„Preisboom bei Immobilien ungebrochen“

Baden-Baden/Karlsruhe (tas) – Einfamilienhäuser und Wohnungen werden erneut deutlich teurer. Von den Preissteigerungen sind vor allem mittelgroße Städte betroffen.

Frisch gebaut und schon verteuert: Wer ein Einfamilienhaus hat, kann sich über Wertsteigerungen freuen, wer eins sucht, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Julian Stratenschulte/dpa

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Frisch gebaut und schon verteuert: Wer ein Einfamilienhaus hat, kann sich über Wertsteigerungen freuen, wer eins sucht, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Julian Stratenschulte/dpa

Der Preisanstieg bei Wohnungen und Einfamilienhäusern kennt noch immer kein Ende, er nimmt sogar noch Fahrt auf. Gestern teilte das Statistische Bundesamt mit, dass die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland im 4. Quartal 2021 um mehr als zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen sind – ein neuer Rekordwert.

Bereits das 2. und 3. Quartal vergangenen Jahres hatten mit 10,8 Prozent beziehungsweise zwölf Prozent Preiszuwachs den Trend vorgezeichnet. Die Zahlen des Bundesamtes werden bestätigt durch eine Analyse der Online-Immobilienplattform Scoperty. „Der Preisboom für Wohnimmobilien ist bundesweit ungebrochen“, sagt Scoperty-Geschäftsführer Stefan Kellner. Das Portal hatte in seiner jüngsten Auswertung einen Anstieg der Quadratmeterschätzwerte im Jahresverlauf 2021 um durchschnittlich rund 15 Prozent auf 2.848 Euro festgestellt.

Südwesten auf hohem Niveau

In Baden-Württemberg ging es mit elf Prozent Plus zwar etwas langsamer nach oben, allerdings liegt der Quadratmeterschätzwert im Südwesten mit 3.530 Euro auch schon auf einem deutlich höheren Niveau. „Baden-Württemberg gehört nach wie vor zu den teuersten Bundesländern – nur in Hamburg, Berlin und Bayern ist Immobilieneigentum noch teurer“, sagt Keller.

Dabei ist es nicht einmal die Metropole Stuttgart, die mit dem saftigsten Wert im Südwesten aufwartet. Am tiefsten in die Tasche greifen müssen Immobilieninteressenten in einer mittelgroßen Kommune wie Konstanz. In der Bodensee-Stadt liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 5.542 Euro, Tübingen ist mit 5.056 Euro nicht weit entfernt von der Landeshauptstadt (5.161 Euro).

Interessant ist die Entwicklung im ländlichen Umfeld. Dort wo die Wege zum Arbeitsplatz oder zur Kultureinrichtung in der Regel länger ausfallen als in Karlsruhe, Pforzheim, Baden-Baden oder Rastatt, sind die Immobilienpreise auch niedriger, doch sie ziehen dort derzeit überdurchschnittlich an. In Bad Herrenalb und Gaggenau legte der Quadratmeterschätzwert laut Scoperty im vergangenen Jahr jeweils um mehr als 14 Prozent zu, in Hügelsheim sind es 12,5 Prozent, in Steinmauern ist die Entwicklung mit etwa sieben Prozent noch moderat.

Die Stadt Karlsruhe rangiert mit einem Plus von 10,5 Prozent noch unter dem Landesschnitt, allerdings muss man hier auch 4.122 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch blättern. Mit vergleichsweise günstigen Immobilienpreisen unter den größeren Städten punktet dagegen Pforzheim (2.994 Euro pro Quadratmeter, plus 11,5 Prozent). Insgesamt gibt es im Südwesten nur wenige Orte, an denen die Immobilienpreise gesunken sind. Zu den elf Gemeinden zählt Graben-Neudorf (minus 1,4 Prozent).

Spiegel steigender Kosten im Neubaubereich

Dass die Immobilienpreise bis auf wenige Ausnahmen auf breiter Front steigen, ist nicht nur dem knappen Angebot und der großen Nachfrage am Markt geschuldet. Der Preisauftrieb bei Bestandsimmobilien ist auch Spiegel deutlich steigender Kosten im Neubaubereich. Handwerker berichten von prozentual zweistelligen Aufschlägen bei Vorprodukten wie Holz, Metall, Stein oder Kunststoff, Liefertermine werden verschoben oder gar nicht erst eingehalten.

„Die neuen Rekorde auf dem Immobilienmarkt werden von der Angst vor einer Zinserhöhung sowie steigender Inflation begünstigt“, sagt Eva Grunwald, die Leiterin des Immobiliengeschäfts bei der Postbank. „Viele Deutsche flüchten sich in Betongold und schließen dabei zunehmend die Städte in zweiter Reihe mit ein. Die Corona-Pandemie hat den Wunsch nach dem eigenen Zuhause nur noch bestärkt und den Radius erweitert.“

Auch die Postbank hatte für 98 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte deutliche Preiserhöhungen für Bestandswohnungen ermittelt. Inflationsbereinigt wurden sie 2021 um mehr als 14 Prozent teurer. 2020 hatte das Plus noch 9,6 Prozent betragen.

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Erstellt:
29. März 2022, 07:50 Uhr
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