Preisgekrönter Fotograf zieht ins Eisenwerk

Gernsbach/Gaggenau (stj) – Stephan Kaminski verlagert seinen Betrieb nach Gaggenau und eröffnet im April sein neues Studio am Medienplatz.

Fotografie ist Leidenschaft: Diesen Werbeslogan verkörpert Stephan Kaminski, der mit seinem Betrieb im April vom Salmenplatz in Gernsbach zum Medienplatz in Gaggenau umzieht. Seit 7. Januar hat sein Geschäft wieder geöffnet, weil es zur Kategorie Handwerk zählt. Foto: Stephan Juch

Fotografie ist Leidenschaft: Diesen Werbeslogan verkörpert Stephan Kaminski, der mit seinem Betrieb im April vom Salmenplatz in Gernsbach zum Medienplatz in Gaggenau umzieht. Seit 7. Januar hat sein Geschäft wieder geöffnet, weil es zur Kategorie Handwerk zählt. Foto: Stephan Juch

Die Location, wie es neudeutsch so schön heißt, scheint wie geschaffen für ein Fotostudio: Das große Backsteingebäude der einstigen Gaggenau-Werke zwischen Medienplatz und Glasersteg. Dort schlägt mit Stephan Kaminski im April ein preisgekrönter Fotograf seine Zelte auf. Seit mehr als zehn Jahren firmiert der 41-Jährige mit seiner GmbH in der Igelbachstraße 10 in Gernsbach, in wenigen Monaten beginnt für den aus Winkel stammenden leidenschaftlichen Fotografen das nächste berufliche Kapitel am Medienplatz 2 in Gaggenau.

„Ich denke, es wird einen sanften Übergang geben“, blickt der selbstständige Unternehmer voraus. Für ihn schließt sich mit der Rückkehr nach Gaggenau ein Kreis: Hier hat er als 13-Jähriger beim Fotoclub 76 und in der Foto-AG bei Gerhard Hondl in der Realschule seine ersten Erfahrungen mit der Spiegelreflex-Kamera gesammelt, die er sich von seinen Eltern so sehnlichst gewünscht hatte. In der Großen Kreisstadt kann man sich also freuen über diese Entwicklung, füllt mit Kaminski doch ein renommierter Fotograf einen Leerstand im Erdgeschoss der Eisenwerke, die nun einen weiteren Schritt von der alten Fabrik hin zum modernen Dienstleistungszentrum vollziehen.

Dort stehen dem 41-Jährigen künftig mehr als 200 Quadratmeter für neue fotografische Möglichkeiten zur Verfügung. „Als wäre das für mich gemacht“, freut sich der in Gernsbach wohnhafte Kaminski auf sein neues berufliches Zuhause im ehemaligen Show-Room der Gaggenau-Werke. Im Eingangsbereich soll eine kleine Lounge entstehen für den ersten Kundenkontakt; eine kleine Werkstatt für die Handarbeit („Manufaktur für hochwertige Fotogeschichten“) findet ebenso ihren Platz – und natürlich ein großes Studio. Hinzu kommen „tolle Location Shootings“ in der direkten Umgebung, auf die sich Kaminski freut.

Kuriosität am Rande: Im Erdgeschoss der Eisenwerke hat der Fotograf mit Katarzyna Stebel als Zahnärztin und der Filiale der Zeitarbeitsfirma Orizon dieselben „Nachbarn“ wie aktuell am Salmenplatz mit Tilmann Duffing und dem Personaldienstleister „Together“. In Gernsbach endet mit dem Wegzug eine Ära, die Peter Dölger einst begründete. Bei ihm lernte Kaminski ab 1999 seinen Beruf, nachdem er am Technischen Gymnasium Rastatt sein Abitur gebaut hatte.

Haus Igelbachstraße 10 steht zum Verkauf

2010 übernahm er das Geschäft und meisterte die Transformation in den Dienstleistungsbereich. Denn der Foto-Handel sei schon damals „komplett eliminiert“ gewesen, „bis auf ein paar Bilderrahmen“. Kaminski stellt vielmehr das klassische Handwerk, die Fotografie, in den Mittelpunkt seines Schaffens: „Das kommt super an.“

Und das nicht nur bei den Privatkunden, wo sein Einzugsbereich vom Raum Baiersbronn bis nach Karlsruhe reicht, sondern auch bei vielen Unternehmen. Einen weiteren Schub bekam das Kleinunternehmen, zu dem Angestellte Melitta Hacanik gehört, mit der Auszeichnung für das hervorragende internationale Niveau seiner Fotografie. Diese holte Kaminski im Jahr 2014 auf Anhieb in der Kategorie „Creative People“ bei den International Photographic Qualifications (IPQ) – erst als zweiter Fotograf überhaupt. Vor allem im Bereich der Firmenkunden sei dies ein echter Karriereschub gewesen, das habe ihn in der Branche bekannt gemacht. Mittlerweile werde er sogar von weit entfernten Kollegen empfohlen, wenn es um Aufnahmen geht, die eine besondere kreative Leistung und gestalterisches Niveau erforderten.

Wieso also der Wechsel nach Gaggenau, wenn es in Gernsbach so gut läuft? Das habe zwei Gründe: Zum einen sind die Platzkapazitäten im Haus Igelbachstraße 10 begrenzt, zum anderen steht die Immobilie zum Verkauf, was für gewerbliche Mieter immer mit gewissen Unwägbarkeiten verbunden ist. Also hat Kaminski mit der städtischen Wirtschaftsförderung Kontakt aufgenommen und nach Alternativen gesucht. Trotz intensiver Bemühungen, wie der Fotograf lobt, sei man in Gernsbach aber nicht fündig geworden. Anders in Gaggenau, wo über City-Manager Philipp Springer der Kontakt zur den Eisenwerken hergestellt wurde.

Für Gernsbach tue ihm der Umzug leid, die Stadt sei ihm längst ans Herz gewachsen. Aber die Freude auf die neue Herausforderung überwiegt: Diese, so hofft Kaminski, kann er baldmöglichst ohne Corona-Beschränkungen voll angehen. Immerhin habe der Lockdown auch sein Geschäft vor große, existenzielle Probleme gestellt – Beispiel wegbrechende Events wie Hochzeiten, Abiturfeiern, Jubilarehrungen und so weiter. Aber die Krise habe auch Gelegenheit geboten, zu sehen, „wo ich meine Stärken habe, wo sich vielleicht neue Geschäftsfelder erschließen lassen“. So habe Kaminski gemerkt, „dass ich mit dem Mix, den ich anbiete, gut überleben konnte“. Die Leute, so der Fotograf, wollen es sich zuhause schön machen – das gilt auch, oder gerade in Krisenzeiten.


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