Fokus liegt auf der Verantwortung der Bau- und Architekturbranche, nachhaltig zu bauen und die verfügbaren Ressourcen zu schonen.

„Die Auswahl der vorgestellten Projekte ist rein subjektiv“, wie Architekt und Stadtplaner Markus Reck-Kehl zum Auftakt betonte. Was sie eint, ist der innovative Ansatz des klima- und sozialgerechten Bauens. Auf einer Fläche von 17,8 Hektar ist das Gebiet „Bittler“ als Wohnbaufläche ausgewiesen. „Eine tatsächliche Entwicklung ist mittelfristig vorgesehen“, so Reck-Kehl. Gerade mit Blick auf die bestehenden Pläne, die Rastatter Feuerwehr auf 10.000 Quadratmetern an der Zaystraße im „Bittler“-Bereich anzusiedeln, möchte man keine zusätzliche „08/15- Wohnbebauung haben“. Man könne ein zukunftsfähiges Quartier gestalten, das ökologischen und sozialen Aspekten dient, und dennoch „ein schönes Zuhause mit hoher Lebensqualität sein kann“.

Barocke Historie einbinden

Von gelungenen Aufstockungen in Österreich bis hin zu Neubauten in achteckiger Bauform in Belgien zeigen kostengünstige und realisierbare Beispiele wie attraktives Wohnen aussieht. Im Stiftungsdorf „Ellener Hof“ in Bremen wird ein ganzes Viertel in CO2-neutraler Holzbauweise errichtet. Für Reck-Kehl eine spannende gedankliche Möglichkeit, Rastatts barocke Historie bei Neubauten einzubinden.

Bezahlbar muss es sein, für die Bauträger, die Wohnungskäufer und -mieter. Aus diesem Grund gehen viele Städte und Gemeinden inzwischen dazu über, Grund und Boden nicht mehr zu verkaufen, sondern in Erbpacht zur Verfügung zu stellen.

Gemeinderat Roland Walther von Bündnis90/Die Grünen kann sich dieses Modell auch für Rastatt gut vorstellen: „Die Stadt könnte das Bauen so besser steuern und hätte ein größeres Mitspracherecht beim Haus- und Wohnungsbau.“ Das Erbbaurecht sei ein städtebauliches Konzept, um öffentliches Tafelsilber nicht zu verkaufen, sondern kommenden Generationen Handlungsspielraum in der Flächennutzung zu erhalten.

Für SPD-Stadtrat Roy Zilius ist die Ausstellung wichtig, um „festgefahrenes Denken aufzubrechen und Horizonte zu öffnen.“ Reck-Kehl sieht den Gemeinderat in der Verantwortung, wie innovativ in der Stadt Rastatt tatsächlich gebaut werden könne.

Das Begleitheft der Architekturtage im Dreiländereck bietet noch bis 31. Oktober eine breite Auswahl an Vor-Ort-Führungen, Workshops und Vorträgen rund um das Thema nachhaltiges Bauen.

www.m-ea.eu/de/die-architekturtage-2021


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