Presswerk erwartet Zuwachs mit Batteriefabrik

Kuppenheim (ema) – Daimler liebäugelt damit, auf dem Gelände seines Presswerks in Kuppenheim eine Forschungsanlage zum Recycling von Altbatterien zu errichten.

Neue Perspektive: Auf dem Presswerk-Areal könnte eine Forschungsanlage zum Batterie-Recycling entstehen. Foto: Willi Walter

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Neue Perspektive: Auf dem Presswerk-Areal könnte eine Forschungsanlage zum Batterie-Recycling entstehen. Foto: Willi Walter

Bei der Standortsuche für eine Batteriefabrik im Raum Rastatt/Murgtal scheint sich Daimler vorerst auf das Areal des Presswerks in Kuppenheim zu fokussieren. Bei den Planungen wollte das Unternehmen nach BT-Informationen eigentlich schon weiter sein; allerdings bremst offenbar die Umstrukturierung des Konzerns.
Dass Daimler im Zuge des laufenden Transformationsprozesses hin zur E-Mobilität eine neue Zukunftsperspektive auch für das Gaggenauer Benz-Werk braucht, untermauern die Arbeitnehmervertreter schon seit geraumer Zeit. Wohin die Reise gehen könnte, deutete der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht im vergangenen Jahr im BT-Gespräch an: eine Anlage zum Recycling von Batterien – gerade vor dem Hintergrund, dass die Ökobilanz von E-Autos immer wieder kritisiert wird, nicht zuletzt wegen der Batterien. „Mit dem Recyclinggeschäft wird ein großer Meilenstein in Richtung Nachhaltigkeit geschafft“, ist Brecht überzeugt – man könne auch einen kräftigen Schub in der Kreislaufwirtschaft bewirken.

Die damalige Ankündigung, verknüpft mit der Aussage, dass man einen Standort in der Region finden müsse, hat offenbar auch die Bürgermeister in Mittelbaden elektrisiert. Jedenfalls sind nach BT-Informationen mehrere Gemarkungen im Gespräch. Naturschützer sind jetzt alarmiert, dass dazu auch eine Fläche zwischen Bischweier und Gaggenau gehören könnte. Nach Informationen von Wolfgang Huber, Vorsitzender der NABU-Gruppe Murgtal und des Vereins Wildtierpflegestation Mittelbaden, wird das Areal im Umfeld der Bischweierer Wildtierstation als Fläche für eine Batteriefabrik gehandelt. Die Grünflächen würden zurzeit von einem Fachbüro untersucht – im Auftrag der Stadt Gaggenau, wie Huber erfahren hat.

„Wir sind auf einem guten Weg“

Wie berichtet, plant die Große Kreisstadt für die weitere gewerbliche Entwicklung eine 8,5 Hektar große Fläche im Bebauungsplanverfahren „Zwischen Hölderwäldele und Steinbüschel“ in Rotenfels, unter anderem zur Erweiterung der Gerhard Lang Recycling GmbH, wogegen sich die Nachbarn Bischweier und Kuppenheim wehren.

Ob auch eine Batteriefabrik von Daimler angesiedelt wird? Rathaus-Pressesprecherin Judith Feuerer will sich gegenüber dem BT zu konkreten Projekten nicht äußern. Sie verweist darauf, dass in Erweiterung des im Verfahren befindlichen Bebauungsplans „Zwischen Holderwäldele und Steinbüschel“ noch gewerbliche Bauflächen frei seien, die entwickelt werden können (vier der 8,5 Hektar). Hierzu hätten erste Gespräche mit Bischweier stattgefunden. Dabei gab es laut Feuerer auch Überlegungen, gemeinsam ein Gewerbegebiet zu entwickeln. Um hierfür eine fundierte Basis zu erhalten, lasse die Stadt Gaggenau die Fläche derzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersuchen – „ohne schon ein konkretes Projekt zu verfolgen“. Dabei geht es insbesondere um Anforderungen des Immissionsschutzrechts, aber auch erforderliche Ausgleichsmaßnahmen.

Die Spekulationen über die Fläche zwischen Bischweier und Rotenfels könnten auch dadurch genährt sein, dass Daimler offenbar in zwei Schritten plant. Das Management selbst äußerte sich gestern nicht. Brecht sagte dem BT, dass man zunächst eine Forschungsanlage errichten wolle, die von der Bundesregierung gefördert werden könne. Dabei gehe es darum, wie Batterien zerlegt werden können, um möglichst viele Rohstoffe daraus wiederzugewinnen. Zum Standort einer solchen Innovationsfabrik will sich Brecht nicht äußern. Nur so viel: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Nach BT-Informationen verdichten sich die Hinweise, dass die Forschungsanlage wegen der Dringlichkeit auf dem Areal des Presswerks entstehen soll, weil dort Flächen und Baurecht vorhanden sind. Darauf vom BT angesprochen, erklärte der Kuppenheimer Bürgermeister Karsten Mußler: „Keine Stellungnahme.“

Als Wunschstandort in der Region wurde auch immer das Kronospan-Areal an der B462 gehandelt. Doch daran hat Daimler offenbar kein Interesse, wie Bischweiers Bürgermeister Robert Wein feststellt. Kronospan sei nach wie vor mit einer Investorengruppe im Gespräch. Geht die von Daimler verfolgte „Murgtal-Strategie“ auf, dann braucht das Unternehmen einen zweiten Standort. Denn sollte die Elektromobilität erst mal richtig Fahrt aufnehmen und sich das Recycling-Konzept bewähren, wäre Kuppenheim für eine Fabrik zur Wiederverwertung von tonnenweise Altbatterien zu klein.

Bei der Standortsuche könnte Daimler sogar im gewissen Rahmen auf die Naturschützer zählen. Es werde „keine Totalblockade“ geben, sagt NABU-Mann Huber. „Wir haben die Arbeitsplätze und den Naturschutz im Blick.“


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