Praxisunterricht in kleinen Einheiten

Rastatt (as) – Lockdown und kein Präsenzunterricht, wie geht das für berufliche Schulen, in denen Praxisübungen dazugehören? Das BT hat sich an Josef-Durler- und Anne-Frank-Schule Rastatt umgehört.

Eine Öffnungsklausel macht’s möglich: Berufsfachschüler an der Josef-Durler-Schule haben wieder Praxisunterricht, um Defiziten vorzubeugen. Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

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Eine Öffnungsklausel macht’s möglich: Berufsfachschüler an der Josef-Durler-Schule haben wieder Praxisunterricht, um Defiziten vorzubeugen. Symbolfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

Fernlernunterricht im Corona-Lockdown: Was in den allgemeinbildenden Schularten schon eine Herausforderung für Schüler und Lehrer ist, gestaltet sich für die beruflichen Schulen mit dem vorgeschriebenen Praxisanteil beispielsweise in Elektrotechnik oder der Altenpflege umso schwieriger. Doch mit etwas Kreativität gibt es auch hier Lösungen, betonen die Schulleiter Sven Teichmann (Josef-Durler-Schule Rastatt) und Gabriele Reeb (Anne-Frank-Schule Rastatt) gegenüber dem BT.

„Defizite sind da“

„Wir holen die Schüler der ein- und zweijährigen Berufsfachschulen Holz, Metall oder Elektrotechnik seit den Faschingsferien zum Praxisunterricht wieder in die Schule“, sagt Teichmann. Eine Öffnungsklausel in der Corona-Verordnung ermögliche das. Die Klassen werden dabei je nach Größe in zwei bis drei Gruppen geteilt und könnten somit zumindest alle zwei bis drei Wochen in den Werkstätten der Schule ihre praktischen Fertigkeiten verbessern. Das betreffe insgesamt rund 100 Schüler. „Die Werkstätten sind großzügig, da kann das Abstandsgebot gut eingehalten werden“, unterstreicht Teichmann. Das theoretische Wissen könne auch gut im Fernunterricht vermittelt werden. Prüfungen und Klassenarbeiten finden in Präsenz an der Schule statt.

Allerdings stellt der Schulleiter nach zwei längeren Lockdown-Phasen im vergangenen und in diesem Schuljahr fest: „Defizite sind da.“ Er glaube auch nicht, dass man alles werde aufholen können. „Wir schauen, dass wir das Wesentliche vermitteln“, ist er mit Blick auf die Prüfungen dennoch zuversichtlich.

Leistungsschwächere im Blick haben

Bei den rund 400 Berufsschülern in den Bereichen Metall-, Elektro- und Holztechnik sowie zahnmedizinischen Fachangestellten werde der Praxisteil sowieso in den Ausbildungsbetrieben vermittelt – und das funktioniere gut, teils auch mit zusätzlicher Förderung im Betrieb, wie er weiß. Die Abschlussklassen haben wie an anderen Schulen sowieso Präsenzunterricht. Die letztjährigen Prüfungsergebnisse seien nicht signifikant schlechter ausgefallen als in den Vorjahren, sagt Teichmann. Dennoch weiß er: „Schwache Schüler bleiben auf der Strecke.“ Die Klassen des Vorqualifizierungsjahrs Arbeit/Beruf (Schüler ohne Hauptschulabschluss) beispielsweise haben ebenfalls wieder Präsenzunterricht, erachtet er das für besonders wichtig, damit die leistungsschwächeren Schüler nicht total abgehängt werden.

Auch für Schulleitung und Lehrkräfte sei es eine herausfordernde Zeit, meint er zum ständigen Wechsel zwischen Online- und Präsenzunterricht und hofft auf baldige Normalität. „Die müssen wieder in die Schule“, betont der Schulleiter der größten beruflichen Schule im Landkreis mit rund 1.200 Schülern. Das Lehrerkollegium trage seinen Teil dazu bei – rund die Hälfte sei bereits geimpft.

Praxis-Simulationsaufgaben an der Schule

Von großer Impfbereitschaft berichtet auch Gabriele Reeb. „Die Kolleginnen fahren teils bis nach Freudenstadt“, sei die Schwierigkeit derzeit wie für alle eher, einen Impftermin zu ergattern, sagt sie. Die Anne-Frank-Schule beschult ihre Abschlussklassen derzeit im Wechselunterricht. Es sei geplant, alle nach Ostern wieder in die Schule zu holen, so die Schulleiterin. Sie hofft diesbezüglich auch auf Schnelltests für die Schüler, wobei sie hier einen enormen organisatorischen Aufwand befürchtet.

Bei der Ausbildung von Altenpflegerinnen und Erzieherinnen, etwa ein Drittel der gesamten Schülerschaft, könne sie keine Defizite feststellen, so Reeb. Die Praxisausbildung erfolge in den Einrichtungen – es sei denn, dort gibt es Pandemiebeschränkungen. „In diesen Fällen arbeiten wir mit Praxis-Simulationsaufgaben an der Schule“, erläutert Reeb. Dazu würden die Schüler einzeln einbestellt. In den simulierten Praxisbereichen des neu eingerichteten Pflegezentrums beispielsweise könne man bestimmte Unterstützungsangebote in der Pflege genauso üben wie am Patienten. „Die Schüler haben insofern keine Nachteile“, befindet Reeb, und es sei ihr auch noch nichts von coronabedingten Ausbildungsdefiziten zu Ohren gekommen. Ein großes Lob hat auch sie für die „rührigen, aktiven Lehrer“: „Die kommen auch mal nachmittags, wenn was nachzuholen oder aufzuarbeiten ist.“

Ihr Autor

BT-Redakteurin Anja Groß

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Erstellt:
16. März 2021, 19:00 Uhr
Lesedauer:
ca. 2min 48sec

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